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Wir haben eine Expertin gefragt: Was kann ein chemisches Peeling?

Säuren als chemisches Peeling sorgen für den mega Glow und lösen sogar gröbere Hautprobleme. Wir haben eine Hautexpertin zum Interview gebeten.

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Wir haben eine Expertin gefragt: Was kann ein chemisches Peeling?

Was Asiatinnen und Hollywood-Beauties gemeinsam haben? Sie lassen gerne Säuren als chemisches Peeling an ihr Gesicht.

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Sie haben Namen wie Alpha-und Beta-Hydroxy, Glykol-und Azelainsäure und sind in den Beauty-Spas in Metropolen wie Shanghai, Tokio und New York der Renner. Die Rede ist dabei von Säuren. Doch hierzulande denken wir bei dem Begriff eher an schlimme Hautverätzungen als an den glowy Hollywood-Teint . Genau das ist aber die Potenz chemischer Peelings: Sie können Akne eliminieren, Linien mindern, Pigmentflecken lösen und sogar empfindliche Haut stärken.

Eine Expertin, die sich sowohl mit unserem Teint als auch mit den beliebten "Chemical Peels" auskennt, ist Meisterkosmetikerin Vera Pöllabauer vom Babor Spa Wien. Sie wendet sie regelmäßig in ihrem Spa an und meint, dass sie zu Unrecht nur "Schälkuren" genannt werden. Schälen muss sich die Haut dabei nicht unbedingt, das kommt auf das gewählte Treatment an. Wir haben den Profi gebeten, ihr Wissen mit uns zu teilen.

WOMAN: Was sind Säuren, und welche Effekte bieten sie?
Vera Pöllaubauer: Die bekannteste und größte Gruppe ist die der AHA- Säuren (Alpha Hydroxy). Bei diesen handelt es sich um Fruchtsäuren. Sie werden mittlerweile fast nur synthetisch hergestellt. Zitronensäure, Weinsäure, Kohlensäure sind einige davon. Dann gibt es die Betahydroxysäuren (BHA), das ist quasi Salicylsäure. Diese sollte keinesfalls angewendet werden, wenn eine Aspirin-Unverträglichkeit besteht. Aspirin besteht nämlich hauptsächlich aus Salicylsäure. Der Vorteil der BHA's: Sie sind fettliebend, dringen sehr tief ein und wirken entzündungshemmend. Bei Akne oder Unreinheit also ideal.

»Gerade mit dem richtigen chemischen Peeling lässt sich empfindliche Haut stärken.«

Es gibt noch viel mehr Säuren für die Haut: Ganz neu und aktuell mein Favorit sind die Polyhydroxy-Acids. Sie räumen an der Hautoberfläche schön auf. Dabei sind sie dennoch sehr mild, trotzdem effektiv. Wer aufgrund seiner empfindlichen Haut Angst vor Säuren hat, kann sich an ein Treatment mit Milchsäure trauen. Sie ist genial, da sie desensibilisiert, die Haut wird tatsächlich stärker dadurch. Ein kleiner Hype hat sich gerade um die Mandelsäure entwickelt: Sie ist zwar recht intensiv, aber auch stark schälend. Ebenso im Trend ist Azelainsäure. Diese pinsle ich bei Akne auf, sie tötet die Aknebakterien ab. Bei Fältchen und Linien setzen wir Mandel-oder Trichloressigsäure ein. Kosmetikerinnen dürfen von Letzerer bis zu 15 Prozent dosieren, was intensiv ist.

Wie verbessern chemische Peelings die Haut?
Generell ist es so, dass wir mit Säuren die Hautzellteilung ankurbeln, sodass mehr Zellen gebildet werden. Die Kollagensynthese, die maßgeblich für die Festigkeit zuständig ist, wird ebenso angeregt. Kurzum: Die Haut erhält den Impuls, sich umzustrukturieren, und wird in der Tiefe repariert. Die Poren sind verfeinert. Ein Chemical Peel wirkt also wie ein Filter, den man über den Teint legt. Jedes Peeling bringt bereits nach dem ersten Facial sichtbare Ergebnisse. Wir haben auch ein spezielles Gerät, den 'Observ 520', mit dem wir jedes Mal die Haut scannen und den Effekt des letzten Facials nachprüfen. Man sieht zum Beispiel, wie Pigment-Ansammlungen von Mal zu Mal fluffiger aussehen, also durch das jeweilige Säure-Facial geknackt werden

Wie oft sollten sie eingesetzt werden und wie lang ist die Downtime?
Ich finde, dass chemische Peelings regelmäßig angewendet werden können. Oft geben wir der Haut zu wenige Workout-Möglichkeiten. Das heißt aber nicht, dass Sie ein Kosmetik-Abo brauchen. Jüngere Haut oder gesunde Haut mit wenigen Entzündungen wird bereits mit wenigen Peelings makellos schön. Bei Pigmentflecken braucht man aber ein paar Behandlungen mehr. Auch Akne bekommen wir so völlig weg, und zwar dauerhaft. Mit dem richtigen Treatment & der Heimpflege haben wir dazu die besten Erfahrungen gemacht. Oft wird gesagt, dass Chemical Peels aufgrund der Sonnenstrahlung nicht gut sind.

Man bedenke aber: Die Brasilianer sind die größten Abnehmer dieser Peelings. Denn mit den neuesten Produkten ist es fast kein Problem mehr, weil die Lichtschwiele der Haut, also ihr natürlicher LSF, nicht herabgesetzt wird. Trotzdem raten wir zu zusätzlichem Sonnenschutz. Die Downtime, also Ausfallszeit, liegt bei maximal zwei Tagen. Am ersten Tag nach dem Treatment sieht man super aus. Man kann etwas rot sein, aber hat einen schönen Glow. Nach dem zweiten Tag beginnt die leichte Schälung, dann braucht die Haut Feuchtigkeitspflege. Sechs Wochen arbeitet alles nach. Deswegen machen wir zwischen den Treatments solange Pause. Ausnahme: Pigmentflecken und Akne. Bei Letzterer warten wir maximal drei Wochen, damit Aknebakterien ja keine Zeit haben, sich neu aufzubauen.

Kann ich meine Haut zu Hause auch mit säurehaltigen Goodies pflegen?
Bei den Heimgebrauch-Goodies sind bewusst niedriger dosierte Fruchtsäuren eingearbeitet. Daher kann man sie unbedenklich verwenden, vor allem nachts sind sie top. Ich finde sanfte Säuren sogar besser als mechanische Peelings mit Körnern. Die Mikrokügelchen bei den klassischen Scrubs sind unter dem Mikroskop betrachtet scharf kantig. Sie machen winzige Risse in die Haut, wodurch Feuchtigkeit und Mineralstoffe ausdringen und schädigende Bakterien eindringen können

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Thema: Pflege