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Das kann Botox!

Botulinumtoxin glättet Falten. Aber dem Nervengift werden zahlreiche weitere Wunderwirkungen zugeschrieben, wie etwa bei Zähneknirschen. Wir haben es unter die Lupe genommen.


Das kann Botox!
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Das Nervengift Botulinumtoxin avanciert vom Kosmetikprodukt zum Allzweck-Heilmittel. Vor allem in der Neurologie und in der Schmerztherapie setzt man große Hoffnungen in den Stoff. Im Wiener AKH gibt es sogar eine "Ambulanz für Botulinumtoxin". Aber Vorsicht: Falsch verwendet, könnte schon ein Milligramm von dem weltweit stärksten bekannten Gift eine Million Menschen töten. Auch sind bei weitem nicht alle Behandlungsmöglichkeiten in Österreich legal. Dermatologe Dr. Maurizio Podda und Dr. Christoph Baumgärtel, Leiter der Arzneimittelzulassung, erklären, wie die Substanz sinnvoll eingesetzt wird.

Akne.

In Versuchen wirksam, aber bei uns nicht zugelassen: Muskeln, die die Fettproduktion in der Haut anregen, werden ruhiggestellt, die Talgproduktion damit reduziert. So kommt es zu weniger unreiner Haut.

Falten.

Zugelassen ist die Indikation in Österreich derzeit nur für die Zornesfalte. Auf Risiko der behandelnden Ärzte und nach klärendem Patientengespräch wird Botulinumtoxin aber auch zur Glättung von Mimikfältchen verwendet.

Lidkrampf.

Dabei kommt es zu einer Verkrampfung des Ringmuskels beim Auge. Dieses kann nicht mehr geöffnet werden oder fällt einfach zu. Das Nervengift wird rund ums Auge injiziert: Mit geringen Dosen, die im Laufe der Therapie angepasst werden, wird gestartet. Wird bei uns praktiziert.

Depression.

Vielversprechende Testversuche: In die Zornesfalte injiziert, sollen Symptome einer Depression reduziert werden, weil sich die glattere Stirn positiv auf das Gemüt auswirkt.

Chronische Migräne.

Wenn man an mehr als 15 Tagen im Monat Kopfschmerzen hat, sollen gezielte Injektionen Linderung bringen. Hier wird derzeit viel geforscht, da man den genauen Wirkmechanismus noch nicht kennt. In Österreich seit kurzem zugelassen.

Schreibkrampf.

Kommt von immer derselben Handhaltung. Muskeln wirken hier gegeneinander. Welche Muskeln die Verkrampfung auslösen, kann man messen. In diese wird entkrampfendes Botox gespritzt. Wird "off-label" gemacht.

Schiefhals.

Spastische Verkrampfungen im Nackenbereich sorgen für Fehlstellungen, wie z. B. das schmerzhafte Verdrehen des Kopfes über die Schulter hinweg. Dieser lässt sich dann nicht mehr zurückdrehen. Botox entspannt Muskeln, normale Kopfhaltung ist möglich. Bei uns erlaubt.

Zähneknirschen.

Die Kaumuskulatur ist hyperaktiv. Das Botulinumtoxin soll auch hier die vermehrte Muskelaktivität mindern, der Muskel wird im Schlaf nicht mehr so stark angespannt und das Knirschen reduziert. Noch nicht zugelassen.

Analfissur.

Ein verkrampfter Schließmuskel verzögert die Abheilung einer Analfissur, weil er den Riss dehnt. Die durch Botulinumtoxin erwirkte Erschlaffung des Muskels sollte die Heilung ankurbeln, kann aber zu vorübergehender Stuhlinkontinenz führen. Hierzulande noch nicht zugelassen.

Rückenschmerzen.

Verspannungsbedingte Rückenschmerzen können durch Injektionen in die betroffenen Muskelfasern (Triggerpunkte) gelindert werden. Um Fehler zu vermeiden, wird mittels Elektromyogramm festgestellt, welche Partien betroffen sind. Gibt’s bei uns nur "off-label“.

Schwitzen.

In Achseln, Hände und Füße injiziert, stoppt Botulinumtoxin übermäßige Schweißbildung. In Österreich derzeit für den Achselbereich zugelassen, an anderen Stellen nur "off-label". Mit einer Ansprechrate von 98 % ist die Behandlung sehr effektiv. Gut zu wissen: Es kommt zu keinem kompensatorischen Schwitzen.

Blasenschwäche.

Seit kurzem auch in Österreich in speziellen Fällen, wie etwa multiple Sklerose, erlaubt: Direkt in den Blasenmuskel injiziert, kann das Nervengift bei einer übermäßigen Kontraktion der Blasenmuskulatur für Linderung sorgen. Effekt hält bis zu neun Monaten.

Wadenverkleinerung.

Sehr geringe Dosen von Botulinumtoxin werden oberflächlich in die Waden gespritzt, um die Unterschenkelmuskeln um bis zu zehn Prozent zu verkleinern. Auf Sport wie Laufen und Radfahren sollte danach allerdings verzichtet werden, da so die Muskulatur wieder dicker wird. Bei uns nicht zugelassen.

Redaktion: Barbara Schaumberger

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