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Die Corona-Krise hat mein Dating-Leben verändert - zum Besseren!

Daten war noch nie so einfach und vielversprechend, meint unsere Redakteurin. Warum die Pandemie ausnahmsweise Vorteile hat, die gerade Singles in die Hände spielen.

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Die Corona-Krise hat mein Dating-Leben verändert - zum Besseren!
© Photo by Priscilla Du Preez on Unsplash

Seien wir ehrlich: Solo zu sein ist eigentlich großartig. Außer, man befindet sich im Lockdown. Oder generell in einer Krise. Die letzten Wochen und Monate waren für alleinlebende Menschen nämlich wirklich hart. Wenn der einzige Körperkontakt aus einer Umarmung mit der eigenen Mutter besteht, die schon Corona hatte, läuten alle Alarmglocken. Berührungen reduzieren ja schließlich Stress. Und von dem haben wir alle mehr als genug. Doch da ist Licht am Ende des Tunnels, denn jemanden kennenzulernen war meiner Meinung nach noch nie so einfach, ehrlich und vielversprechend wie gerade jetzt.

Na gut, diese Adjektive scheinen doch ein bisschen übertrieben. Online-Dating ist eigentlich verdammt anstrengend. In den letzten Monaten gab es aber ein paar Hoffnungsschimmer, die mein Liebesleben durchaus positiv beeinflusst haben …

Warum gerade JETZT ein guter Zeitpunkt ist, jemanden kennenzulernen?

Viele begreifen derzeit, dass das ewige Single-Dasein vielleicht doch nichts für sie ist. Zumindest fehlt die Möglichkeit, jedes Wochenende einen neuen One-Night-Stand aufzureißen. Sprich: Die Einsamkeit ist groß, die Ablenkung klein. In Ausnahmesituationen sehnen wir uns nach fester Bindung: "Wie der Alltag in der Praxis zeigt, leiden vor allem junge Menschen im Alter von 25 bis 35 an Einsamkeit und erkennen nun den Wert einer fixen Partnerschaft", sagt Psychotherapeutin Katrin Wippersberg von der Wiener Couch.

"Auf der anderen Seite ist die Lust am klassischen Online-Dating zurückgegangen, da es momentan sowieso schwierig ist, sich zu treffen. Tun sie es aber doch, sind viele bemüht, ernsthafter zu daten", erklärt Wippersberg. Ob es einfacher geworden ist, ließe sich pauschal nicht beantworten. Schließlich spielen viele Faktoren zusammen, so die Expertin.

Sehnsucht nach monogamer Beziehung steigt

Fest steht: In Ausnahmesituationen besinnen wir uns auf das Wesentliche: "In Zeiten, in denen man so viele Einschränkungen erlebt, wird das Bedürfnis nach Zweisamkeit und Zusammenhalt größer", weiß Wippersberg. Stabilität, Rückhalt und Grundwerte wie Familie und Partnerschaft sind plötzlich wichtiger geworden. Aber auch viele Ängste seien im Spiel: "Zum Beispiel vor dem Alleinsein oder nicht dazuzugehören", bestätigt die Psychotherapeutin.

Gemeinsam einsam, oder so.


Meiner Meinung nach spielt noch etwas anderes eine wichtige Rolle: Entbehrungen machen das Ganze erst so richtig spannend. Zwei Menschen, die sich furchtbar gerne sehen möchten, aber mit Videocalls die Zeit überbrücken müssen, bis beide einen negativen Corona-Test haben – das ist echte Romantik im Jahr 2021. Kennt ihr die Filme, in denen Paare sehnsüchtig Liebesbriefe schreiben, bis sie sich am Ende dann allen Widrigkeiten zum Trotz erleichtert in die Arme schließen? So in etwa fühlt sich Dating gerade an – wenn es gut läuft.

»Das komplexe Geflecht aus 100 Eisen im Feuer, einem Ex-Freund, der dann doch wieder anklopft und der letzten turbulenten Clubnacht wurde durch die Pandemie ausgehebelt.«

Für Dinge, die früher selbstverständlich waren, wird nun viel investiert. Die Zeit mit anderen Menschen ist ein wertvolles Gut. Die Hand des anderen zu berühren – plötzlich ein außergewöhnlicher Moment (so viel Kitsch kann man auch nur jetzt ertragen).

Aber mal so ganz grundsätzlich: Sich langsam kennenzulernen, hat ohnehin viele Vorteile. Wirklich durchgezogen haben es allerdings die wenigsten. Die Pandemie zwingt uns dazu, den Dingen Zeit zu geben. Das gilt für jene Singles, die bereit für etwas Festes sind. Allen, die nur darauf warten, bis sie wieder ihren persönlich Barney Stinson-Rekord brechen können, kann man raten: Durchhalten – die nächste Party kommt bestimmt.

Tiefgründigere, aufrichtigere Gespräche

Das obligatorische "Wie geht's?" ist nicht nur einfach so dahergesagt, sondern wirklich ernst gemeint. Wie verkraftet das potenzielle Gspusi eigentlich den vierten Lockdown? Was ist uns allen wichtig geworden? Und wie gehen wir mit dieser Situation um? Die Gesprächsthemen sind nicht nur tiefgründiger, sondern auch um einiges ehrlicher geworden. Hinzu kommt das Bedürfnis nach Sicherheit und Zusammenhalt – sich in dieser ohnehin komplexen Zeit auf jemanden verlassen zu können, bekam einen höheren Stellenwert.

Und wenn es doch nicht klappt? Habe ich das Interesse verloren, gebe ich direkte Antworten. Werde ich gerade selbst abserviert, verlange ich nach welchen. Denn das ist das Mindeste, was wir in dieser ohnehin schon schwierigen Zeit füreinander tun können.

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