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Darf ich das Handy meines Partners kontrollieren?

Was ich nicht weiß ... macht mich doch heiß! Darf ich das Handy meines Partners kontrollieren, wenn ich vermute, dass er fremdgeht? So sieht es rechtlich aus:

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Darf ich das Handy meines Partners kontrollieren?
© iStockphoto

Vermutlich wird es niemand gerne zugeben, aber sind wir doch mal ehrlich. Manchmal ist man schon versucht, heimlich am Handy die Nachrichten seines Partners zu lesen. Meistens ist es natürlich reine Neugier, und der kann man dann doch widerstehen. Aber wenn es in der Beziehung gerade nicht so toll läuft, der Partner plötzlich "viel Arbeiten muss", auf Nachfragen ausweichend reagiert und dann auch noch regelmäßig spätabends sein Handy piept ... Da kann es schon vorkommen, dass man aus Eifersucht nicht mehr nach dem Motto "was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß" handelt. Aber ist es wirklich sinnvoll, in solchen Fällen der Versuchung nachzugeben?

Es kann nicht schaden, in einem Scheidungsverfahren einen Seitensprung nachzuweisen...

Eines ist klar: Wenn der Ehepartner tatsächlich fremdgeht und man sich deshalb scheiden lassen möchte, kann es nicht schaden, wenn man ihm im Scheidungsverfahren den Seitensprung auch nachweisen kann. Und manchmal ist die traurige Gewissheit auch besser als die ständig bohrende Frage: Hat er eine Andere oder bilde ich mir das nur ein?

Rechtsanwältin Carmen Thornton ("Thornton-Law") über die Rechtslage in Sachen Handy-Spionage

Trotzdem ist das Ausspionieren des Telefons des Partners keine gute Idee. Gegenseitiges Vertrauen ist eine Grundvoraussetzung für eine funktionierende Beziehung. Das heimliche Mitlesen von privaten Nachrichten ist ein massiver Vertrauensbruch, der sich oft nicht mehr kitten lässt, wenn der Partner zufällig draufkommt. Das ist natürlich besonders bitter, wenn sich dann herausstellt, dass er bloß in einer WhatsApp-Gruppe mit seinen Kumpels irgendwelche halblustigen Fotos mit dummen Sprüchen verschickt hat. Wir selbst wollen ja auch nicht, dass unser Partner mitliest, wenn wir mit unseren Freundinnen Gossip austauschen. Das Handy des Partners sollte also tabu sein.

OGH-Urteil: Handy-Spionage kann sogar strafbar sein

Außerdem ist das heimliche Mitlesen von privaten Nachrichten ein Eingriff in die Privatsphäre des Partners und daher nur zulässig, wenn ein überwiegendes Interesse besteht. Ein ungutes Gefühl oder gar bloße Neugier rechtfertigen solche Eingriffe jedenfalls nicht. Im Falle einer Scheidung kann das Ausspionieren von Handy oder Computer des Ehepartners außerdem als Eheverfehlung gewertet werden und daher zum Verlust der eigenen Unterhaltsansprüche oder schlimmstenfalls sogar dazu führen, dass man selbst unterhaltspflichtig wird.

Erst kürzlich hat der OGH (Oberste Gerichtshof) einem Ehepartner sogar mittels einstweiliger Verfügung aufgetragen, aus der gemeinsamen Ehewohnung auszuziehen, weil er die WhatsApp-Kommunikation seiner Frau kopiert hat und mit einem Handy heimlich ihre Gespräche aufgenommen hat. Wenn man sich über das Passwort seines Partners Zugang zu seinem Handy oder Computer verschafft, kann das unter Umständen sogar strafbar sein.

Wenn man zufällig auf eine Affäre draufkommt, weil am Handy gerade eine SMS oder WhatsApp der Neuen aufpoppt oder der Partner am Computer seine Facebook-Seite offen lässt, ist das natürlich etwas anderes. In diesem Fall sollte man seinen Partner aber lieber sofort darauf ansprechen, anstatt heimlich sein Handy auszuspionieren, um Beweise zu sammeln.

Über die Autorin: Mag. Carmen Thornton ist selbständige Rechtsanwältin in Wien. Ihre Kanzlei Thornton-Law ist spezialisiert auf Scheidungen, Obsorge und Unterhaltsverfahren. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.