Ressort
Du befindest dich hier:

Wir stellen uns den Dellen

Gute News für alle, die ihre Wellen stören. Denn ganz neue Erkenntnisse über die Entstehung von Orangenhaut läuten das Zeitalter der Cellulite-Behandlungen 2.0 ein. Individuelle Treatments nach drei Komponenten, lautet die Devise. Ein Experte weiß, was jeweils am besten wirkt. Ein Test hilft, unsere "Hügellandschaft" selbst einzuschätzen.

von
Kommentare: 0

Wir stellen uns den Dellen
© istockphoto.com

Alljährlich können wir es kaum erwarten, dass endlich der Frühling und die warmen Tage mit luftiger Kleidung nahen. Und ebenso sicher werfen wir missbilligende Blicke auf die Dellen und Einbuchtungen an Schenkeln und Po. Doch was kann man wirklich gegen die Spoiler tun? Im Grunde leidet fast jede Frau daran. Auch internationale Topstars mit trainiertem Luxuskörper und der finanziellen Power, sich jedes Treatment leisten zu können, kommen nicht endgültig dagegen an. Und viele finden das auch gar nicht schlimm. Reality-Star Kim Kardashian meint etwa: "Ja, ich habe Cellulite. Na und? Ich habe nie behauptet, perfekt zu sein. Diese kleine Delle hier? Die Kekse und das Eis, die dazu führten, waren es echt wert!" Neue Treatments versprechen in regelmäßigen Abständen ultimativen Erfolg, stellen sich aber nach einer Weile als genauso wenig allumfassend heraus wie alle vorhergehenden Behandlungsarten. "Das liegt daran, dass Cellulite aus mehreren Komponenten besteht. Fast immer steckt eine Kombination aus zwei oder sogar drei Ursachen hinter dem Problem", erklärt der plastische Chirurg Dr. Rolf Bartsch (theaesthetics.at). Er hat sich auf die Behandlung von Cellulite spezialisiert. Wir wollten genauer wissen, welche Komponenten das sind, was nun wirklich hilft und welche ärztlichen Treatments nachhaltig Abhilfe schaffen können (siehe unten).

Drei Komponenten

Prinzipiell entsteht Orangenhaut durch die verwobene Struktur der Stützfasern im weiblichen Bindegewebe. Durch diese netzförmige Anordnung ist es stark dehnbar, was bei einer potenziellen Schwangerschaft extrem wichtig ist. Gleichzeitig können durch diese Lücken, ähnlich wie bei einer Netzstrumpfhose, aber Fettzellen nach oben drängen und einen welligen Effekt erzeugen. Männer haben das Problem nicht, weil bei ihnen die Kollagenfasern parallel angeordnet sind. Zu dem tatsächlichen äußeren Erscheinungsbild tragen aber drei Faktoren bei: "Das sind Hülle, Fülle und Gerüst. Wir beginnen das erst jetzt so richtig zu verstehen", betont Dr. Bartsch. "Die Cellulite-Forschung begibt sich sozusagen gerade auf das Level 2.0. Wir haben erkannt, dass es nicht einfach reicht, hier zu straffen oder dort zu entfernen. Nur wenn wir die Ursachen hinter dem äußeren Erscheinungsbild verstehen, können wir ein dauerhaft zufriedenstellendes Behandlungsergebnis erreichen." Die erste Komponente, die man für richtige Behandlung analysieren muss, ist die Hülle, also unser Gewebe. Das ist je nach genetischer Veranlagung eher schlaff oder fester, mit zunehmenden Jahren gibt es bei jedem Menschen etwas nach. Weitere Gründe für seine (fehlende) Festigkeit sind Ernährung, Lebensstil und auch mehrmaliges Zu- und Abnehmen.

Zu viel oder zu wenig

Die zweite Säule ist die Fülle, also die Frage, wie viel Fett eigentlich unter dem Gewebe steckt. Hier kann es zu viel, aber auch zu wenig geben. Dr. Bartsch erklärt das Prinzip so: "Die Fettzelle ist wie ein Sack. Ist er normal gefüllt, gut. Ist er zu leer, fällt er in sich zusammen, das Gewebe wird nicht mehr ausreichend von innen gestützt." Ein gutes Beispiel für die Kombination aus schlaffem Gewebe und zu wenig Fett ist Katie Holmes: "Die Schauspielerin hatte mit Sicherheit vor einigen Jahren eine Fettabsaugung an den vorderen Oberschenkeln", so der Experte, "da wurde aber zu radikal und zu oberflächlich gearbeitet. Jetzt ist ihr Gewebe erschlafft, der Inhalt fehlt, alles hängt. Das ist leider nur sehr schwer zu korrigieren. Man könnte wieder Eigenfett einspritzen, aber sie ist so dünn, wo soll man das bei ihr hernehmen?" Ist umgekehrt zu viel Fett im "Sack", wird der Druck der überprallen Fettzelle aufs Gewebe zu stark, sie quillt durch die Haut nach außen. Diesem Problem entgeht man normalerweise mit einem gesunden BMI (Body-Mass-Index) zwischen 19 und 25. Alles darüber kann zum ungeliebten Wellenmuster beitragen.

Das tragende Gerüst

Schlussendlich gibt es noch das Gerüst. Dabei handelt es sich um die längsverlaufenden Kollagenbänder im Bindegewebe, die uns von innen stützen. "Manchmal sind die zu straff und ziehen deshalb die Haut an manchen Stellen nach innen. Das ist die so genannte strukturelle Cellulite", erklärt Bartsch. Dieses Problem haben häufig Frauen, die an sich eine perfekte Silhouette haben, wie etwa Jessica Alba oder Schauspielerin Angie Everhart. Die üblichen Behandlungsansätze über Pflege, Ernährung oder Sport helfen hier so gut wie gar nicht. Erst das relativ neue, minimalinvasive Treatment Cellfina verspricht hier eine nachhaltige Besserung. Die straffen Fasern werden durchtrennt und wachsen nicht mehr zusammen.

