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Das ist neu beim Brust-Screening

Mammografie: Alle zwei Jahre sollten Frauen zur Vorsorge-Untersuchung gehen. Der Besuch beim Radiologen wurde deshalb jetzt noch einmal leichter gemacht. Alles, was du sonst noch wissen musst, liest du hier.

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Das ist neu beim Brust-Screening
© agencyby/iStock/Thinkstock

Früherkennung ist eine der wichtigsten Säulen im Kampf gegen Brustkrebs. Je früher ein Tumor entdeckt wird, umso besser kann man operieren, desto schonender ist die Nachfolgebehandlung. Damit möglichst viele Frauen am Vorsorgeprogramm teilnehmen und damit der Untersuchungsstandard in ganz Österreich einheitlich hoch ist, wurde das Brustkrebs-Screening mit Jahresbeginn umgesetzt. Rund um die Einführung gab es jedoch viel Diskussion und Kritik. Hatten die Frauenärzte ihre Patientinnen davor häufig alle Jahre zur Untersuchung geschickt, sieht das Screening-Programm eine Mammografie alle zwei Jahre vor.

Warum das aber Sinn macht und was im Vergleich zum ersten Entwurf dann doch noch geändert wurde, erklärt Dr. Marianne Bernhart - Sie ist programmverantwortliche Medizinerin des Österreichischen Brustkrebs-Früherkennungsprogramms - im ausführlichen Gespräch.

WOMAN: Bei der Umsetzung des Brustkrebs-Screenings gab es viel Gegenwind. Wie wurde darauf reagiert?

Bernhart: Die wichtigste Nachbesserung ist: Der Zugang zur Untersuchung wurde weniger bürokratisch. Frauen zwischen 45 und 69, die Kernzielgruppe, werden alle zwei Jahre zur Mammografie eingeladen. Sie können in diesem Rhythmus aber auch ohne Einladung direkt zu ihrem Radiologen gehen. Sie brauchen also die Einladung nicht mehr vorzuweisen. Das ist neu. Nochmal betonen möchte ich, dass Frauen zwischen 40 und 44 sowie ab 70 sich freiwillig zum Programm anmelden können.

WOMAN: Kritiker sagen, das sei eine Verschlechterung zum Status quo vor dem Screening. Die Abstände seien zu groß.

Bernhart: Das ist nicht richtig. Viele Frauen sind bisher jährlich zur Mammografie gegangen, weil ihr Arzt ihnen das empfohlen hat. Zahlreiche Studien zeigen aber, dass der Nutzen im Vergleich zur Strahlenbelastung nicht gegeben ist. Jetzt herrscht natürlich große Unsicherheit. Die neuen Erkenntnisse müssen erst in die tägliche Praxis Einzug halten.

WOMAN: Trotzdem klingt das alles auch sehr nach Einsparungsmaßnahmen ...

Bernhart: Weltweite Studien mit mehr als 600.000 Frauen haben gezeigt, dass dieses Intervall von zwei Jahren am besten ist. Denn wenn jährlich gescreent wird, kommt es auch zu auffällig mehr falsch positiven Befunden, also Befunden, die sich als unrichtig herausstellen. Es kommt zu Überdiagnosen bei Tumoren, die vielleicht nie problematisch geworden wären, und auch zu Übertherapie bis hin zur unnötigen Brustentfernung. Man darf nicht außer Acht lassen, wie viel Stress und Angst eine falsch positive Diagnose auslöst. Vor dem Wechsel kommt dazu, dass das Brustgewebe eine höhere Strahlensensibilität hat. Es ist nicht auszuschließen, dass sich durch wiederholte Röntgenbestrahlung sogar Brustkrebs bilden kann. Da bestehen erste Hinweise. Es gibt bei allem Nutzen auch ein Risiko, das es abzuwägen gilt.

WOMAN: Was passiert aber, wenn ich einen Knoten ertaste? Muss ich dann - schlimmstenfalls -zwei Jahre warten bis zum Untersuchungstermin?

Bernhart: Selbstverständlich nicht. Das Programm richtet sich an gesunde Frauen ohne Krankheitsanzeichen. Bei tastbaren Knoten, familiärer Vorbelastung oder in der Nachsorge nach Brustkrebs stellt der Arzt jederzeit und so oft wie nötig eine Überweisung aus.

WOMAN: Sind noch weitere Nachbesserungen denkbar?

Bernhart: Das Screening wird permanent evaluiert und weiterentwickelt. Für alle offenen Fragen haben wir unter 0800/500181 bzw. serviceline <AT> frueh-erkennen.at eine Infostelle eingerichtet.

Alle Fakten auf einen Blick.

Wer nimmt am Brustkrebs-Screening teil? Frauen der Zielgruppe zwischen 45 und 69 werden alle zwei Jahre zur Früherkennungsmammografie eingeladen. Zusätzlich können Frauen zwischen 40 und 44 und ab 70 freiwillig am Vorsorge-Programm teilnehmen. Das ist europaweit einzigartig.

Welche Neuerungen gibt es? Die Frauen der Zielgruppe können auch ohne Einladung nur mit der E-Card zum Vertrauens-Radiologen gehen.

Was soll das Brustkrebs-Screening bewirken? Es richtet sich an gesunde Frauen ohne Anzeichen einer Erkrankung. Denn je früher ein bösartiger Tumor entdeckt wird, desto schonender kann er behandelt werden. Frauen mit Beschwerden, bereits erkrankte Frauen oder diejenigen mit familiärer Vorbelastung weist der Arzt nach wie vor zu.

Was ist mit Frauen unter 40? Das Risiko ist hier im Vergleich zum Nutzen zu hoch. Eine Mammografie gibt es aber natürlich bei Verdacht.