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Gesundheits- und Krankenpflegerin: "In den nächsten zwei Wochen kommt viel Arbeit auf uns zu!"

Sie sind die HeldInnen des Landes: unsere Ärztinnen und Ärzte sowie Krankenpflegerinnen und -pfleger! Aber wie ist die Lage vor Ort wirklich? Um das herauszufinden, haben wir eine Gesundheits- und Krankenpflegerin zum Interview gebeten.

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Gesundheits- und Krankenpflegerin: "In den nächsten zwei Wochen kommt viel Arbeit auf uns zu!"
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Neben all den neuen Einschränkungen, mit denen wir uns gerade anfreunden müssen, bewundert gefühlt die ganze Welt das Krankenhaus- und Pflegepersonal für ihren unermüdlichen, fast schon übermenschlichen Einsatz im Kampf gegen das Coronavirus. Und auch wir wissen den Einsatz unseres Pflegepersonals mehr als zu schätzen und möchten auf virtuellem Wege einfach mal Danke sagen!

Denn während ein Teil von uns mehr oder weniger in eine Art Schockstarre ob der Aufgabe eines "normalen" Lebens verfallen ist, kämpft unser Pflegepersonal mit vollem Einsatz gegen ein Virus, das unser aller Leben innerhalb kürzester Zeit in Stillstand versetzt hat. Petra*, 28, arbeitet als Gesundheits- und Krankenpflegerin in Steyr. Erst vor Kurzem ist die Oberösterreicherin von ihrer Auslandsreise und freiwilligen Hilfe in Afrika zurückgekommen. Und jetzt wartet auch schon die nächste Herausforderung auf sie. Wir wollten von ihr wissen, wie die Lage in Krankenhäusern derzeit tatsächlich aussieht und haben sie zum Interview gebeten.

*Name von der Redaktion geändert.

WOMAN: Wie ist die derzeitige Stimmung auf deiner Station?
Petra:
Wir alle sind uns dessen bewusst, dass COVID-19 noch intensiver kommen wird und uns wahrscheinlich auch noch längere Zeit beschäftigen wird. In den nächsten zwei Wochen kommt also viel Arbeit auf uns zu!

Laut Statistik des Sozialministeriums ist Oberösterreich mit insgesamt 378 positiv getesteten Fällen (Stand 19. März, Anm.) das am stärksten betroffene Bundesland nach Tirol. Wie kann man sich die Lage vor Ort vorstellen?
Petra:
Wir wundern uns selbst ein bisschen, aber derzeit ist noch alles ruhig. Die Maßnahmen, die seitens Regierung gesetzt wurden, werden befolgt. Sprich: absolutes Besuchsverbot und es werden auch nur noch dringende Notfälle behandelt. Das Krankenhaus, in dem ich arbeite, ist derzeit in einer exzessiven Planungsphase, um alle nötigen Maßnahmen und Vorkehrungen zu treffen und für den Ernstfall optimal gewappnet zu sein. Obwohl wir gut vorbereitet sind, gehen wir trotzdem vom Schlimmsten aus! Und darum wird das Personal auch ganz speziell auf Notfälle geschult.

Wie gehst du als Krankenschwester damit um, dass manche Menschen die Lage noch immer nicht ernst zu nehmen scheinen?
Petra:
Ich finde es sehr traurig, dass es manche Menschen offensichtlich nicht verstehen wollen, was hier gerade passiert! Natürlich finde ich es aber auch wichtig, dass keine Panik verbreitet wird! Was das Thema Corona angeht, bin ich aber der Meinung, dass es nicht einfach auf die leichte Schulter genommen werden soll. Das große Problem an diesem Virus ist nämlich, dass die Ansteckungsgefahr extrem hoch ist. Viele Menschen verstehen (oder wissen) nicht, dass die Inkubationszeit hier eine große Rolle spielt. Also die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Ausbrechen der Infektion. Und die liegt bei COVID-19 bei zwei bis vierzehn Tagen. Es kann also sein, dass jemand das Virus bereits in sich trägt, davon aber einfach nichts merkt. Und genau aus diesem Grund ist es so wichtig, die Maßnahmen der Regierung – nämlich zuhause zu bleiben und soziale Kontakte zu meiden – einzuhalten! Und obwohl in erster Linie versucht wird, die ältere Generation zu schützen, darf man eines nicht vergessen: Das Virus kann auch für jüngere Menschen lebensbedrohend werden, wenn sie aufgrund von Grunderkrankungen generell immungeschwächt sind. Oder auch für HIV-infizierte Menschen, Menschen mit Krebserkrankungen, Personen mit Herz- oder Nierenproblemen. Da sprechen wir nicht nur von älteren, sondern leider eben auch von jüngeren Menschen. Und alle diese Risikopersonen müssen wir jetzt ganz besonders schützen!

»Bleibt zuhause und nehmt Rücksicht aufeinander!«

Arbeitest du aktuell mehr als sonst?
Petra:
Nein, noch nicht. Nicht notwendige OPs wurden bereits abgesagt und es werden nur akute Notfälle behandelt. Wir arbeiten jetzt noch auf Sparflamme, weil wir davon ausgehen, dass es in zwei Wochen schon ganz anders aussehen könnte.

Wie stark ist das Gefühl von Angst bei euch auf der Station?
Petra:
Wir haben keine Angst vor der Erkrankung selbst. Aber davor, das Virus zu verbreiten. Eben weil man einfach nicht weiß, ob man es nicht schon längst in sich trägt und man, aufgrund der Inkubationszeit, auch erst relativ spät draufkommt, wenn es so sein sollte. Ohne Symptome ist das einfach sehr, sehr schwer einzuschätzen. Dadurch, dass wir aber ständig mit kranken, immungeschwächten Menschen zusammenarbeiten, besteht natürlich bei uns auch eine erhöhte Ansteckungsgefahr.

Hast du selbst Angst vor einer Ansteckung?
Petra:
Ich habe während meines Auslandsaufenthalts in Afrika vergangenen September viele Menschen sterben gesehen. Ich war in Regionen, wo es keinen Strom, kein Wasser und auch keine Hygiene, so wie wir sie kennen und auch schon gewöhnt sind, gibt. Es existieren Erkrankungen und Viren, die eben nicht mehr verschwinden. Ich bin da vielleicht abgehärteter als andere, aber genau aus dem Grund habe ich auch keine Angst, mich anzustecken.

Und wie geht es dir persönlich in dieser Zeit?
Petra: Ich finde die Maßnahmen der Regierung gut. Wir alle können an einem Strang ziehen und das Virus eindämmen. Gemeinsam können wir immungeschwächten Menschen helfen und sie schützen, indem man zuhause bleibt. Man sollte nicht schmollen oder darüber schimpfen, dass wir alle in dieser Situation stecken. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es noch viel schlimmer gehen kann, als einfach mal zuhause zu bleiben und Rücksicht aufeinander zu nehmen.