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"Liebe in Zeiten von Corona": plötzlich ganz viel zusammen zuhause

Mehr Trennungen oder ein Babyboom? Was wird die jetzt kommende Zeit für Paare, die nun "aufeinander kleben" bringen? Und wie kann man damit am besten umgehen? Wir verraten dir, wie du deine Beziehung in Krisenzeiten stärken kannst.

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"Liebe in Zeiten von Corona": plötzlich ganz viel zusammen zuhause
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Wir lesen und hören überall, was wir derzeit alles nicht sollen oder dürfen: Ja, es ist wichtig und gut, sich daran zu halten – zum Schutz von uns allen. Jedoch, diese Zeit bietet auch…

… echte Chancen und Möglichkeiten für deine Beziehung

Wir legen hier den Fokus auf die positiven Seiten, die sich derzeit ergeben - wenn wir sie nützen. Denn ihr könnt euch jetzt mit so viel ungewohnter und unfreiwilliger Nähe sowie wenig „Ablenkung“ die Zeit ganz leicht sehr schwer machen oder eben nicht. Vielleicht sogar gestärkt aus der ungewohnten Zeit heraus gehen. Wie kann es gelingen, die Zeit jetzt für deine Beziehung – und für dich selbst - wohltuend zu nützen?

Zwischen Angst und Hoffnung: Social Distancing

Corona-Virus an jeder Ecke – aktuell sind viele Teile unseres gesellschaftlichen Lebens in Österreich eingeschränkt oder auch nicht mehr möglich. Es gibt ständig neue Informationen. Das macht vielen Menschen Angst, weil wir oft nicht mehr wissen, was wir tun oder lassen können und sollen. In jedem Fall ist es nicht gelungen, die schulfreien Kids in Gruppen zu Hause miteinander lernen zu lassen – vielleicht noch unter Aufsicht von Oma.

Neue Herausforderungen

Fakt ist: Unser Leben ändert sich derzeit täglich, oft grundlegend. Um in dieser Situation so gut es geht entspannt zu bleiben und kluge Entscheidungen zu treffen, braucht es ein Mindestmaß an Gelassenheit. Es hilft ganz gut zu unterscheiden, „was sind sinnvolle Maßnahmen zum Schutz“ und uns vor Augen zu halten, wie hoch derzeit die tatsächliche Gefahr ist, daran zu erkranken. Wenn wir uns an die jeweils aktuellen Maßnahmen halten sind die Chancen sehr gut, gestärkt aus der Krise zu gehen.

Klug und möglichst entspannt

Klar, den Virus können wir aktuell nicht wegmachen oder wegdenken. Wir sollten ihn ganz sicher nicht ignorieren – sondern möglichst klug und doch so gut es geht entspannt damit umgehen. Nicht nur im beruflichen oder gesellschaftlichen Leben, sondern auch zu Hause, in der Partnerschaft, im Familienleben.

Programme und Ablenkungen fallen weg

Plötzlich also werden wir auf uns selbst und auf unsere Liebsten – so wir gemeinsam wohnen – zurückgeworfen. Menschen bleiben zu Hause, derzeit gibt es wenig „Ablenkung“. Grob gesprochen könnte man sagen, vieles was wir uns bisher als „tagtägliche Lebensinhalte“ geschaffen haben, wird überprüft. Vieles, was bisher wichtig war, fällt weg. Wir kaufen Klopapier statt neuer Mode und viel Essen statt Flugtickets. Jetzt stellt sich heraus: Ist es wirklich wichtig, alltäglich Klamotten zu shoppen, zu möglichst vielen Veranstaltungen zu gehen, überall dabei zu sein? Von einem Business-Meeting, zur nächsten Dienstreise, von einem Förderprogramm fürs Kind zum nächsten zu jagen?

Homeoffice oder sogar Quarantäne?

Viele von uns arbeiten bereits von zu Hause, ganz sicher werden es noch mehr, wenn dieser Tage Schulen und Kindergärten schließen. Wie können wir die – vorübergehende - Zeit nicht nur so gut es geht „unbeschadet“ verbringen, sondern sogar nützen, um uns selbst und unsere Liebsten möglichst zu stärken?

Baby- oder Scheidungsboom?

Es gibt schon diverse philosophische oder journalistische Diskussionen, ob wir in 9 Monaten einen Babyboom oder einen Scheidungsboom erleben – wahrscheinlich beides. Sextoys verkaufen sich derzeit wie die warmen Semmeln und in Italien gibt man den Premium-Zugang zu Pornokanälen frei. Macht das Beste draus – auch wenn du und ihr aus eurem üblichen Leben rausfallen!

Verhalten und Haltung

Einerseits ist es natürlich wichtig, wie wir uns nun verhalten. Fokussieren wir uns auf das, was nicht geht? Oder akzeptieren wir, was wir aktuell nicht ändern können und schauen wir bewusst, wie wir es uns so angenehm wie möglich machen? Das ist eine Frage der Haltung: Ich bemerke, was ich gerade brauche, teile es mit und gebe anderen auch die Möglichkeiten und den Raum dazu. Wir sind plötzlich in der Situation, dass wir viel mehr Nähe zu unseren Lieben haben – nütze die Zeit so gut es geht.

