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Wie dein Darm deine Stimmung beeinflusst!

Verlässt du dich auch oft auf dein Bauchgefühl? Deine Darmflora hat weit größeren Einfluss auf deine Stimmung und deine Stress-Resistenz, als du bislang dachtest...


Wie dein Darm deine Stimmung beeinflusst!

Verlass' dich auf dein Bauchgefühl

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Verlässt du dich gerne auf dein Bauchgefühl? Hast du den Eindruck, wenn du auf deinen Bauch hörst, dann liegst du meistens richtig? Die neueste Forschung zeigt, dass dieses undefinierbare Gefühl tatsächlich wesentlich zutreffender ist, als man jemals angenommen hat...

Längst bekannt ist, welche entscheidende Rolle Darmbakterien bei Verdauung spielen, dass Mikroben im Dickdarm von Allergien über Resistenzen bis zu unserem Gewicht sämtliche körperliche Reaktionen beeinflussen können. Doch nun untersuchen immer mehr Wissenschaftler auch, wie bedeutend der Einfluss der Darmflora auf unsere Stimmungen und unser Stress-Level ist.

Gesunder Darm bedeutet weniger Stress

Erst kürzlich stellte ein Forscher-Team am University College Cork fest, dass Männer, die ihre Darmflora vier Wochen lang mit probiotischen Medikamenten in ein gesundes Gleichgewicht brachten, bei Belastungs- und Stresstests wesentlich besser abschnitten als jene Probanden-Gruppe, die nur ein Placebo verabreicht bekommen hatte. Die Tester, die einen Monat lang täglich ein Probiotikum namens Bifidobacterium longum 1714 einnahmen, waren nicht nur konzentrierter und fokussierter beim Lösen der Aufgaben – in ihrem Speichel wurde auch ein geringerer Anteil des Stresshormons Cortisol festgestellt. "Darmbakterien," so der Studienleiter Dr. David Perlmutter zum englischen Telegraph, "spielen eindeutig eine Rolle bei Stimmungsschwankungen."

Diese neuen Erkenntnisse, die bei der jährlichen Sitzung der Gesellschaft für Neurowissenschaften in Chicago präsentiert wurden, sind nur ein Puzzlestein in einer Reihe faszinierender Untersuchungen über den Einfluss der Darmflora auf unser Wohlbefinden. So stellte etwa die McMaster University in Kanada bei Versuchen mit Labormäusen fest, dass sich der Stress eines Tieres auf ein anderes übertragen lässt – und zwar nur, indem man die Darmbakterien verpflanzt. Kaum wurden die Darmbakterien aus den Eingeweiden einer gestressten Maus in die Eingeweide eines ruhigen Tieres transplantiert, änderte sich auch die Stimmungslage.

Darm: Hilft probiotische Ernährung gegen Depressionen?

Aber wie kann das sein?

"Der Darm," so Tim Spector, Professor für genetische Epidemiologie am Kings College in London im Gespräch mit dem Guardian , "ist die Heimat des enterischen Nervensystems. Wir nennen ihn auch manchmal das "'zweite Gehirn'." Neurotransmitter, die entscheidend für die Funktion unseres Hirns sind, werden im Darm produziert. Unglaubliche 95 Prozent des Serotonins, eines Botenstoffes, der für unsere Stimmungsstabilität verantwortlich ist und als Antidepressivum wirkt, werden hier hergestellt.Spector: "Wir stehen zwar noch am Beginn unserer Untersuchungen, aber es sieht ganz danach aus, als könnten beispielsweise eine Ernährung mit probiotischen Lebensmitteln bei Frauen zu positiven psychologischen Effekten führen."

Der amerikanische Neurowissenschaftler David Perlmutter, der mit dem Buch "The Brainmaker – Die Macht der Darmmikroben über Hirn und Leben" in den USA einen Überraschungs-Bestseller landete, verweist darin auf eine Studie der Oxford University. Die konnte nachweisen, dass Frauen, die sich über einen längeren Zeitraum hauptsächlich von fasrigen, probiotischen Lebensmitteln ernährten, weniger negativ auf emotionale Bilder und Filmszenen reagierten als Frauen, denen ein Placebo verabreicht worden war.

"Der Effekt lässt sich mit der Wirkung von Antidepressiva oder Medikamenten gegen Angstzuständen vergleichen," so Perlmutter. Dem entspricht auch eine sehr spannende Untersuchung der US-Universität William & Mary , die in der Fachzeitschrift für "Psychiatrische Forschung" veröffentlicht wurde. Von 700 Schülern wiesen jene, die vorwiegend fermentierte Lebensmittel wie Joghurt, Gurken und Sauerkraut aßen, deutlich weniger Angstsymptome und neurotische Störungen auf als jene, die kaum probiotische Ernährung zu sich nahmen.

Auch wenn die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen und auch nicht vollends schlüssig sind, so ist doch das Fazit der meisten Wissenschaftler: Der Darm beeinflusst unsere Gefühlswelt mehr, als wir jemals geahnt hätten.

Die gute Nachricht daran: wir können unseren Darm und damit unsere Stimmungen selbst im gesunden Gleichgewicht halten. Wie das geht? Mit der richtigen Ernährung, etwa diesen 9 einfachen Schonkost-Rezepten.

Der Guide zum glücklichen Darm:

1

Meide verarbeitete Lebensmittel. Zucker und ähnliche raffinierte Produkte sind mörderisch für deine Darmgesundheit. Versuche deshalb, sie auf ein Minimum zu reduzieren.

2

Setze auf fermentierte Lebensmittel. Joghurt, Sauerkraut, Miso, Sojabohnen, Kimchi (ein koreanischer Salat) und das Sauermilchgetränk Kefir sind eine Wohltat für deinen Darm. Versuche, diese Lebensmittel in deinen Ernährungsplan einzubauen.

3

Antioxidantien tun gut. Samen, Nüsse, kaltgepresstes Olivenöl, schwarzer Kaffee (ohne Milch und Zucker), dunkle Schokolade und ein Gläschen Rotwein (nicht zu viel!) sind eine gute Ernährung für deine gesunden Darmbakterien.

4

Nimm' probiotische Pillen – im Notfall. Solltest du aufgrund von Unverträglichkeiten wenig Gemüse essen oder Antibiotika einnehmen, dann halte deinen Darm mit probiotischen Tabletten im Gleichgewicht.

5

Darmsanierung. Wenn du das Gefühl hast, du musst deinen Darm komplett reinigen und die Flora ausgleichen, dann haben wir hier den 7-Wochen-Fahrplan zur Darmsanierung.

Thema: Darm