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Corona: Werden Mützen und Schals zur Standard-Ausrüstung für SchülerInnen, um richtig lüften zu können?

Mit Mütze und Winterjacke dick eingepackt im Klassenzimmer sitzen, um erneute Schließungen von Schulen in der Corona-Pandemie zu verhindern? Wie der Schulbetrieb funktionieren könnte.

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Corona: Werden Mützen und Schals zur Standard-Ausrüstung für SchülerInnen, um richtig lüften zu können?
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Ab Dienstag, den 3.11., gelten wieder verschärfte Lockdown-Maßnahmen in Österreich: Oberstufen, Fachhochschulen und Universitäten stellen auf Distance-Learning um. Kindergärten, Volksschulen, Unterstufen, Polytechnische Schulen sowie Sonderschulen bleiben jedoch offen. Aber wie geht es dort weiter?

Maskenpflicht, Abstandhalten, Pflexiglasscheiben, Hygiene-Vorgaben - Maßnahmen gibt es zahlreiche, um das Risiko für Infektionen in Schul- und Unterrichtsräumen oder Kindergärten zu verringern. In unzureichend belüfteten Innenräumen ist das Risiko einer Ansteckung durch Aerosole erhöht, während draußen dank Luftbewegungen die Virusbelastung niedrig ist.

Ein Großteil unseres Lebens spielt sich jedoch nicht im Freien, sondern in geschlossenen Räumen ab. Und daher ist an Arbeitsstätten sowie Schulen ein regelmäßiges Lüften so wichtig. Bei Klassen sollte alle 20-25 Minuten das Fenster kurz komplett geöffnet werden.

Aber kann das auch im Winter bei Minusgraden funktionieren? Das erneute Schließen von Schulen soll nach Möglichkeit verhindert werden, da dies negative Folgen für Kinder, als auch Eltern hat: So wird nicht nur Bildung vorenthalten, zahlreiche Familien kommen auch an ihre Belastungsgrenzen. Wie wird daher der Schulbetrieb weitergehen können? Dazu haben wir Dr. Eva Hiebinger, Schulärztin an mehreren Linzer Pflichtschulen, befragt:

WOMAN: Wie ist die aktuelle Lage an den Schulen - aus Ihrer Sicht als Schulärztin und Mutter?
Hiebinger: Eigentlich ist die Situation jetzt deutlich besser als beispielsweise vor dem Sommer - da war die Angst noch groß. Weder Eltern, Lehrpersonal noch Kinder konnten die Lage einschätzen. Weil noch kaum etwas über das Coronavirus bekannt war und niemand recht wusste, wovor man sich fürchtet. Nun sind - trotz der gerade steigenden Verdachtsfälle - alle doch etwas entspannter. Man hat sich schon mehr an die neue Normalität gewöhnt und vieles ist besser einordbar. Wobei man hier natürlich nie für alle sprechen kann, denn jedes Kind und jeder Mensch ist und reagiert unterschiedlich.

Das sehe ich schon bei meinen eigenen zwei Söhnen: Dem einen ist die gesamte Situation egal, der andere machte sich vor einigen Monaten so viele Gedanken, dass der Druck und Stress, den er sich selbst gemacht hatte, in wochenlangen Kopfschmerzen mündete, die sich als psychogen herausstellten und zum Glück nun wieder abgeklungen sind.

Muten wir Kindern zu viel zu oder sind Kinder stabiler als wir denken?
Hiebinger: Das kann man leider nicht verallgemeinern. Und es stellt sich ja auch die Frage, ob man ihnen irgendwas ersparen könnte. Sich die Hände zu waschen ist ja nichts Schlimmes - das ist sicher nicht zu viel zugemutet, sondern sollte Grundlage sein. Bei individuellen Sorgen und Ängsten muss man auf jeden Fall aufpassen, denn Kinder nehmen sehr wohl wahr, wenn die Erwachsenen, also die eigenen Eltern, LehrerInnen, Großeltern, usw. ängstlich sind.