Und wie sind deine Dellen?

Mit dieser Info ist klar, dass es nicht egal ist, woher die Einbuchtungen kommen. Für die effektivste Behandlung, auch zu Hause, ist die Analyse der Hintergründe wichtig. Denn fast jede Cellulite ist eine Kombination aus zwei oder drei der hier beschriebenen Faktoren. Ein paar einfache Tricks helfen Ihnen, die eigene Orangenhaut zu analysieren. Als Erstes beurteile den Erschlaffungsgrad deiner Haut. Stellen dich dazu am besten mit dem Rücken vor einen Spiegel, damit du die betroffenen Stellen besser siehst. Sieht man beim normalen Stehen nichts bzw. nur bei Muskelanspannung ein paar Dellen?

Handlungsbedarf besteht dann, wenn die Haut auch im entspannten Zustand wellig ist oder vielleicht sogar schon Dellen hat. Um herauszufinden, ob der Fettgehalt ein Problem ist, rechne einfach deinen BMI aus. Ein Strukturproblem erkennst du, indem du deine Haut zwischen Daumen und Zeigefinger greifst und von links nach rechts zusammendrückst (nicht von oben nach unten). Verschwindet die Delle: alles gut. Bleibt sie bestehen, dann handelt es sich um strukturelle Cellulite. Wer es ganz genau wissen will: Auf cellulite-test.com kann man mithilfe eines Ampelsystems, das die Intensität der drei Säulen darstellt, seine Gewebebeschaffenheit selbst überprüfen. Behandlungstipps inklusive.

Strukturelle Cellulite

Die Wellen entstehen durch zu straffe Fasern. Hier hilft ein Treatment.

Eine strukturelle Delle bleibt auch dann bestehen, wenn man Po oder Oberschenkel von links nach rechts zusammendrückt. Denn das darunterliegende Kollagenband ist zu fest und zieht die Haut nach innen. Das Hinterhältige an dieser Form: Man kann mit Ernährung, Pflege und Sport eigentlich nichts dagegen tun. Doch das relativ neue, minimalinvasive Treatment Cellfina gibt Hoffnung. Dafür werden die Dellen in eine Art Vakuum eingesaugt, damit die Kollagenfaser unter Zug steht. Mit einer Mikroklinge wird sie dann unter lokaler Betäubung durchtrennt. "Wichtig ist das Vakuum", betont Dr. Bartsch. "Die Faser schnalzt dadurch, ähnlich einem Gummiringerl, auseinander, die getrennten Enden finden sich nicht wieder und können nicht mehr zusammenwachsen. Es ist also extrem nachhaltig." Für ca. 24 Stunden muss man danach einen leichten Verband tragen. Kosten ab € 2.500,-.

Schlaffes Gewebe

Genetik und zunehmende Jahre fordern hier ihren Tribut.

Dass die Haut schlaffer wird, dagegen sind wir machtlos. Doch man kann viel tun, um den Prozess zu verlangsamen. Oberstes Gebot: Straffen. Das gelingt etwa mit regelmäßigen Bindegewebsmassagen und Wechselduschen (immer von unten nach oben). Eine wichtige Komponente ist auch die Ernährung. Entsäuerung ist hier das Zauberwort. So werden Stoffwechselendprodukte, die im Gewebe zwischengelagert sind, abtransportiert. Bitterstoffe wie in Chicorée, Radicchio oder Löwenzahn helfen dabei. Kieselsäure in Vollkorngetreide und Kartoffeln wirkt straffend. Chlorophyl, der grüne Pflanzenfarbstoff, kräftigt die Zellen. Minimalinvasives, relativ nachhaltiges Treatment wäre eine Kombination aus Ulterapy, also Ultraschall, zur Straffung und dem Kollagenstimulator Radiesse (ab € 1.990,-). Wermutstropfen: Hängende Haut direkt über den Knien ist mit diesen Methoden fast nicht zu behandeln. Da hilft am ehesten eine chirurgische Straffung.

Zu viel Fett

Ist der BMI zu hoch, drücken sich die Fettzellen durch die Fasern raus.

Wenn das Unterhautfettgewebe etwas zu üppig wird, ist die erste Methode der Wahl Abnehmen. Der Body-Mass-Index sollte idealerweise zwischen 19 und 25 liegen. Neben der Ernährung hilft dabei jeder Sport, der die Fettverbrennung ankurbelt. Besonders gut sind auch Übungen, die den Lymphfluss in Gang bringen. Das passiert, wenn die Beine oberhalb des Körpers sind. Man kann z. B. schon am Morgen im Bett eine Runde in der Luft Rad fahren. Auch Beckenheben oder die Beinschere helfen. Ein weiteres Mittel sind Cremen. Diese fördern mit speziellen Wirkstoffen wie Koffein, Grapefruit oder Rosskastanienextrakt die Durchblutung. Das transportiert Wasserablagerungen ab und festigt gleichzeitig die Hülle. Kosmetische Treatments der Wahl sind Coolcrush oder Coolsculpting, bei denen die Fettzellen "weggefroren" werden (ab € 450,-pro Bereich). Bei kleinen Depots kann die Fett-Weg-Spritze Alydia helfen (ab € 300,-).

Thema: Cellulite