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Woran du erkennst, dass du beziehungsabhängig bist

Eine gesunde Beziehung bedeutet, zusammen zu wachsen. Und nicht, zusammenzuwachsen. Wie du erkennst, dass du dich in einer Co-Abhängigkeit befindest.


Woran du erkennst, dass du beziehungsabhängig bist
© Getty Images

Wir verlieren uns selbst aus den Augen, wir denken nur noch an den Partner und wie wir ihm Gutes tun können, wir ordnen uns unter und verleugnen uns teilweise selbst. Mit dem Modewort "Co-Abhängigkeit" wird dieses Verhalten oft beschrieben - in Wahrheit handelt es sich um eine Beziehungsabhängigkeit, in der wir alles tun, nur um unseren Partner nicht zu verlieren.

Doch egal, wie die korrekte Benennung dafür auch sein mag: Ungesund ist dieses Verhalten in jedem Fall. Denn eigentlich sollte man in einer guten Beziehung miteinander wachsen. Jeder sollte sich in seinem Selbstwertgefühl bestärkt fühlen und sich in seiner Entwicklung gestützt fühlen. Dreht sich dein Leben jedoch nur mehr um den Partner und sein Wohlbefinden, dann trittst du in einen dysfunktionalen Kreislauf ein, in dem du dich opferst, um das Glück des anderen zu genießen (während du im Gegenzug sehr wenig bekommst).

Um herauszufinden, ob du dich bereits in diesem toxischen Zyklus befindest, haben wir die sechs Warnsignale für eine Co-Abhängigkeit oder eben "Beziehungsabhängigkeit" gelistet. Und verraten, wie du dich aus der Spirale befreist.

Beziehungsabhängig: So erkennst du, ob du dich nur mehr dem Glück deines Partners unterordnest

1. Du kannst nicht "Nein" sagen, wenn dein Partner etwas möchte

Egal, ob dein Partner dich bittet, an deinem freien Tag seine Besorgungen zu erledigen (oder du sogar vorauseilend anbietest, es für ihn zu tun) oder du in deiner Mittagspause seinen Stromanbieter-Vertrag überprüfen sollst: Deine Antwort lautet "Ja" – und dein persönlicher Zeitplan leidet darunter. Natürlich besteht eine Beziehung aus Kompromissen. Aber du musst nicht alles fallen lassen, um den Wünschen deines Partners zu entsprechen. Indem du ständig die Bedürfnisse anderer über deine stellst, verbesserst du zwar sein Leben, verringerst aber die Qualität und Bedeutung deines.

Was du tun kannst:

  • Erkenne, dass ein "NEIN" nicht zwangsläufig egoistisch ist und dass ein Partner, dem dein Glück wichtig ist, das auch so sehen wird.
  • Entdecke deine Grenzen. Und ziehe sie.
  • Erstelle eine To Do-Liste und behandle deine wichtigen Sachen prioritär.
  • Sei ehrlich. Lass deinen Partner wissen, dass du dich auch auf dein Leben konzentrieren musst und deshalb vielleicht nicht mehr in der Lage sein wirst, alles zu tun, was du bislang für ihn getan hast.

2. Du hast Angst, nicht zu genügen

Angst verspürt man auch, wenn man von jemand anderem ständig Zustimmung und Bestätigung wünscht und in panikartige Zustände verfällt, wenn man erkennt, dass der Partner nicht zufrieden ist. Oder eine Art High und tiefste Dankbarkeit empfindet, wenn dann doch mal ein Lob kommt. Abgesehen von der Frage, ob du möglicherweise nicht gut genug bist (weshalb du auf Eierschalen gehst, in der Hoffnung, um negatives Feedback zu vermeiden), bist du vermutlich auch unsicher, was du eigentlich wirklich brauchst. Statt dich um diese zugegeben nicht einfache Frage zu konzentrieren, versuchst du lieber alles zu tun, was dein Partner braucht. Obwohl Beziehungen ihre Höhen und Tiefen haben: Am Ende sollten sie dich in deinem Wert bestätigen und nicht dazu führen, dass du dich in Frage stellst.

Was du tun kannst:

  • Mach einen Schritt zurück und reflektiere, woher deine Ur-Angst kommt, dass du nicht gut genug sein könntest.
  • Denk über deine Beziehung nach. Ist deine Angst selbstgetrieben - oder wird sie durch das Verhalten deines Partners bestärkt?
  • Versuche herauszufinden, wann die Angst und die Selbstzweifel besonders groß werden. Und konzentriere dich in diesem Momenten auf positive Gedanken.

