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Claudia Kottal & Clara Luzia im Kosmos Theater

Macht, Körper, Sex, Geborgenheit, Ängste und Rollenbilder: Das sind nur ein paar der Themen, die im Rahmen eines musikalisch-schauspielerischen Abends unter dem Titel "Jetzt müssen wir auf morgen warten" auf der Bühne von vier Frauen verhandelt werden.

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Claudia Kottal & Clara Luzia im Kosmos Theater
© Katherina Braschel

Claudia Kottal macht Kinofilme, ihr aktueller, "Love Machine", kommt im Februar in die Kinos. Sie macht aber auch TV-Serien, etwa Copstories und Claudia Kottal macht Satire - an ihre legendäre Darstellung von SPÖ-Politikerin Laura Rudas an der Seite von Nicholas Ofzarek als Nico Pelinka bei den "Staatskünstlern", können sich wohl noch viele erinnern. Ein Ort, an dem sie noch nicht alle gesehen haben, ist die Theaterbühne. Auch dort tritt sie nach wie vor regelmäßig auf, zuletzt mit Produktionen ihrer eigenen Kulturvereine. Vereine deshalb, denn es sind tatsächlich mehrere - also jedenfalls zwei. Denn Claudia Kottal ist nicht nur eine Schauspielerin, die vor der Kamera was zu sagen hat - sondern auch als Künstlerin, als Mensch. Und das tut sie etwa dann, wenn sie gemeinsam mit ihren Kolleginnen in selbstgewählten und vor allem auch selbst erarbeiteten Stücken, auf den freien Bühnen Wiens, auftritt.

Aktuell ist es das Stück "Jetzt müssen wir auf morgen warten", das am 29.1. im Kosmos Theater im siebten Bezirk Premiere feiert. Mit ihr auf der Bühne sind nicht nur die beiden Schauspielerinnen Anna Kramer und Constanze Passin, die man auch schon aus den beiden letzten Produktionen "Die Familie Tót" und "Zuckerbüstenhalter" kennt, sondern auch Musikerin Clara Luzia. Denn es handelt sich nicht um reines Text-Stück, vor allem auf der Basis von Clara Luzias Musik werden die drei Frauen im Wechsel von Bewegung und Sprache, Stille und Wortschwall, darüber reflektieren, was es heißt, eine Frau zu sein. Und das heißt heutzutage so einiges, denn vor allem der Umstand "wie viele verschiedene Rollen eine Frau heutzutage erfüllen und dann am besten auch noch perfekt darin sein muss", hat sie zur Uraufführung des Stücks von Amina Gusner aus Berlin bewegt. Das erzählen die drei beim gemeinsamen Interview.

Themen mit viel Humor aufgreifen

Und so schlüpfen sie auch im Stück mit einer großen Portion Humor in Rollen bzw. Figuren, die verschiedene Themen verkörpern. Ein Thema wäre natürlich jenes der Mutterschaft, das im Interview noch mehr Fragen aufwirft: "Warum landet automatisch immer noch ein Großteil der Verantwortung bei der Mutter, also den Frauen? Und was ist im Falle einer Trennung? Und was hat das mit Altersarmut zu tun? Und neben dem ganzen Stress, den so ein Kind erzeugt, soll man dann auch noch gut aussehen?" Und dann sind wir schon bei weiteren Themen, die an dem Abend verhandelt werden: Körperwahrnehmung, Sex, Macht, Geborgenheit, Ängste, Rollenbilder, Klischees und eben alles, was Frauen in ihren unterschiedlichen Rollen immer wieder heimsucht. Und eben, alles gespielt von den drei Frauen auf der musikalischen Basis von Clara Luzia.

"Wir erleben momentan eher Rückschritt"

Warum sie sich dem Thema annehmen? Einerseits, weil das eben Themen sind, die ihnen, genauso wie allen anderen Frauen regelmäßig begegnen. Und: "Weil wir das Gefühl haben, das dauert alles zu lange", es gehe nur schleppend was weiter - wenn überhaupt. "Momentan erleben wir sogar eher wieder Rückschritte" - und das weltweit. Dass sie durch Abende wie diesen darauf aufmerksam machen wollen, hat auch damit zu tun, dass Kottal, Kramer und Passin eben nicht glauben, es läge nur an jeder Frau selbst, diese Herausforderungen zu bewältigen bzw. die gesellschaftlichen Spielregeln und Rahmenbedingungen zu verändern. "Das ist sehr wohl die Aufgabe der Politik, hier Maßnahmen zu ergreifen", sagt Claudia Kottal.

"Zu dünn? Zu dick? Zu weiblich?"

Inspiriert wurde Autorin und Regisseurin Amina Gusner von "Guten Morgen, du Schöne" - einem Bestseller, der vor 40 Jahren erschien und von der in der damaligen DDR lebenden österreichsichen Autorin Maxie Wander stammt. Grundlage für das heutige Stück sind nun eigene Erfahrungen und Gespräche mit Frauen von heute. Und dabei drängen sich vor allem Fragen auf: Gibt es das eigentlich, typisch weiblich? Und wenn ja, was ist das nochmal? Vielleicht etwas, das in engster Verbindung zu den Wörtern „zu“ und „nicht genug“ steht? Zu dick. Zu dünn. Zu mütterlich. Zu männlich. Zu lieb. Nicht lieb genug. Nicht mütterlich genug. Nicht sicher genug.

"Es ist nicht wurscht"

Darüber erzählen die drei Schauspielerinnen auch beim Interview: "Zu hohe Stimme", "zu ernster Blick", "zu laut", "zu leise" - das begegne einem doch ständig, kaum eine Frau, die noch nie mit einem "zu"-Satz bedacht wurde. Und das sei auch das Schöne am gemeinsamen erarbeiten des Stücks - dass man bei so einer Produktion eben auch eigene Erfahrungen und Gedanken mit einbringen kann. Und noch viel wichtiger: Man tritt in Austausch mit dem Publikum, denn das erscheint den dreien ganz zentral, wenn es darum geht, Gleichberechtigung und Gerechtigkeit voranzutreiben: In Kommunikation bleiben. Und zwar nicht in virtueller, sondern von Angesicht zu Angesicht. "Es wird sich nichts ändern, wenn wir uns ärgern, am Schluss aber doch nichts sagen und uns denken 'is ja wurscht'. Es ist nämlich nicht wurscht."

Termine, Karten und mehr Infos über das Kosmos Theater gibt es hier.

Zum Kulturverein XYZ:

Bestehend aus Anna Kramer und Claudia Kottal und in Zusammenarbeit mit anderen Künstler*innen, beschäftigt sich der Kulturverein XYZ mit der Realisierung von sinnlichem Theater für alle. XYZ steht für alle Menschen, jenseits von Chromosomen-Normen — ob männlich, weiblich, transgender, cis, queer, bi- oder hetero. XYZ begreift sich als Beobachter*in unserer Gesellschaft, greift brennende Themen auf und bearbeitet sie in Zusammenarbeit mit anderen Künstler*innen verschiedener Sparten, um sie im Theater sicht- und spürbar zu machen. Der Fokus des Vereins liegt darin, der in mannigfaltigen Formen allgegenwärtigen Diskriminierung entgegenzugehen, sie an der Hand zu nehmen und durch verständnisvolle, zwischenmenschliche Begegnung zu entwaffnen. Empathie ist ein vom Aussterben bedrohtes Gut in unserer Zeit und Theater ist einer der wenigen Orte, wo man sie nähren kann.

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