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Fotoprojekt "Right Before I Die": Das sagen Sterbende kurz vor ihrem Tod

Das Foto-Projekt "Right Before I Die" von Andrew George ist wunderschön - und herzzerreißend. Er machte Bilder von Menschen, die kurz vor ihrem Tod stehen. Und das hatten sie zu sagen.

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Fotoprojekt "Right Before I Die": Das sagen Sterbende kurz vor ihrem Tod
© Photo by Cristian Newman on Unsplash

Den Tod? Verdrängen wir nach Möglichkeit ganz gern. Dabei weiß jeder, der bereits einen seiner Liebsten verloren hat, mit welcher Eindringlichkeit das Sterben zeigt, was uns im Leben wirklich wichtig ist. Der kalifornische Fotograf Andrew George hat den Tod deswegen zum Hauptthema gemacht - zumindest für sein Fotoprojekt "Right Before I Die" , das der Amerikaner bereits 2014 startete.

Zwei Jahre lang porträtierte der Künstler sterbende Männer und Frauen in einem Hospiz und interviewte sie außerdem. Das Ergebnis ist unfassbar bewegend und geht mitten ins Herz.

Das sagen Menschen kurz bevor sie sterben

Sämtliche Gespräche kannst du auf der Website von Andrew George nachlesen. Wir haben Passagen daraus ausgewählt.

Josefina

Wenn man tot ist, ist man tot. Punkt. Es ist aus, und ich glaube nicht an die Wiedergeburt. Ich weiß, dass in der Bibel etwas anderes steht. Ich will dem auch gar nicht widersprechen, aber ich glaub einfach nicht daran. Wenn wir sterben, sterben wir. Wir gehen nirgendwohin. Staub zu Staub ... Ich glaube, mit dem Tod erreicht man das Ende der Welt. (...) Das Leben ist das Wartezimmer des Todes. Wir sind nur Passanten. Seit unserer Geburt wissen wir, dass wir sterben werden. Wann, wo und wie, das wissen wir nicht. Ich bin gelassen; ich weiß ja, dass es so weit ist. Jeden Abend sage ich zu Gott: "Du weißt, was du tust". Ich habe keine Angst vor dem Tod. Ich habe viele schöne Jahre hinter mir.

Sarah

Wenn man in Liebe aufwächst, gibt man diese Liebe an andere weiter. Man muss Liebe geben, um sie zu bekommen. Und man sollte geben, ohne etwas dafür zu wollen. Du gibst, weil es dein inniger Wunsch ist. Ich helfe gerne Menschen, die in Not sind. Auch wenn ich denjenigen nicht kenne. Sie sind in Not, nicht ich, und sie brauchen Hilfe. Ob das nun gut oder schlecht ist, weiß ich nicht. (...) In meinen Augen ist das Leben schön. Ich habe immer gerne gearbeitet und mich angestrengt. Ich finde das Leben wirklich wunderschön. (...) Ich habe mich immer bemüht, ein besserer Mensch zu werden, mich der Situation gewachsen zeigen. Das wurde mir als Kind beigebracht und ist mir in Fleisch und Blut übergegangen. So wird man sich wohl an mich erinnern, wenn ich tot bin. Vielleicht auch an die schlechten Dinge, aber ich denke, das Positive überwiegt. (...) Ich beklage mich nicht so schnell, und ich erwarte nicht von anderen, dass sie für mich da sind. Ich habe immer versucht, mir einen Weg zu suchen und diesen Weg fortzusetzen. (...) Ich vertraute darauf, dass mir das gelingt, was ich vorhatte, ohne zu wissen, wie. Und dass es mir dann auch tatsächlich gelingt, darauf bin ich am meisten stolz

Chuck

Man muss was aus seinem irdischen Leben machen. Oft habe ich nicht das Beste herausgeholt, aber oft auch wohl. Ich habe nicht alles erledigt, was ich vorhatte. Körperlich gesehen würde ich es mir besser wünschen. Aber geistig bin ich ziemlich zufrieden. Aber wer will schon unsterblich sein? Nein, danke! (...) Die Welt ist das, was die Menschen aus ihr machen. Sie können aus ihrem Leben etwas Gutes machen oder auch nicht. Mir scheint, es gibt eine Menge Leute, die zur zweiten Gruppe gehören. (...) Einer der glücklichsten Momente in meinem Leben? Als Erstes würde ich da meine Heirat mit Sally nennen. Wir waren 35 Jahre verheiratet. Es dauerte ein Jahr, bevor sie ja sagte. Schon beim ersten Mal war ich mir ganz sicher. Aber sie empfand nicht dasselbe für mich. Ich brauchte über ein Jahr, um sie zu überzeugen. Ich ließ einfach nicht locker. Ich sagte ihr immer wieder, dass sie die Richtige ist, und wich ihr nicht von der Seite. Eines Tages sagte sie: „Ja“. An diesem Tag war ich überglücklich. Ich kann mich an die Einzelheiten dieses Tages kaum erinnern, weil ich so oft um ihre Hand angehalten habe. Fast jeden Tag machte ich ihr einen Heiratsantrag. Wir heirateten schließlich in Ottawa, Kansas, und als der Prediger mich fragte, ob ich will, rief ich "JA, ICH WILL!" Ich wollte das ja gar nicht hinausschreien, aber ich schrie wirklich. Wir waren ein Herz und eine Seele, jahrelang.

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Thema: Psychologie

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