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Christian Anderl: Sein tragisches Schicksal

Diagnose Hodenkrebs! Ex-Ö3-Moderator Christian Anderl erzählt in WOMAN über sein tragisches Schicksal und warum er jetzt heimische Promis mit Schnauzbärten fotografiert.


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  • Bild 2 von 2 © Christian Anderl

Erst drei Wochen ist es her, dass das Leben von Ex-Ö3-Moderator Christian Anderl (er moderierte u.a. den "Wecker am Wochenende" und verließ den Radiosender Ende April nach 12 Jahren) mit einem Schlag auf den Kopf gestellt wurde. Im berührenden WOMAN -Interview spricht der 37jährige Waldviertler, der seit seinem Abgang beim Radio als Fotograf und Videoproduzent arbeitet, über Ängste, wahre Prioritäten und warum Leben wie Surfen ist.

WOMAN: Wie haben Sie erfahren, dass Sie Krebs haben?

Anderl: Es war an einem Freitagabend, ich lag in der Badewanne, als ich plötzlich einen Knoten ertastete. Er tat zwar nicht weh, aber ich spürte sofort: Da stimmt was nicht. Normalerweise bin ich kein Mann, der gleich zum Arzt läuft. Aber diesmal wollte ich sofort Gewissheit haben und so ließ ich gleich am nächsten Tag in der Urologie im Krankenhaus einen Ultraschall machen. Mein schlimmer Verdacht bestätigte sich: Ich habe Hodenkrebs! Die Tage danach waren die Hölle: Operation, Computertomographie, Blutbild. Jetzt habe ich nur noch einen Hoden, aber zum Glück hatten sich noch keine Metastasen gebildet. Das erhöht meine Heilungschancen. In den nächsten Tagen erfahre ich von einem Onkologen, ob ich Chemotherapie machen muss. Und in den nächsten zwei Jahren muss ich regelmäßig zur Kontrolle, denn da ist jederzeit ein Rückfall möglich...

WOMAN: Was haben Sie diese Hiobsbotschaft im Spital aufgenommen? Welche Gefühle überkommen da einen?

Anderl: Ich habe mich ja seit meinem Abgang von Ö3 als Fotograf selbstständig gemacht und rund um die Uhr gearbeitet. Das kann nicht gesund sein! Ständig denkt man nur an die Firma. Ich war zu mir selbst härter als jeder Chef, den ich je hatte. Aber auch beim Radio habe ich immer sehr viel gearbeitet. Mich ständig antreiben lassen. Jedes Wochenende Frühdienst – das geht an die Substanz. Irgendwann drehten sich meine Gedanken nur noch um den Job. Was will ich erreichen? Was will ich mir leisten können? Unnötige Hirnwichserei! Denn was wirklich zählt im Leben sind Menschen, Momente und die Gesundheit. Alles andere ist Luxus, eine Draufgabe! Als ich die Diagnose bekam, war plötzlich die totale Klarheit da. Seither haben sich auch meine Prioritäten verschoben.

WOMAN: In welche Richtung?

Anderl: Ich versuche mir bewusst zu machen, dass ich nur dieses eine Leben habe. Das mag ich nicht nur mit Arbeit zupflastern. Wenn wir ehrlich sind, ist doch genau das unser großes Problem. Der Druck in der Berufswelt ist so groß, dass wir nicht mal mehr Zeit haben, zum Arzt zu gehen! Das betrifft Männer wie Frauen. Aber im Gegensatz zu euch, die ihr schon als Mädels in der Pubertät eingetrichtert bekommt, dass Vorsorgeuntersuchungen wichtig sind, ist das bei Männern nach wie vor ein Tabuthema. Männer denken immer: „Schauen wir mal, wie sich das entwickelt...“ Oder sie sind kurz betroffen, wenn sie über Hoden- oder Prostatakrebs lesen, aber im nächsten Moment sind alle guten Vorsätze wieder gebrochen. Dabei erkrankt bereits jeder sechste Mann an Prostatakrebs! (hält inne) Ich habe ja nicht anders reagiert, als ich vor genau einem Jahr per Zufall auf Twitter auf die Homepage www.movember.com gestoßen bin...

WOMAN: Was ist www.movember.com ?

Anderl: Eine Initiative von australischen Surfern, die immer Schnurrbärte (englisch: Moustache) trugen, auch wenn die längst nicht mehr „in“ sind. Aber weil sie darauf so oft angesprochen wurden und für Prostatakrebs sensibilisieren wollen, haben sie 2003 den Monat November zum Bewusstseinschaffen ausgerufen. Die Initiative, die Spenden für die Prostatakrebsforschung sammelt, wird mittlerweile weltweitunterstützt. Sogar Formel-1-Star Jenson Button ließ sich im Vorjahr mit Schnauzer ablichten. Und weil ich mich sowieso mit dem Thema auseinander setzen muss, es nicht verdrängen oder totschweigen will, unterstütze ich die Jungs. Und heimische Promis ziehen mit und lassen sich demnächst für eine coole Aktion von mir mit Schnauzer fotografieren. Wohlgemerkt Männer wie Frauen! Die bekommen von meiner Freundin Sarah – sie arbeitet als Maskenbildnerin – einfach einen draufgeklebt.

WOMAN: Welche Promi-Ladys werden Bart tragen?

Anderl: Mirjam Weichselbraun ist dabei, Patricia Kaiser, Nina Hartmann, Martina Rupp, Doris Golpashin, Claudia Stöckl, Andrea Händler, Eva Billisich, Sylvia Graf, Elisabeth Sereda, Daniela Zeller, Christine Reiler, Sandra König, Kati Bellowitsch u.v.m. Herbert Prohaska hat ja schon einen und die anderen Herren, wie Volker Piesczek, Raimund Wallisch, Stefano Bernardin, Hary Raithofer, Roman Gregory, Herbert Steinböck, Julian LePlay etc. lassen sich entweder einen wachsen oder bekommen ebenfalls ein chices Bärtchen verpasst! Den ganzen November über wird man die Fotos auf movember.com sehen und im Dezember soll’s eine große Vernissage dazu geben.

WOMAN: Wie lange sind Sie und Sarah eigentlich schon ein Paar?

Anderl: Seit Mai. Wir arbeiten zwar schon seit zwei Jahren zusammen, aber im Frühjahr hat’s gefunkt. Dank ihr, meiner Familie und meinen Freunden weiß ich jetzt, wie sich ein „Fels in der Brandung“ anfühlt. Dafür bin ich dankbar. Das gibt mir auch die nötige Kraft, etwas zu bewegen und andere Männer zu ermutigen, regelmäßig zur Vorsorge zu gehen.

WOMAN: Schön, dass Sie trotz Ihres Schicksals auch an andere denken!

Anderl: In Selbstmitleid zerfließen bringt nichts. Seit ich mit dem Krebs lebe, muss ich oft ans Surfen denken – was ich in Bali früher oft gemacht habe. Denn Leben ist wie Surfen: Wenn eine Welle immer größer wird, dann kannst du sie nicht stoppen. Du kannst aberlernen, auf ihr zu stehen und auf ihr zu reiten.

Movember: www.movember.com

Christian Anderls Profil auf Movember: www.mobro.co/christiananderl

Interview: Petra Klikovits