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Chlamydien: die Symptome

Bis zu 10 Prozent aller Frauen sind mit Chlamydien infiziert. Mit welchen Symptomen und Gefahren die Geschlechtskrankheit verbunden ist – und wie sie therapiert wird.


  • Chlamydien: Die am häufigsten auftretende Geschlechtskrankheit.

    Bild 1 von 2 © Corbis
  • Experte: Dr. Johannes Seidel, Facharzt für Geburtenhilfe und Gynälologie im Gesundheitszentrum "Woman & Health".

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Chlamydien sind die häufigste sexuell ansteckende bakterielle Erkrankung: Bis zu 10 Prozent aller Frauen sind damit infiziert. Betroffen sind vor allem jüngere Frauen. Wegen ihrer Häufigkeit und den Folgeschäden zählen Chlamydien zu den gefährlichsten Entzündungsursachen im Genitalbereich.

Dr. Johannes Seidel, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe im Wiener Frauen-Gesundheitszentrum Woman & Health , im Interview über die Symptome und Gefahren von Chlamydien.

WOMAN: Was genau sind Chlamydien?

Dr. Johannes Seidel: Chlamydien sind kleine sogenannte gramnegative intrazelluläre Bakterien, welche vor allem Infektionen der Schleimhäute im Genitalbereich (Chlamydia trachomatis) hervorrufen. Aber es gibt auch andere Chlamydienarten wie Chlamydia pneumoniae, die für Atemwegeserkrankungen verantwortlich sind. Clamydia trachomatis ist jedenfalls die hauptverantwortliche Chlamydiengattung für Erkrankungen im Anogenitalbereich. Und auch die meist verbreitete Chlamydienart in Europa.

WOMAN: Wie ansteckend sind sie?

Dr. Johannes Seidel: Chlamydien sind je nach Typ hoch ansteckend. Die Übertragung erfolgt vor allem über Geschlechtsverkehr und sexuellen Kontakt. Da es sich jedoch um eine sogenannte Schmierinfektion handelt, kann eventuell auch Petting oder das Reiben der Genitale aneinander selten zu einer Ansteckung führen.

WOMAN: Wie wird die Krankheit übertragen?

Dr. Johannes Seidel: Chlamydien werden vorwiegend sexuell übertragen – also durch Geschlechtsverkehr. Durch ungeschützten oralen oder Analverkehr kann es auch zu Infektionen des Enddarmes oder der oberen Atemwege kommen, die aber in der Regel harmlos sind. Jedoch kann es durch sogenannte Schmierinfektionen zu einer Übertragung auf die Augen, wo sie eine Bindehautentzündung verursachen, kommen. Selten ist auch von einer Chlamdienübertragung im Badewasser berichtet worden – wo sie nur Augeninfektionen ausgelöst haben. Daher kommt auch der Name Schwimmbadkonjunktivitis. Auch Babys können sich bei einer vaginalen Geburt selten mit Chlamydien anstecken – sofern die Mutter Chlamydienträgerin ist. Auch hier könnte es zu einer Bindehautentzündung aber auch zu einer gefährlichen Lungenentzündung kommen.

WOMAN: Reicht wildes Schmusen, um Chlamydien zu übertragen – oder muss es zum Geschlechtsverkehr kommen?

Dr. Johannes Seidel: Durch Küssen kommt es in der Regel nicht zur Übertragung von Chlamydien. Sie werden fast immer durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen. Allerdings kann es durch orale Sexpraktiken zu einer Übertragung kommen.

WOMAN: Welche Risiken birgt eine Erkrankung an Chlamydien?

Dr. Johannes Seidel: Chlamydien sind eine sehr ernstzunehmende Erkrankungen mit oft erheblichen Spätfolgen wie Unfruchtbarkeit, chronische Unterbauchschmerzen usw. Prinzipiell kommt es bei Frauen zu einer Infektion des Gebärmutterhalses und der Harnröhre. Von dort wandern die Keime weiter in die Eileiter, wo sie eine Schädigung der Schleimhaut bis zur Verklebungen führen können. Das führt zu Unfruchtbarkeit oder zumindest zu einem beträchtlich erhöhtem Risiko für Eileiterschwangerschaften. Chlamydien können dann auch weiter in die Bauchhöhle aufsteigen, wo über schleichende chronische Entzündungen Verwachsungen entstehen - was nicht selten zu chronischen Unterbauchbeschwerden führt. In der Schwangerschaft können Chlamydieninfektinen zu Frühgeburtlichkeit und vorzeitigen Wehen führen. Auch kann sich das Kind bei der Geburt anstecken, was zu Lungenentzündung und Bindehautentzündung der Augen führen kann. Bei Männern kann es zu einer Infektion der Harnröhre, Nebenhoden und Prostata kommen. Bestimmte Chlamydietypen können auch chronische Gelenksentzündungen verursachen.

WOMAN: Welche Symptome gibt es? Wie kann man erkennen, ob man daran erkrankt ist?

Dr. Johannes Seidel: Das Problem von Chlamydieninfektionen ist, dass diese Infektionen anfangs bis zu 90 % symptomlos sind! Durch die langsame Vermehrung der Bakterien kommt es zu schleichenden chronischen Entzündungen und die Spätfolgen sind manchmal erst nach Jahren sichtbar. Wenn Beschwerden da sind, verursachen sie einen gelblichen klebrigen Ausfluss aus dem Gebärmutterhals mit leichten Unterbauchschmerzen, manchmal Kontaktblutungen nach Geschlechtsverkehr oder Zwischenblutungen. Bei Harnröhrenentzündungen können sie selten zu leicht brennenden Beschwerden beim Urinieren führen. Meistens machen sie jedoch keine Beschwerden und erst später durch die Langzeitfolgen Sterilität oder chronische Unterbauchbeschwerden vermutet.

WOMAN: Wie wird eine Chlamydien-Infektion therapiert?

Dr. Johannes Seidel: Eine Chlamydieninfektion kann im Anfangsstadium sehr gut mit Antibiotika behandelt werden. Im Prinzip gilt desto früher desto besser. Daher sollte Ihr behandelnder Arzt immer auch an Chlamydien denken und durch eine einfachen Abstrich am Gebärmutterhals oder Harnröhre diese Infektion nachweisen. Es gibt mehrere Behandlungsschemata. Typische Antibiotika sind Tetrazykline, die für 14 Tagen eingenommen werden. Es gibt jedoch auch neue Antibiotika die nur einmalig in hoher Dosierung eingenommen werden, was patientinnenfreundlicher ist – etwa Aztihtomycin 3 Tabletten einmalig. Da es bei Chlamydien fast immer zu einem Ping Pong Effekt durch wechselseitige Ansteckung kommt, muss der Partner mitbehandelt werden. Spätinfektionen bedürfen oft auch operative Interventionen um eventuelle Schäden durch Verwachsungen oder Verklebungen zu beheben.

WOMAN: Wie kann man einer Infektion vorbeugen?

Dr. Johannes Seidel: Die einzige sinnvolle Vorbeugung ist die Verwendung von Kondomen. Und wenn der leiseste Verdacht auf eine Infektion besteht, einen Chlamydienabstrich durchzuführen. Blutabnahmen sind wenig sinnvoll, weil sie zu unspezifisch sind.