»Die Maske ist definitiv gut eingeführt und unbelastend - Kinder sehen das auch lockerer. Manche tragen ihre Maske mit Stolz wie eine coole Verkleidung, ein schickes Accessoire oder das Symbol für die Rettung vor dem Virus. «

Die Maske gehört schon dazu wie die Schultasche. Diese ist definitiv gut eingeführt und unbelastend - Kinder sehen das auch lockerer. Manche tragen ihre Maske mit Stolz wie eine coole Verkleidung, ein schickes Accessoire oder das Symbol für die Rettung vor dem Virus. Für manche ist es eine Beruhigung: der Andere hat eine Maske auf, der schützt mich. Für einige ist sie ein Zeichen, das sie daran erinnert, dass nicht alles normal ist.
Wenn man sich umhört, dann ist meist nicht die Maske ein Thema für sie, sondern vielmehr, dass sie nicht mehr so viel miteinander spielen können und ständig Abstand halten sollen.

Was auf jeden Fall zu beobachten ist: Die Schülerinnen und Schüler sind extrem diszipliniert - vor allem die Kleineren wie in der Volksschule. Weil immer gesagt wird, die Jugendlichen sind so wild und rebellisch: Auch diese sind zum größten Teil kooperativ, stellen sich geduldig an, halten Abstand und tragen Masken.

Werden nun in den kommenden kalten Monaten Decken, Mützen und Schals zur Standard-Ausrüstung für Schülerinnen und Schüler gehören, um richtig lüften zu können?
Hiebinger: Empfohlen wird alle 20 Minuten, also jede Pause und einmal in der Unterrichtsstunde kurz zu lüften, um eine eventuelle Viruslast in der Raumluft zu verringern: Mit einer kurzen Stoßlüftung werden die Viren quasi hinausgeblasen, die Luft automatisch verdünnt und Wärme sollte nicht allzu viel verloren gehen, sodass ein Tragen von Mützen oder Schals im Unterricht nicht notwendig sein sollte. Unabhängig von Corona, empfehlen wir SchulärztInnen schon lange das regelmäßige Lüften von Klassenräumen.

»Abgesehen von der Frischluft im Klassenzimmer, sollten Schülerinnen und Schüler möglichst viel nach draußen. Egal welches Wetter, egal welches Fach. «

Und abgesehen von der Frischluft im Klassenzimmer, sollten Schülerinnen und Schüler auch möglichst viel nach draußen. Egal welches Wetter, egal welches Fach. Das muss nicht nur Sport oder Biologie sein, das kann selbst Mathematik sein. Beispielsweise kann man mit den Kleinen Kastanien sammeln und diese zusammenzählen. So wird auch gleich ein Lebens- und Praxisbezug geschaffen. Wichtig ist, dass wir nicht nur sitzende Kinder haben, die sich dieses Verhalten anlernen und wegen der mangelnden Bewegung negative gesundheitliche Folgen befürchten müssen.

Haben niedrige Temperaturen im Klassenzimmer Auswirkungen? Werden die Kinder leichter krank oder hat dies Einfluss aufs Lernverhalten?
Hiebinger: Für das Immunsystem eigentlich nicht - nur wenn man wirklich friert, die Nase schon kalt wird und das Blut sich in die Mitte des Körpers zurückzieht, dann haben die abgekühlten Regionen weniger Abwehrzellen. Stoßlüften sollte kurz sein und man sollte vom Temperaturabfall kaum etwas merken. Wichtig ist eben regelmäßig, aber nur wenige Minuten durchzulüften. In Bezug auf das Lernverhalten ist weder Kälte noch Hitze ideal.

Um Abstand zu gewährleisten: Sollte man Klassengrößen verringern? Wie realistisch sind die Forderungen nach Verkleinerung der Klassen?
Hiebinger: Es wird immer neue Krankheiten geben, Pandemien sind nicht auszuschließen. Allein dafür wären kleinere Klassen und kleinere Schulen sinnvoll. Ein persönlicheres Verhältnis zwischen SchülerInnen und LehrerInnen, aber auch unter den Kindern oder Jugendlichen ist in vielerlei Hinsicht positiv: Mobbing passiert zum Beispiel häufiger in großen als in kleinen Schulen.

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