3 konkrete Tipps für Paare

… die plötzlich viel mehr Zeit mit einander verbringen als üblich:

1

Einander Raum geben:
Was ist jetzt wichtig für mich persönlich zu tun – was zu lassen? Was wollen wir jetzt gemeinsam machen, was jede und jeder alleine? Wer richtet sein Homeoffice wo in der Wohnung ein? Wo ist mein Rückzugsort, wo ist deiner? Wann gehen wir lieber gemeinsam einkaufen oder spazieren und wann lieber alleine laufen?

Das hilft: sich selbst zu fragen – was brauche ich jetzt? Ist es Gemeinsamkeit, Nähe, Umarmung, ungestörte Ruhe, Raum für mich?
Andere können es nicht ahnen, deshalb sprich über dich und deine Bedürfnisse – und höre zu, was deine Liebsten brauchen!

Grobe Fehler: über andere bestimmen zu wollen, glauben „zu wissen“, was deine Lieben brauchen. Immer das Haar in der Suppe zu suchen und zu finden. Zu viel gemeinsam tun zu wollen, die eigenen oder die Bedürfnisse des anderen zu ignorieren, in Aktionismus über sich selbst oder andere drüber zu fahren, zB. andere für eigene Bedürfnisse einzuteilen.

2

Bewusste Kommunikation:
Wie sprecht ihr miteinander? In welchen Bereichen gibt es ehrliches Interesse, was kannst du schon nicht mehr hören? Verwendest du deinen Partner oder deine Partnerin als „Mistkübel für deinen Unmut?“ Da kann leicht eine negative Spirale entstehen. Klar muss raus, was stört, nervt – gerade jetzt.

Aber lieber früher und noch relativ gelassen aussprechen, welche Wünsche du hast, oder auch mal ein „ich brauche jetzt ein bisschen Ruhe, Zeit für mich… etc.“ – als später nur noch emotional aufgeladene Vorwürfe zu bringen. Ihr könnt euch jederzeit dazu entscheiden, euren Umgang miteinander positiver zu gestalten – warum nicht gleich jetzt?

Dazu gehört beispielsweise: zuhören, aussprechen lassen, einander immer wieder bewusst wahrnehmen und auch ansehen, eigene Bedürfnisse und Wünsche äußern, nicht alles auf sich selbst beziehen. Achte auf deine Worte: „Ich brauche Zeit für mich!“ sagt ganz etwas anderes aus, als „Lass mich in Ruhe!“

Hilfreiche Fragen – bitte allen Beteiligten Zeit und Raum geben:
Was macht dir Sorgen, was Angst? Jetzt oder auch generell?
Was ist jetzt eine Chance, vielleicht besser?
Was tut dir gerade gut?
Worüber freust du dich aktuell?
Was wünscht du dir jetzt von mir?

3

Bewusst für Entspannung sorgen:
Womit kannst du dich jetzt am besten entspannen? Wie alleine – wie gemeinsam? Um nur einige Möglichkeiten aufzuzählen: mit Bewegung, wenn du raus in die Natur gehst? Mit einem Bad, auf deiner Yogamatte? Mit Musik, beim Kochen, in einer Umarmung? Beim Lesen, gemeinsamen Kochen, Essen, Spazieren, Serien Schauen, Spielen oder in der Ruhe? Sprich es aus, wie können andere im Haushalt dich unterstützen?

Es entspannt, ganz bewusst die aktuellen Vorteile zu sehen. Ja, vielleicht für manche provokant – frag dich mal: Was ist gerade besser für mich?

Dass ich keinen Wecker brauche? Mehr von zu Hause arbeiten kann? Dass meine PartnerIn nicht werktags weg pendelt, sondern wir mehr Zeit mit einander haben? Auf den ersten Blick vielleicht langweilig, weil es aktuell kein kulturelles Ausgeh-Angebot gibt, sodass wir plötzlich viel mehr Zeit für einander haben? Alle möglichen Kanäle mehr auf Qualität und sinnvolle Unterhaltung setzen?

Abschließend noch eine Frage: Was siehst du?
Inhaltlich ist es dasselbe, ob du sagst – „ich will nicht krank werden!“ oder „ich will gesund bleiben!“ Trotzdem macht es einen großen Unterschied: Wenn du immer „krank“ im Fokus hast, fühlst du dich rasch ein bisschen wie das Kaninchen vor der Schlange. Wenn du „gesund“ im Fokus hast, bekommst du Handlungsmöglichkeiten und überlegst, was stärkt mich? Ist es mehr Schlaf, bewussteres Essen? Mehr Bewegung? Welche Menschen tun mir gut – selbst wenn gerade nur am Telefon?

Fakt ist, gemeinsam schaffen wir mehr – auch und gerade jetzt. Freude tut gut – dir, euch und dem Immunsystem.

Wer mehr möchte: Nicole Siller arbeitet – nach Vereinbarung - auch per Skype, am Telefon oder per Mail. Wenn du jetzt Unterstützung benötigst, findest du ihre Kontaktdaten hier:lebendich.at

Über die Autorin:

Nicole Siller bietet psychologische Beratung, Sexualberatung und systemisches Coaching an. Sie ist Autorin von „Finde deine Lust!“ - das Praxisbuch für weibliche Sexualität.

Infos zu individueller Beratung, zu ihrem Blog, Podcast sowie Kursen gibt's auf lebendich.at.

Weitere Informationen und Beiträge rund um das Thema Beziehung findest du auf WOMAN.at.