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WOMAN des Monats: Christina Steinbrecher-Pfandt

Christina Steinbrecher-Pfandt leitet die viennacontemporary 2016. Wir haben mit der 33-Jährigen über Frauen und Diskriminierung in der Kunst gesprochen.

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Christina Steinbrecher-Pfandt viennacontemporary Interview

Christina Steinbrecher-Pfandt, Leiterin der viennacontemporary 2016

© HJKamerbeek

Von 22.9. – 25.9.2016 wird die Marx Halle in Wien wieder zum Zentrum zeitgenössischer Kunst. Mit 105 Galerien aus 25 Ländern ist viennacontemporary die größte und bedeutendste Kunstmesse der Region. Geleitet wird sie von Christina Steinbrecher-Pfandt - unserer "WOMAN des Monats" im September. Wir haben mit der jungen Powerfrau, die auch schon Mutter ist, über die Bedeutung von Kunst und ihre Liebe zur Stadt Wien gesprochen.

WOMAN: Woher kommt Ihr Interesse für die Kunst?
Steinbrecher-Pfandt: Ich bin in Köln groß geworden, der Stadt der zeitgenössischen Kunst in den 90s. Damals war Kaspar König gerade als Direktor des Ludwig Museums bestellt worden. Meine Schule war ganz in der Nähe und ich habe keine Ausstellung verpasst. Köln war voller Galerien und Künstler, die Zeitungen waren voller Rezensionen. Die Stadt und die Präsenz der Kunst in ihr hat mich zur Kunst gebracht. Als ich den "Cremaster Cycle" von Matthew Barney in der Weltpremiere in Köln sah, war ich für immer infiltriert.

»Kunst ist in erster Linie für den Bürger wichtig, denn er wird intellektuell stimuliert und angetrieben selbstständig zu denken.«
Christina Steinbrecher-Pfandt viennacontemporary Interview

WOMAN: Sie sind erst 33 Jahre alt und leiten bereits die viennacontemporary. Welche Vor- und Nachteile hat Ihr Alter in diesem Job?
Steinbrecher-Pfandt: In meiner Branche sehe ich mein Alter als Vorteil, die Industrie verändert sich und die Veränderungen sind stark durch das Internet und neue Formate und neue Käufer beeinflusst. Ich bin damit groß geworden und kann mit vielen Neuerung positiv umgehen.

viennacontemporary

WOMAN: Gibt es denn auch in der Kunstbranche auch das Problem, dass Männer mehr verdienen als Frauen?
Steinbrecher-Pfandt: Tatsächlich werden immer noch mehr Männer in Museen und Galerien ausgestellt als Frauen, und es gibt auch mehr Männer in Führungspositionen.

WOMAN: Haben Sie das Gefühl, dass es eine positive Entwicklung in dieser Hinsicht gibt?
Steinbrecher-Pfandt: Wien ist ein gute Beispiel für eine positive Entwicklung. Viele Frauen führen hier den Kunstbetrieb an und es werden immer mehr. International und auch stark in Österreich wird Diversität in den Vordergrund gestellt. Also nicht nur das Thema Gender sondern auch Repräsentanz von Minderheiten. Es tut sich viel auf dem Gebiet.

WOMAN: Sie selbst haben kasachische Wurzeln, leben nun aber seit einigen Jahren in Wien. Was schätzten Sie am meisten an dieser Stadt?
Steinbrecher-Pfandt: Die Stadt hat mir beigebracht richtig zu leben. Zu verstehen, wie man Natur und Stadt in Einklang bringt. Wien ist das Epitome des zeitgenössischen Lebens, ohne obsessiv zu sein. Es ist eine Excellenz-Stadt. Jedes Angebot auf höchstem Niveau. Die Stadt ist lässig ohne auf Biegen und Brechen cutting-Edge sein zu wollen. Das macht die Wien zur allerbesten Stadt, die ich kenne.

WOMAN: Warum ist es wichtig, dass eine Stadt über eine Vielzahl von Kultur- und Kunstangeboten verfügt?
Steinbrecher-Pfandt: A. Kunst ist in erster Linie für den Bürger wichtig, denn er wird intellektuell stimuliert und angetrieben selbstständig zu denken. Den Bürger auf Brot und Wasser zu reduzieren bringt dem Staat oft Vorteile, dagegen sollte sich der Bürger aber wehren.
B. Je aktiver und intelligenter der Bürger ist, desto qualitativer ist der Dialog mit der Regierung oder mit der Stadt.

Christina Steinbrecher-Pfandt viennacontemporary Interview

WOMAN: Was hat Kunst mit Politik zu tun?
Steinbrecher-Pfandt: Alles und nichts. Ich sage oft Menschen die nicht aus dem Kunstbetrieb sind, dass Kunst jeder Zeit wie eine Parallele Aufzeichnung von Geschichte ist. So ist es auch am besten zu beschreiben.

WOMAN: Ist es heutzutage schwierig als Künstler/In zu (über)leben?
Künstler zu sein ist eine Berufung und eine große Herausforderung an den Künstler selbst. Jeden Tag geht der Künstler ins Atelier und muss schaffen. Er ist dabei sein größter Kritiker. Der kommerzielle Teil war nie einfach. Deshalb muss man begreifen, welche unglaubliche Leistung Galerien stemmen. Repräsentation von verschiedenen Künstlern, Messen, internationale und lokale Förderung und Finanzierung von Künstlern.

WOMAN: Man hat das Gefühl die Leute interessieren sich weniger für bildende Kunst - mehr für Musik. Ist das so?
Steinbrecher-Pfandt: Das ist nicht ganz richtig, schauen Sie sich die Besucherzahlen in den Museen und Galerien an. Wir haben einen ständigen Strom an Besuchern. Letztes Jahr hatten wir auf der viennacontemporary mehr als 28.000 Besucher - Kunst hat viele loyale Besucher.

viennacontemporary

WOMAN: Wie werden Sie das Thema Kunst an Ihre Tochter heranführen?
Steinbrecher-Pfandt: Meine 3-jährige Tochter Josephine Europa war schon in mehr Ausstellungen als viele andere. Das Angebot in Wien ist fantastisch, jedes Museum hat ein Kinderprogramm, das sehr gut ist. Ich habe im Rheinland gewohnt, in London, in Moskau und mein Mann wohnt zwischen Wien und San Francisco - das beste Kunstangebot hat Wien.

Christina Steinbrecher-Pfandt viennacontemporary Interview

WOMAN: Haben Sie einen Tipp für die viennacontemporary?
Steinbrecher-Pfandt: Haben Sie keine Angst zu fragen! Am spannendsten wird es für einen selbst, wenn man Dinge hinterfragt. Deshalb rate ich den Galeristen Fragen stellen oder eine Führung mitzumachen!
Zur Orientierung: auf der Zone 1 bekommen Sie einen Überblick, was in der jungen österreichischen Kunst passiert. Bei "Solo Expanded" kommen etablierte internationale Positionen zusammen.
"Nordic Highlights" sollte man auf keinen Fall verpassen, Galerien aus Finnland, Schweden und Norwegen.

Alle Infos zur viennacontemporary findest du hier: www.viennacontemporary.at

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