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Hast du das Zeug zum Robotiker?

Mit Maschinen plaudern und darauf warten, dass große Firmenbosse um einen buhlen: So in etwa könnte das Arbeiten der Zukunft aussehen. Zwei Experten geben ihre Prognose ab. Lies hier alles über Lebensabschnittsjobs und Sozialprestige als Statussymbol.

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Hast du das Zeug zum Robotiker?
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Yippie, es gibt was zu feiern! Und zwar das Ende der 40-Stunden-Woche. Davon ist Christiane Bertolini (dasneuearbeitendna.com), Gründerin der Initiative "Das Neue Arbeiten DNA", überzeugt. Ihre These: "Wir werden künftig ergebnisorientiert arbeiten. Die Stechuhr hat ausgedient. Es wird Phasen geben, wo wir intensiver arbeiten, und dann wird es Zeitspannen geben, in denen wir uns Freiraum nehmen – für Familie, Freunde und Inspiration aller Art. Mobile Work wird in der Breite selbstverständlich werden." Für Mitarbeiter bedeutet das mehr Flexibilität und in Summe auch mehr Freizeit. Genau darin sieht Zukunftsforscher Lars Thomsen (future-matters.com) einen neuen Geschäftszweig, nämlich den des Freizeitberaters. Oder anders formuliert: Fluchthelfer aus dem Alltag. Diese entwerfen individuelle Pläne für bestimmte Lebensabschnitte, organisieren attraktive Aktivitäten und konzipieren dazu passende Finanzbudgets. "Ein Beruf, der sich in den nächsten Jahren durchsetzen wird", so Thomsen. Aber alles von Anfang an …

Welche Jobs werden boomen?

Wohlbefinden & Computer. Nummer eins: Wohlfühlberufe. Thomsen: "Circa zehn Prozent der Bevölkerung leiden unter Depressionen, Angstzuständen, Existenzängsten und anderen psychologischen Problemen. Tendenz steigend. Jobs, die helfen, andere Menschen glücklich zu machen, werden in der kommenden Zeit deshalb sehr gefragt sein." Auch die Branche der Sensortechniker und Datenspezialisten wird einen großen Aufschwung erleben. Bertolini weiß, warum: "Wir bewegen uns mit großen Schritten ins Zeitalter der miteinander kommunizierenden Maschinen. Für die ständige Verbesserung und Weiterentwicklung braucht es Spezialisten. Kaum ein Unternehmen weiß diesbezüglich um sein Potenzial." Im technischen Bereich ebenfalls im Kommen: Robotiker. Was das ist? "Eine Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine, da immer mehr Rechner entwickelt werden, die mit uns interagieren können." Und was braucht’s, um diesen Job auszuüben? "Ein Verständnis für komplexe technische Abläufe und ein Interesse an den psychologischen und soziologischen Aspekten." Als durchschnittliches Brutto-Jahresgehalt winken dann knapp 52.500 Euro.

Wie werden sich die Gehälter verändern?

Firmen bewerben sich. Wir wissen schon mal: Als Robotiker lässt sich’s ganz gut leben. Aber wie sieht’s generell mit den Verdienstmöglichkeiten in den kommenden Jahren aus? Thomsen wagt einen Ausblick: "Geld und Statussymbole verlieren an Bedeutung. Der Antrieb der kommenden Generation wird es sein, eine sinnvolle Beschäftigung zu finden, die sie in ihrem persönlichen Wachstum bereichert und stolz macht." Mehr Kohle gibt’s trotzdem. Vor allem für topqualifizierte Mitarbeiter. Denn: Die Gesellschaft hier in Europa überaltert. "Allein in den nächsten zehn Jahren werden rund 28 Prozent der heute Arbeitenden in Pension gehen, aber nur zwölf Prozent rücken nach", so der Wissenschafter. Und das wird sich eben aufs Gehalt auswirken, da es für Unternehmen immer schwieriger wird, gut ausgebildete und qualifizierte Mitarbeiter zu finden. "Weil es eine Knappheit an Talenten geben wird, werden wir in der Arbeitswelt an den Punkt kommen, wo sich nicht mehr Menschen bei Firmen bewerben, sondern umgekehrt." Eine schöne Zukunftsaussicht: Mark Zuckerberg klingelt an unserer Tür, um uns ein lukratives Jobangebot zu machen. Na ja, so einfach geht’s dann leider doch wieder nicht, was uns zum nächsten Punkt bringt …

Welche Fähigkeiten werden gefragt sein?

