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Leichter Verlauf bei Corona? Dennoch Langzeitfolgen

"Mein Onkel hat Corona. Aber zum Glück nur ein milder Verlauf!" Aussagen dieser Art hört man in letzter Zeit öfter. Aber auch ein milder Verlauf kann gehörige Langzeitfolgen haben wie Betroffene zu "LongCovid" erzählen.

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Leichter Verlauf bei Corona? Dennoch Langzeitfolgen
© iStock

Seit den ersten Berichten über Corona bis heute ist gerade einmal ein Jahr vergangen. Die Forschungslage über die daraus resultierende Krankheit COVID-19 ist also vergleichsweise jung und wird ständig noch erweitert. Was auch erst jetzt klar wird: Die Infektion verursacht auch nach Wochen oder Monaten noch massive Probleme - selbst bei mildem Verlauf.

Die Berichte über Langzeitfolgen nach einer doch eigentlich überstandenen COVID-19-Erkrankung häufen sich. Die ersten akuten Wochen könnten also möglicherweise nur der erste Schritt auf einem mühsamen Weg sein. Langzeitverläufe zeigen, dass 10–20 % aller Infizierten auch nach Monaten noch Symptome haben.

Langzeitfolgen von Corona können Monate oder noch länger andauern

Dr. Anthony Fauci, Immunologe und Direktor des National Institute of Allergy and Infectious Diseases in den USA ergänzte dazu, dass die Langzeitfolgen Betroffene vielleicht nicht nur Monate, sondern noch länger begleiten könnten - wir wissen es einfach nicht, da wir ja keine echten Langzeitstudien haben. Aber wir haben die traurige Gewissheit, dass zwischen 25% und 35% der Infizierten anhaltende Symptome haben, die weit über den Erwartungen eines bisher bekannten postviralen Syndroms liegen.

Viele Menschen, die als "genesen" gelten oder kaum Symptome aufwiesen, sind von LongCovid betroffen. Auch Kinder - viele Fälle bleiben hier jedoch unentdeckt, da sich Kinder manchmal schlechter mitteilen können und Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Antriebslosigkeit oft als psychisches Problem eingeordnet werden.

Laut einer Studie des Radboud University Medical Center in den Niederlanden leiden Coronavirus-PatientInnen mit milden Symptomen, die sich zuhause erholt haben, drei Monate später häufiger unter schlechterer Gesundheit als PatientInnen mit schwerwiegenderen Symptomen, die im Krankenhaus behandelt wurden.

"Das Durchschnittsalter der PatientInnen, die an diesem postakuten COVID-Syndrom leiden, liegt zwischen 20 und 40 Jahren. Sie waren zuvor relativ gesund“, so Dr. Dayna McCarthy, eine der SpezialistInnen, die mit dem Center for Post-COVID Care des Mount Sinai Hospital zusammenarbeitet.

Die häufigsten Symptome von LongCovid sind:

  • Extreme Müdigkeit und Erschöpfung
  • Atemnot
  • Lang anhaltender Husten
  • Muskelschwäche
  • Leichtes Fieber
  • Konzentrationsunfähigkeit
  • Gedächtnislücken
  • Stimmungsschwankungen, manchmal begleitet von Depressionen und anderen psychischen Problemen
  • Schlafstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Gelenkschmerzen
  • Nadelstichartige Schmerzen in Armen und Beinen
  • Durchfall und Erbrechen
  • Geschmacks- und Geruchsverlust
  • Halsschmerzen und Schwierigkeiten beim Schlucken
  • Neu auftretende Diabetes und Bluthochdruck
  • Hautausschlag
  • Kurzatmigkeit
  • Brustschmerzen
  • Herzklopfen
  • Haarausfall
  • Zahnverlust

Aber auch eine andere Schlagzeile ließ in diesem Zusammenhang aufhorchen: "Das Virus lässt das Gehirn um zehn Jahre altern!" so Forschende des Imperial College in London. Welche Langzeitfolgen das Coronavirus auf unser Hirn hat, untersucht laut Die Presse aktuell auch ein Grazer Wissenschaftsteam im neu geschaffenen „Human Factors Labor“ bei Joanneum Research: "Der Studie zufolge nimmt die kognitive Leistung von Menschen, die eine Covid-Infektion überstanden haben, alarmierend ab, selbst wenn der akute Krankheitsverlauf nur leicht war."

Das Gehirn ist aber nicht das einzige Organ, das langfristig geschädigt werden kann. Vor allem Lunge sowie Herz können betroffen sein. Viele junge PatientInnen, die keiner Risikogruppe angehörten, hatten Monate nach der ersten Infektion Anzeichen einer Schädigung mehrerer Organe.

Was #LongCovid bedeuten kann

Unter dem Hashtag #longcovid berichten zahlreiche Betroffene von ihren bereits seit Monaten anhaltenden Beschwerden:

Thema: Coronavirus