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Unterwegs mit einer der mächtigsten Frauen der Welt: Christine Lagarde

Sie hält das Scheckbuch unserer Welt in Händen, kennt das Who is Who der Politik beim Vornamen und war und ist Pionierin auf vielen Gebieten: Christine Lagarde über ihre Arbeit, ihren Alltag, ihre Familie und persönliches Scheitern.


Christine Lagarde
© Chip Somodevilla/Getty Images

Im Januar gewährt Christine Lagarde, die geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Gabriela Frias exklusive Einblicke in ihren Karriereweg und ihr Privatleben. Die Journalistin hatte die Möglichkeit, Christine Lagarde vier Tage lang in ihrem Alltag und auf Reisen in unterschiedliche Länder zu begleiten und so nicht nur eine der mächtigsten Frauen der Welt, sondern auch die Privatperson Lagarde kennenzulernen:

Christine Lagarde trat ihr Amt als "Money Woman" 2011 an, ein Jahr, das geprägt war von der globalen Wirtschaftskrise und einem Sexskandal ihres Vorgängers Dominique Strauss-Kahn. Zuvor war die Anwältin als Wirtschafts- und Finanzministerin tätig. Sowohl beim IWF als auch in der französischen Regierung ist beziehungsweise war sie die erste Frau in dieser Position.

Christine Lagarde privat

Als Teenager war Lagarde eine erfolgreiche Synchronschwimmerin und erhielt so ein Stipendium für ihr Studium in den USA – der Beginn einer steilen, wenn auch nicht immer einfachen Karriere. „Die größte Herausforderung in meiner Karriere ist, das Privatleben mit dem Beruf zu vereinen – das ist ein Balanceakt. Der Zeitpunkt der Mutterschaft vieler Frauen deckt sich oft mit dem Zeitpunkt, an dem der Beruf viel von ihnen abverlangt. Man lebt also mit der Schuld und lernt, damit umzugehen. Als meine Kinder klein waren, konnte ich Elternabende in der Schule oft nicht wahrnehmen, weil ich im Gerichtssaal war. Ich fühle mich immer noch schuldig dafür, auch wenn mir meine Kinder heute sagen, dass sie gut damit zurechtgekommen seien.“

Christine Lagarde privat

Darüber hinaus erklärt Christine Lagarde, warum Frauen ihrer Ansicht nach in Krisensituationen für Spitzenpositionen besser geeignet sind als Männer: „Ich habe schon öfter beobachtet, dass in sehr schwierigen Situationen Frauen in die Pflicht genommen werden, um das Chaos in den Griff zu bekommen, um Zuversicht und funktionierendes Teamwork wieder herzustellen. Frauen neigen generell dazu, sich mehr für den Erfolg der Gemeinschaft zu interessieren als für ihre eigene Sichtbarkeit, ihr Ansehen oder ihren Erfolg.“

Christine Lagarde hat eine feste Regel bei ihren Reisen: In jedem Land, das sie besucht, trifft sie Frauen-Organisationen. „Wenn sich Frauen untereinander unterhalten, können Sie sich einfach natürlicher, authentischer geben und Missstände in der Gesellschaft offen ansprechen. In einigen Ländern haben mir Frauen über einige Probleme berichtet: Zum Beispiel über den Kampf junger Frauen oder Mädchen, eine Schulbildung zu erhalten oder über häusliche Gewalt gegenüber Frauen. Diese Geschichten würden sie niemals erzählen, wenn Männer bei den Treffen dabei wären.“

Christine Lagarde

Frauen beeinträchtigen ihre eigenen Karrieren häufig durch die Erfahrung des Scheiterns. Jenen rät sie: „Oh, ich würde ganz klar sagen: Kommt darüber hinweg und macht weiter. Ich bin auch schon oft gescheitert. Ich habe zum Beispiel zweimal versucht, in der National School of Administration aufgenommen zu werden und bin gescheitert. Eine Zeit lang habe ich mich zurückgesetzt gefühlt. Dann habe ich mich dazu entschlossen, darüber hinweg zu kommen und meine Lehren aus dem Scheitern zu ziehen.“ 2014 ist gegen die IWF-Chefin ein formelles Ermittlungsverfahren wegen ihrer Verwicklung in eine Finanzaffäre in Frankreich eingeleitet worden – eine schwere Zeit für Lagarde. Wie geht sie mit diesen Vorwürfen um? „Ich will stark sein und habe ein starkes Pflichtgefühl meinem Land gegenüber. Ich denke, dass ich zu dieser Zeit die richtige Entscheidung getroffen habe. Alles andere müssen die Anwälte klären.“

In dem Interview spricht die Karrierefrau auch über ihr Privatleben und eine der prägendsten Situationen ihres Lebens: „Ganz klar: Ein sehr schmerzhafter Moment in meinem Leben war der Tod meines Vaters, als ich 16 Jahre alt war. Ich habe plötzlich Elend gefühlt, echten Schmerz. Es hat mich in jedem Fall verstehen lassen, wie schwer es für eine alleinerziehende Mutter sein kann, Kinder zu erziehen.“ Ihre heutige Stärke führt sie auf ihre starke Mutter zurück.

Deutliche Worte findet Lagarde auf die Frage nach ihrer eventuellen Präsidentschaftskandidatur in Frankreich: „Niemals. Weil ich bei Verstand bin. Und weil ich bei Verstand bleiben möchte.“

Im Rahmen der Sendereihe "Leading Women" stellt CNN International jeden Monat rauen aus Spitzenpositionen in den Bereichen Wirtschaft, Kultur oder Sport vor und zeigt, wie es jede dieser Frauen auf ihre ganz eigene Weise an die Spitze geschafft hat. Gäste waren bisher unter anderem Designerin Carolina Herrera, US-Talkikone Oprah Winfrey und Yahoo CEO Marissa Mayer.

Weitere Informationen zur Sendung unter cnn.com/leadingwomen.

Themen: Videos, Report

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