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"Dancing Star" Rainer Schönfelder im Talk

Vom Skizirkus auf das Tanzparkett: Der Kärntner Rainer Schönfelder ist Favorit der "Dancing Stars"-Jury. Uns erzählte er, wie es ihm als Neo-Papa geht und wieso er nie in Anonymität leben könnte.


"Dancing Star" Rainer Schönfelder im Talk
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Kurz nach neun Uhr früh trudelt Rainer Schönfelder im ORF-Café am Küniglberg zum WOMAN-Interview ein. Trotz offensichtlicher Müdigkeit ist der Skirennläufer gut gelaunt – für seinen Schmäh ist er ja bekannt. Der Grund, warum er ein bisschen müde aussieht: seine vier Monate alte Tochter Samira Marie (mit ihrer Mama Manuela ist er seit 17 Jahren liiert): "Ich habe heute meine Kleine schon gefüttert und Windeln gewechselt. Sie wacht früh auf, aber zumindest schläft sie in der Nacht durch." Viel Zeit zum Plaudern hat das ehemalige Slalom-Ass allerdings nicht, denn um zehn Uhr steht bereits die nächste dreistündige Trainingseinheit mit Tanzpartnerin Manuela Stöckl an. "Wir können gleich loslegen. Sonst bekomme ich noch Ärger, wenn ich nicht pünktlich bin", lacht er im breiten Kärntner Dialekt. Na, dann los!

WOMAN: Rainer, Sie sind seit November Vater einer Tochter. Als Sie erfuhren, dass Sie Papa werden: Überwog die Freude oder der Respekt vor dieser "Aufgabe"?

Schönfelder: Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich davor keine Angst hatte. Ich habe mir aber eher mehr Sorgen um Manuela gemacht. Man weiß ja nie, wie eine Schwangerschaft verläuft – ob es Komplikationen gibt oder nicht. Aber zum Glück ist am Ende alles gut ausgegangen. Die Aufgabe des Vaterseins werde ich schon meistern. Ob gut oder schlecht, müssen Sie meine Tochter fragen, wenn sie erwachsen ist.

WOMAN: Waren Sie bei der Geburt dabei?

Schönfelder: Samira kam zwei Wochen zu früh, deshalb war ich am Tag der Geburt gerade auf dem Weg nach Schladming. Als Manuela anrief und mir sagte, dass das Baby kommt, düste ich sofort nach Wien. Im Kreißsaal war ich dabei, habe sogar die Nabelschnur durchtrennt. Obwohl ich da ein bisschen überrumpelt wurde. Man hat mir das chirurgische Besteck in die Hand gedrückt und gesagt: "Schneid!" (lacht) . Das hab ich dann gemacht.

WOMAN: Und Sie packen auch jetzt noch fleißig an …

Schönfelder: Klar! Flaschi geben, Windelwechseln – das volle Programm! Ich habe so eine Gaude mit der Kleinen. Leider gibt es viele Männer, die es als gegeben sehen, dass die Frau für das alles verantwortlich ist. Diese Einstellung kann ich persönlich nicht nachvollziehen. Sich um sein eigenes Kind kümmern zu können ist doch toll!

WOMAN: Erst Skiweltcup, dann die ORF-Show – Sie sind viel unterwegs. Stecken Sie in Zukunft für die Familie zurück?

Schönfelder: Prinzipiell tue ich mir schwer, in ein System gesteckt zu werden, das frustriert mich. Aber an neue Verhältnisse kann man sich ja anpassen. Das wird mir schon gut gelingen.

WOMAN: Könnten Sie sich vorstellen, in Väterkarenz zu gehen?

Schönfelder: Auf jeden Fall! Wahrscheinlich heuer noch. Manuela will ja auch bald wieder in ihren Job als Physiotherapeutin einsteigen. Ich kümmere mich ja jetzt auch schon um die Kleine, wenn ich um 15 Uhr vom Training nachhause komme. Da hat Manuela dann Zeit für sich.

WOMAN: Anderes Thema: Im Skiweltcup waren Sie der Paradiesvogel, waren unangepasst. Sie polarisieren noch heute. Entweder man liebt Rainer Schönfelder, oder man hasst ihn. Gefällt Ihnen das?

Schönfelder: Ich habe nicht den Anspruch, allen zu gefallen, das ist nicht mein Ziel. Offensichtlich spalte ich die Gesellschaft – das ist halt so. Aber ehrlich: Wo sind wir, wenn man nicht einmal seine eigene Meinung sagen darf? Ich habe absolutes Verständnis dafür, wenn manche Leute denken, dass ich ein Volltrottel bin. Es ist ja nichts Schlimmes, unterschiedlicher Meinung zu sein. Man kann darüber diskutieren und trotzdem normal miteinander leben.

WOMAN: Man hat bei Ihnen aber manchmal das Gefühl, dass ein gewisses Bedürfnis nach Aufmerksamkeit schon vorhanden ist. Brauchen Sie die Öffentlichkeit?

Schönfelder: Ja, ich brauche die Öffentlichkeit, die Bühne.

WOMAN: Wegen der Anerkennung oder aus Exhibitionismus?

Schönfelder: Von beidem ein bisschen. Aber ich meine damit nicht nur die breite Masse. Ich brauche auch privat immer jemanden um mich. In die Anonymität könnte ich mich wahrscheinlich nie ganz zurückziehen.

Sandra Jungmann