3. Du veränderst dich, um zu gefallen

Du willst eigentlich Kinder. Aber deinem Partner zuliebe unterdrückst du diesen Wunsch. Ein derart großes Opfer ist verantwortlich dafür, wenn du das Gefühl hast, keine Kontrolle mehr über dein Leben zu haben. Es ist schwierig, die eigene Realität zu erfassen, wenn man sie immer um jemand anderen dreht. Während es wichtig ist, offen für die Hobbies oder Interessen deines Partners zu sein – deine Überzeugungen und Werte solltest du dafür trotzdem nicht fallen lassen.

Was du tun kannst:

  • Prüfe und priorisiere deine Überzeugungen. Manchmal kommt man dabei drauf, dass es sich mit dem Partner am Ende doch nicht "ausgeht".
  • Erkenne, dass jemand, der dich liebt, dich niemals dazu bringen wird, deine Werte zu verraten.
  • Überlege, wo du Kompromisse eingehen wirst. Und wo du dich deinem Partner zuliebe ändern würdest.

4. Du machst nichts mehr ohne deinen Partner

Eure Beziehung ist nur mehr symbiotisch, du verbringst jede freie Minute mit deinem Partner. Das ist zum Teil verständlich, immerhin willst du Zeit mit dem Menschen verbringen, den du liebst. Wenn du aber bereits co-abhängige Tendenzen zeigst und keine Freunde mehr triffst oder deinen eigenen Interessen nachgehst, weil jede Sekunde deines Tuns sich um deinen Partner dreht (auch wenn du beim ihm nur am Sofa hockst und ihm beim Aufhängen seiner Wäsche zusiehst), dann solltest du wieder auf eine gesunde Balance achten.

Was du tun kannst:

  • Mach dir Sachen mit Freunden aus. Und sage sie nicht ab, obwohl dein Partner plötzlich doch Zeit für dich hat.
  • Wäge ab, wann die gemeinsam verbrachte Zeit wertvoll ist. Und wann du eigentlich nur frustriert bist, weil du wie ein Beiwagerl ausschließlich an seinem Leben Anteil nimmst.
  • Versuche, durch neue Hobbys dein Selbstwertgefühl zu heben. Du existierst nicht nur, weil es den anderen gibt.

5. Du gibst vor, immer glücklich zu sein

Es spielt keine Rolle, ob dein Partner dir etwas vorgeworfen hat, was gar nicht stimmt. Du entschuldigst dich und schluckst runter, was du eigentlich erwidern wolltest. Er behandelt dich vor anderen abwertend, aber du erklärst es damit, dass er eben einen schlechten Tag hatte. Die Liste der Entschuldigungen für das schlechte Verhalten deines Partners ist lang. Genauso breit wie dein Lächeln, mit dem du vorgibst, dass alles in Ordnung ist. Fakt ist: Man muss nicht immer alles auf die Goldwaage legen. Merkst du jedoch, dass du deine wahren Gefühle immer öfter unterdrückst und verleugnest, dann ist es Zeit, etwas zu ändern.

Was du tun kannst:

  • Sag deinem Partner, wie du dich fühlst.
  • Geh in dich und überlege, woher dieser Wunsch, immer zu gefallen herrührt.
  • Akzeptiere, dass du nicht immer "glücklich" wirken musst. Du bist ein Mensch und es ist nichts falsch daran, auch mal traurig oder wütend zu sein.

6. Du fühlst dich gefangen

Ist schon öfter das Gefühl dagewesen, dass es ohne diese Beziehung besser, befreiter, leichter wäre? Du hast den Gedanken aber schnell wieder weggewischt. Denn dann wärst du ja alleine und das wäre wesentlich schrecklicher... Es klingt beängstigend, alleine zu sein. Aber die Vision, in einer unglücklichen Beziehung nur der Zweisamkeit wegen festzuhängen, ist noch wesentlich trauriger. Man sollte sein Leben nicht in Zäunen leben, die jemand anderer aufgestellt hat.

Was du tun kannst:

  • Liste das, was dir in deinem Leben wirklich wichtig ist. Und achte darauf, an welcher Stelle deine Beziehung dabei steht.
  • Erkenne, aus welchen Gründen du dich gefangen fühlst.
  • Suche professionelle Hilfe, wenn es dir schwer fällt, deine Gedanken zu ordnen.
  • Besprich' deine Gefühle mit deinem Partner.