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Mega-Hype um neue App: Warum "Clubhouse" jetzt unter heftiger Kritik steht

Eine Live-Podcast-App, über die gerade alle sprechen: Mit einer exklusiven Einladung, kann man dem "Clubhouse" beitreten und Stars und Influencern beim Plaudern zuhören. Warum die App so sehr unter Kritik steht.

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Mega-Hype um neue App: Warum "Clubhouse" jetzt unter heftiger Kritik steht
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Die österreichische Start-up- und Influencer-Szene ist ins Clubhouse eingezogen. Nein, ihr habt keine neue Trash TV-Serie verpasst, sondern euch wahrscheinlich eine Instagram-Pause gegönnt. Denn unser Feed war die letzten Tage voll mit Diskussionen über die neue App, die vielleicht so manchen Podcasts Konkurrenz machen wird. Für alle, die Clubhouse noch nicht kennen: Die Audio-Only-Anwendung bietet exklusiven Mitgliedern die Möglichkeit an Live-Podcasts teilzunehmen. Am Wochenende kletterte sie ganz hoch auf die Download-Bestenliste.

Ausschlusskriterium schafft Gefühl von Exklusivität

Und die sorgte die letzten Tage für Aufregung in den sozialen Netzwerken. Nur durch eine Einladung eines anderen Users wird einem der Zutritt zur App gewährt. "Die App basiert auf dem Verknappungsprinzip, das ist eigentlich ein alter Marketingtrick. Wenn man dabei ist, hat man das Gefühl, etwas Besonderes, vielleicht sogar etwas Besseres zu sein als andere Menschen. Das verleiht der App einen exklusiven und eben auch elitären Charakter", so Univ.-Prof. Dr. Jörg Matthes, Vorstand des Instituts für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Uni Wien.

Der "Cool Kids"-Club wird allerdings schnell größer: Bei erfolgreichem Zugang darf man einen anderen User einladen. Nutzt man die App häufiger, stehen einem sogar mehr Einladungen zur Verfügung. Durch das Ausschlusskriterium gerät Clubhouse aber gerade trotzdem unter Kritik. Influencerin Madeleine Darya Alizadeh (@DariaDaria) erklärte am Sonntag, die App aus diesem Grund zu boykottieren: "Ich toleriere keine Art der Diskriminierung. Also wenn eine App im Jahr 2021 auftaucht, die das propagiert, gebe ich ihr keine Chance. Ich komme gut ohne sie klar."

Was kann Clubhouse überhaupt?

Die Themen in den verschiedenen "Rooms" richten sich je nach Präferenz der User. Ein Gespräch über die neueste Frühjahrskollektion von XY bekommt man hier genauso zu hören wie so manchen Investment-Tipp. Zudem besteht die Möglichkeit, jederzeit selbst einen Room zu eröffnen, an dem andere teilhaben können. Gleich zu Beginn der Anmeldung kann man Interessensgebiete auswählen und Personen folgen. Die Profile sind optisch und inhaltlich ähnlich aufgebaut wie auf Instagram.

» Es macht echt süchtig. Ich war gestern sicher vier Stunden dabei.«

Gespräche werden nicht gespeichert

Unter "Upcoming" hält man sich über kommende Talks am Laufenden. Die FOMO ("Fear of missing out") ist also immer präsent: "Die Angst, im Netz etwas zu verpassen entsteht, da die Inhalte (noch) nicht gespeichert werden und auch von Nichtnutzerinnen und Nichtnutzern nicht gehört werden können", so Jörg Matthes. Das erkläre den Erfolg der App. "Zudem bietet sie Gesprächskonstellationen, die es außerhalb der App kaum gibt, da bekannte Namen aus komplett unterschiedlichen Bereichen miteinander sprechen", so der Kommunikationsexperte. "Und natürlich hat die COVID-19 Pandemie den Erfolg der App weiter beschleunigt." Digitale Konzepte, um Menschen ins Gespräch zu bringen, seien sehr gefragt.

Immer mehr Stars und Influencer sind in der App aktiv. Caro Daur, Moderator Joko Winterscheidt und andere hielten bereits Audienzen im Clubhouse. "Es macht echt süchtig. Ich war gestern sicher vier Stunden dabei. Mal sehen, wie lange der Hype andauert", erklärte Daur in ihren Instagram-Storys.

Clubhouse unter Kritik

Kritik hagelte es weiters aufgrund des Audio-Only-Konzepts. Gehörlosen Menschen bleibt der Zugang der Inhalte verwehrt. Zudem ist die App nur für iPhone-NutzerInnen verfügbar, was die Exklusivität von Clubhouse noch weiter vorantreibt. Weiters fehlt jegliche Form von Moderation seitens der BetreiberInnen. Die Inhalte, die in den "Rooms" besprochen werden, werden nicht kontrolliert. Frauenfeindliche Aussagen, Angriffe gegen People of Color oder Personen der LGBTQ+-Community kursieren in der App genauso wie rechtes Gedankengut. Einzelne User können zwar gemeldet werden, dennoch fehlt die Kontrolle seitens der App. Es gibt außerdem keinerlei Warnungen für Fake-Informationen oder triggernde Inhalte. Die App bietet zunächst allen eine große Plattform. Wer hinter den Inhalten steckt, wird nicht weiter hinterfragt. User, die von Facebook und Instagram bereits gesperrt wurden, haben zunächst noch die Möglichkeit, Inhalte auf Clubhouse zu verbreiten.

"Es ist wie im normalen Leben. Manchmal benehmen sich eben auch geladene Gäste daneben, vor allem dann, wenn man nicht moderierend eingreift. Diese Gefahr besteht bei Clubhouse auch und das kann den Hype um die App wieder ganz schnell beenden", prognostiziert Jörg Matthes.

Univ.-Prof. Dr. Jörg Matthes


Und auch um den Datenschutz steht es schlecht. Schon beim ersten Einsteigen in die App, wird man aufgefordert, Zugriff auf das Adressbuch zu gewähren. "Damit kannst du sehen, welche deiner Freunde auf Clubhouse sind", begründen die BetreiberInnen diesen Schritt. Allerdings verstoßt man damit gegen die gängigen Datenschutzrichtlinien, denn die Erlaubnis müsste bei jedem einzelnen Kontakt extra erteilt werden. So kam es auch dazu, dass der deutsche Automobilclub ADAC bereits 3.000 Follower hat – die Nummer dürfte schließlich in vielen digitalen Kontaktbüchern eingetragen sein.

Wer Clubhouse beruflich nutzt, könnte Probleme bekommen, wenn Adressdaten von GeschäftspartnerInnen weitergegeben werden. "Datenschutz scheint bei Clubhouse ein Fremdwort zu sein", warnte der Deutsche Journalistenverband. Die App berechtigt sich nämlich, Gespräche zu Kontrollzwecken mitzuschneiden. Den Nutzerinnen und Nutzern ist dies aber ausdrücklich untersagt.

Beliebt bei vielen Nutzerinnen und Nutzern

Für viele überwiegen bisweilen die Vorteile der App: Der Networking-Charakter steht ganz oben auf der Beliebtheistsskala. Die Rooms mit ihren speziellen Themen lassen große Communities entstehen. Weiters profitiert die Community von Expertinnen und Experten, die ihr Fachwissen teilen. Spannende Persönlichkeiten und viele neue Inhalte machen die App so attraktiv. Es wird sich zeigen, ob die BetreiberInnen noch am Datenschutz feilen und die Gespräche künftig unter gewissen Richtlinien stattfinden oder sogar moderiert werden.

Thema: Instagram
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