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Chronische Blasenentzündung

Viel mehr Frauen als Männer sind von einer chronischen Blasenentzündung betroffen. WOMAN erklärt die vier möglichen Krankheitsbilder.


Chronische Blasenentzündung
© Corbis

Die Harnblase des Menschen ist ein wahres Wunderwerk. An ihrer Innenseite befindet sich eine feine Schutzschicht, die normalerweise verhindert, dass reizende Substanzen aus dem Harn bis in die Blaseninnenwand vordringen können.

Bei chronischen Blasenleiden (Cystitiden) ist diese Schutzhülle, die sogenannte Glykosaminoglykan-Schicht, kurz GAG-Schicht, oft defekt. Damit wird sie durchlässig für Reizstoffe aus dem Urin, diese gelangen bis zur Blasenwand (Urothel) und können quälende Symptome verursachen: starken, teilz nicht zu unterdrückenden Harndrang, große Schmerzen und häufiges Wasserlassen (bis zu 60-mal am Tag und bis zu 40-mal in der Nacht).

Die unterschiedlichen Krankheitsbilder

Medizinisch werden verschiedene Krankheitsbilder bei chronischen Blasenentzündungen unterschieden, die oft eines gemeinsam haben: eine geschädigte GAG-Schicht.

• Interstitielle Cystitis (IC

Die Beschwerden ähneln einer akuten bakteriellen Blasenentzündung: Ständiger Harndrang, gekoppelt mit häufigem Wasserlassen und Schmerzen im Beckenbereich, quälen die Patienten. Dennoch finden sich keine Krankheitserreger im Urin, weshalb Antibiotika in der Regel nicht helfen.

• Überaktive Blase (OAB, Overactive Bladder System)

Äußert sich durch einen deutlich gesteigerten Harndrang, der schwer oder nicht zu unterdrücken ist. Meist tritt er in Verbindung mit häufiger Blasenentleerung auf, zum Teil auch mit unkontrolliertem Harnverlust. Bei der überaktive Blase handelt es sich um – wie auch bei der Interstitiellen Cystitis – um eine sogenannte Ausschlussdiagnose. Das bedeutet, dass der behandelnde Arzt sämtliche infrage kommenden Erkrankungen im Vorfeld diagnostisch ausschließen muss. Überschneidungen der beiden Krankheitsbilder erschweren die Diagnose zusätzlich.

• Chronisch wiederkehrende (rezidivierende) Harnwegsinfekte

Davon wird gesprochen, wenn vier oder mehr akute Blasenentzündungen pro Jahr autreten. Dabei handelt es sich in der Mehrzahl der Fälle jeweils um neue bakterielle Infekte. Eine bakterielle Blasenentzündung äußert sich durch ständigen Harndrang, gekoppelt mit häufigem Wasserlassen und Schmerzen im Beckenbereich. Im Urin sind Krankheitserreger nachweisbar. Eine Schädigung der Blasenschutzschicht kann häufige Harnwegsinfekte begünstigen, weil die Bakterien sich dann leichter an die Blasenwand anheften können- Eine Instillationstherapie mit Condroitinsulfat kann die geschädigte GAG-Schicht vorübergehend ersetzen, sodass die Bakterien nicht so leicht haften bleiben. So kann die Behandlung Schutz vor einer erneuten Infektion bieten.

• Strahlencystitis (Radiogene Cstitis)

Kann nach einer Strahlenbehandlung der Beckenregion auftreten, direkt nach der Bestrahlung oder auch erst Jahre später. Patienten leiden unter häufigen Blasenentleerungen, teilweise mit Blut im Urin, schwer zu unterdrückendem Harndrang und anhaltenden Schmerzen.