Empathisch, schnell & innovativ. Hohe Analysefähigkeit, um Veränderungen schnell zu erfassen und Maßnahmen ableiten zu können, Mut und Entscheidungsstärke, um auf Probleme rasch zu reagieren, und die Fähigkeit zur Fokussierung und Verdichtung, wenn Tausende Infos auf einen einprasseln – wer diese Skills besitzt, ist laut Bertolini vorn dabei. Thomsen ergänzt: "Mitarbeiter, die offen für Neues sind und bereit, immer mal wieder auch über den eigenen Tellerrand zu blicken, werden ebenfalls punkten." Auch wichtig: Kreativität, Innovationsdenken und Empathie. "Schwierig hingegen wird’s für jene, die glauben, Dienst nach Vorschrift reicht, um voranzukommen“, warnt Thomsen und setzt nach: "Für die kann’s sogar ganz schön eng werden. Wenn Sie seit Jahren Tag für Tag dieselbe Tätigkeit ausüben: Gut möglich, dass Ihr Job bald digitalisiert und von Robotern übernommen wird." Wen konkret das betreffen könnte? "Taxifahrer, Fabriksarbeiter und Kassierer zum Beispiel." Dennoch ist das noch lange kein Grund zur Sorge. Der Experte beruhigt: "In Zukunft werden wir uns im Laufe unseres Berufslebens alle im Schnitt fünf bis sechs Mal verändern. Das darf man nicht als Bürde sehen, sondern als Wachstum."

Wird sich die Definition von Erfolg ändern?

Kurzzeitjobs. Ganz klar: Ja! "Die Zukunft wird persönlicher. Immer schneller und besser sein zu wollen als die anderen, führt zu einer gewissen Leere, die Menschen immer intensiver fühlen. Auch Einzelkämpfer erkennen, dass die Arbeit mehr Freude macht, wenn man gemeinsam an einem Strang zieht und sich zusammen weiterentwickelt", ist Bertolini überzeugt. Thomsen sieht das ähnlich: "Mitarbeiter legen künftig mehr Wert darauf, einer Aufgabe nachzugehen, die tatsächlich auch nachhaltig ist. Sozialprestige zu erreichen, ist das neue Karrieremachen." Lange Angestelltenverhältnisse werden bald ebenso überhaupt kein Thema mehr sein. "Arbeit wird künftig sehr projektbezogen stattfinden: Unternehmen buchen Experten für die Lösung spezieller Probleme oder für die Umsetzung bestimmter Aufgaben. Die Mitarbeiter machen’s ähnlich: Sie nutzen die kurzen Phasen für ihre persönliche Entwicklung, und wenn sie nichts mehr lernen, ziehen sie weiter zur nächsten Aufgabe in einer anderen Firma", weiß Bertolini.

Was tut sich auf der Führungsebene?

Mehr Frauen. "Management wird empathischer sein. Dadurch schaffen’s endlich noch mehr Frauen in die Chefetage. Es geht nicht mehr ausschließlich um rationales Denken und dass die Zahlen stimmen, sondern um einen verständnisvollen Blick dahinter." Was also gute Chefs von morgen auszeichnet? "Dass sie in der Lage sind, Stimmungen zu erfassen und rechtzeitig zu reagieren, wenn Mitarbeiter über- oder unterfordert sind." Bertolini hat ein paar Tipps parat, die Führungspersönlichkeiten bereits jetzt umsetzen können, um für zukünftige Entwicklungen am Arbeitsmarkt bestens gewappnet zu sein: "Machen Sie nichts im Alleingang. Entwickeln Sie Teams und investieren Sie in Communities – und agieren Sie dabei immer auf Augenhöhe. Bringen Sie Ihren Mitarbeitern Vertrauen entgegen, kontrollieren Sie nicht die Prozesse, sondern erkennen Sie die Ergebnisse und Resultate, die Ihnen geliefert werden. Dadurch entstehen Handlungsspielraum und viele Freiheiten für die Arbeitnehmer. Diese wiederum dienen als Grundlage für Motivation und Lebendigkeit." In diesem Sinne: Die Zukunft kann kommen!

Themen: Karriere, Report