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Darf man Thunfisch noch essen? Neues zum Welt-Thunfisch-Tag

Nachhaltigkeitsdefizite im österreichischen Markt

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Darf man Thunfisch noch essen? Neues zum Welt-Thunfisch-Tag

Darf man Thunfisch noch essen? Neues zum Welt-Thunfisch-Tag

© APA/APA/Marine Stewardship Council/Marine Stewardship Council (MSC)

Der Thunfischkonsum in Österreich ist leicht rückläufig, der österreichische Einzelhandel offenbart gravierende Nachhaltigkeitslücken und in den Meeren geht es "dem" Thunfisch weniger schlecht als mancher denkt:

Anlässlich des Welt-Thunfisch-Tags der Vereinten Nationen am 2. Mai werfen veröffentlichen wir neue Daten zu jener ikonischen Fischart, die der Österreicher und der Welt liebster Meeresfisch ist.

Im Ranking der beliebtesten Fischarten 2021 liegt Thunfisch in Österreich auf Platz eins (mit einem Gesamtkonsum von 7.163 Tonnen). Gefolgt vom Lachs auf Platz zwei (5.884 Tonnen). Auch weltweit betrachtet ist Thunfisch die meistgehandelte aller Fischarten: 5,06 Millionen Tonnen, so die neuesten Zahlen der Welternährungsorganisation FAO, wurden 2020 weltweit gefangen. Für einen einzigen Thunfisch kann man dabei auf dem Weltmarkt bis zu mehrere Tausend Euro verlangen. Das macht den Thunfischfang besonders attraktiv für illegale Fischerei. Um illegalen Thunfischfang zu unterbinden, sind regelmäßige Kontrollen der Fischerei und der Lieferkette wichtig. Zertifizierungsprogramme wie das MSC-Siegel oder Naturland Wildfisch bieten solche Kontrollen.

Nur 12 Prozent des im österreichischen Einzelhandel verkauften Thunfischs tragen derzeit das MSC-Siegel für nachhaltige Fischerei. Und obwohl dieser Anteil im Vergleich zu den Vorjahren sogar gestiegen ist, gilt weiterhin: Beim Großteil des im österreichischen Einzelhandel verkauften Thunfischs ist unklar, ob er aus nachhaltiger, aus nicht-nachhaltiger oder womöglich sogar aus illegaler Fischerei stammt. Diese Unsicherheit betrifft insbesondere viele Dosen-Produkte im unteren Preissegment!

Die gravierende Nachhaltigkeitslücke österreichischer Supermärkte beim Thunfisch erstaunt besonders, wenn man weiß, dass Österreichs Einzelhändler bei anderen Wildfisch-Produkten – vom Alaska-Seelachs bis zum Zander – im Schnitt auf einen MSC-Anteil von über 50 Prozent kommen. Nachdenklich macht auch: Ausgerechnet beim beliebtesten aller Fische, dem Thunfisch, liegt Österreich in Sachen Nachhaltigkeit deutlich hinter seinen Nachbarländern Schweiz (MSC-Anteil 73%) und Deutschland (MSC-Anteil 41%).

Nachhaltige Fischerei bedeutet: wenig Beifang, keine Überfischung und ein vorausschauendes Bestandsmanagement, damit die Bestände auch langfristig eine gesunde Größe behalten. All dies ist auch beim Thunfischfang wichtig. Von einem Mythos allerdings müssen wir uns verabschieden: Thunfisch ist nicht per se überfischt. Vielmehr haben von den 23 kommerziell befischten Thunfischbeständen derzeit 14 eine gesunde Größe; 3 sind überfischt und 6 bewegen sich im Zwischenbereich. Wenn wir bewusst einkaufen, können wir Thunfisch also durchaus noch essen. Aber es gilt aber genau hinzuschauen!

Weil das immer mehr Händler und Verbraucher tun: genau hinschauen, ist im österreichischen Markt trotz aller Defizite auch eine leicht positive Entwicklung erkennbar: Der Thunfischkonsum der Österreicherinnen ging 2021 nach dem Corona-Hoch des Vorjahres wieder etwas zurück (Rückgang der Verkaufsmenge im Einzelhandel von 7,9 Millionen Kilogramm auf 7,2 Millionen Kilogramm), gleichzeitig wurde mehr Augenmerk auf eine nachhaltige Herkunft der Thunfischprodukte gelegt (Anstieg des MSC-Anteils beim Thunfisch im österreichischen Einzelhandel von 3 Prozent auf 12 Prozent).

Indem die Konsumenten Thunfisch als Delikatesse betrachten, in Maßen genießen und bei der Produktauswahl immer auf eine nachhaltige Herkunft achten, können sie diesen positiven Trend stärken und zu einem Erhalt der weltweiten Thunfischbestände beitragen.

Einen umfassenden Überblick über die einzelnen Thunfischarten, die Fangmethoden, wichtige Nachhaltigkeitsaspekte und Details zum Thunfischmarkt gibt es i MSC Thunfisch-Bericht 2022.