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Menschen machen sich über deine Corona-Angst lustig? Das kannst du tun

Familie und FreundInnen nehmen deine Coronavirus-Ängste nicht ernst? So kannst du mit ihnen darüber reden!


Menschen machen sich über deine Corona-Angst lustig? Das kannst du tun

Deine Sorgen sind berechtigt!

© iStock

In Österreich starben mit heutigem Tag 861 Menschen an Corona. Über 57.326 positive Coronavirus-Fälle gab es bei uns bisher. Mitten in einer Pandemie zu leben, machte und macht das Jahr 2020 zu einem besonders herausfordernden. Ein Problem, das uns aber besonders verrückt macht? Die Tatsache, dass uns Menschen, die uns nahestehen, immer wieder dazu bringen, uns selbst und unsere Meinung in Frage zu stellen. Gaslighting nennt man das in der Fachsprache.

Das Covid-19-Gaslighting ist REAL. Und es kann zu zu psychischen und physischen Gesundheitsproblemen führen. Gerade jetzt bräuchten wir nämlich Support, Freundlichkeit und Empathie anstatt Negativität. Manipulative Verhaltensweisen nagen da an der noch verbleibenden Resilienz und Positivität.

Deine Corona-Ängste sind OK

Man fängt an, sich selbst in Frage zu stellen, sich selbst niederzumachen, weil das Gefühl aufkommt, dass man einfach zu sensibel ist, zu besorgt, zu reaktiv. Warum sich Menschen in dieser Zeit überhaupt gegen wissenschaftlich belegte Fakten lehnen, auf das Tragen von Schutzmasken verzichten und die Ängste anderer klein machen? Die klinische Psychologin Carla Marie Manly meint im Interview mit Hellogiggles, dass sich Menschen in so unsicheren Zeiten mächtig fühlen wollen, eine Art Kontrolle über die Geschehnisse brauchen. Bestes Beispiel? US-Präsident Donald Trump, der auf Twitter postulierte, sich nicht vor Covid-19 fürchten zu müssen. Und das obwohl er nur Minuten davor vom Walter Reed Medical Center wegen einer Corona-Infektion entlassen wurde und schon hunderttausende AmerikanerInnen an und mit dem Virus gestorben sind.

Was also tun, wenn jemand deine Ängste und Sorgen nicht ernst nimmt? Wie kannst du reagieren, wenn sich Familie, FreundInnen oder ArbeitskollegInnen über dich lustig machen oder dich nicht ernst nehmen?

1. Quellenbeleg

Deine Arbeitskollegin meint, das Tragen von Schutzmasken wäre absoluter Humbug und nichts anderes als Machtmissbrauch? Frag sie nach der Quelle ihrer Behauptungen. Die Unterhaltung gerät aus den Fugen? Berufe dich auf wissenschaftliche Quellen. Es geht in dieser Pandemie nicht darum, welche Risiken der Einzelne bereit ist, auf sich zu nehmen.

2. Sende "Ich"-Botschaften

Jemand meint, dass deine Perspektive der Dinge schlicht falsch ist? Fokussiere dich weiter auf dich und deine Werte, indem du ICH-Botschaften sendest. Dein Onkel hält nichts von Social Distancing und macht sich lustig darüber, dass du ihn nicht umarmen willst? Reagiere zum Beispiel so darauf: "Ich liebe dich sehr, will dich sehen, fühle mich aber nur wohl, wenn wir Social Distancing einhalten. Ich will mit dir Zeit verbringen, trage aber bitte eine Maske und halte genug Abstand. Ich weiß, dass das vielleicht lästig ist, ich verstehe also, wenn du das nicht willst." So machst du dich nicht über die Perspektive des Verwandten lustig oder machst Vorwürfe, sondern gibst ihm die Chance, selbst eine Entscheidung zu treffen.

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3. Beende die Diskussion, wenn es hässlich wird

Jeder Satz wird dir im Mund umgedreht, die Gemüter sind erhitzt und du bist einfach nur noch überfordert? Dann beende die Diskussion - vor allen Dingen, wenn dich jemand respektlos behandelt. Sobald ihr von einem objektiven, wissenschaftlichen Weg abkommt und ihr in die Welt der Meinungen abdriftet, solltet ihr das Thema besser lassen...

Wie du manipulative Argumente am besten stoppst? Wir haben da eine kleine Liste für dich:

  • "Du hast Anspruch auf deine Realität und ich auf meine."
  • "Ich werde das nicht kommentieren."
  • "Das ist eine interessante Meinung."
  • "Lass uns über etwas anderes reden. Was ist der beste Film, den du in letzter Zeit gesehen hast?"
  • "Wir sind wegen der Pandemie schon alle drüber, ich werde also nicht auf deinen Kommentar antworten."
  • "Woher hast du diese Information? Was macht diese Quelle vertrauenswürdig?"
  • "Du darfst deine eigene Meinung haben, aber ich höre auf den medizinischen/wissenschaftlichen Weg."

4. Finde jemanden, die oder der dir eine objektive Meinung gibt

Du weißt schon gar nicht mehr, ob du nicht doch überreagierst? Schau, dass du jemanden an deiner Seite hast. Sei es eineR deiner Liebsten oder deinE TherapeutIn. Sie sollen dir eine objektive Meinung geben, wenn du dich ob deiner Werte und Bedürfnisse unsicher fühlst.

5. Setze Grenzen

Am Ende des Tages ist deine mentale Gesundheit das Allerwichtigste. Wenn deine Liebsten das nicht akzeptieren, solltest du das Thema "Coronavirus" fürs Erste vielleicht einfach nicht mehr mit ihnen diskutieren, um der Negativität aus dem Weg zu gehen. Du könntest einfach nichts mehr dazu sagen, dich aus der Situation nehmen oder du bietest an, dich kurz zu erklären. Denke aber daran, dass die eigenen Grenzen nicht immer von allen akzeptiert werden - vor allem, wenn sie sich angegriffen fühlen. Versuche also, möglichst diplomatisch und sensibel an die Sache ranzugehen und keine Kritik zu üben. Was das bedeutet? Akzeptiere, dass ihr unterschiedlicher Meinung seid. Wenn Familie oder FreundInnen das nicht akzeptieren, ist es aber an der Zeit, dich endgültig aus der Situation herauszunehmen.