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Das Web als Liebesfalle

Steckt die Liebe in der Web-Falle? Wir sind allzeit online. Doch was passiert dabei mit unseren Beziehungen? Experten sagen, wie es mit Liebe und Web klappt …

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Das Web als Liebesfalle

Morgens, gleich nach dem Aufwachen: Noch im Bett werden am Smartphone die Mails durchforstet, ein kurzer Klick auf die wichtigsten Nachrichtenseiten verschafft einen Überblick über aktuelle Ereignisse. Am Frühstückstisch werden Facebook- und Twitter-Account aktualisiert. Untertags folgt stündlich der Griff zum Handy: beim Warten auf die U-Bahn, in der Supermarktschlange oder auf der Rolltreppe. Und abends vor dem Einschlafen schnell noch mal alle Nachrichten abrufen, auf Facebook schauen, ein bisschen im Netz surfen …

Ganz normale Routine!? Zumindest für einen erheblichen Teil der Österreicher. Uschi Fuchs ist eine davon. Die Bloggerin bezeichnet sich als "Nerd“: "Ich brauche ein Informationsupdate, um in den Tag zu starten. Mein iPhone und mein Laptop sind meine Social-Media-Kommandozentrale, erreichbar bin ich damit fast immer. Nur beim sonntäglichen Frühstück mit meinem Freund schaue ich zwar vorher in die Mails, aber Facebook, Twitter und Blog werden erst im Laufe des Tages gecheckt.“

Ihr Freund hat mit dem Online-Hype nämlich nichts am Hut, zeigt für das "Hobby“ seiner Freundin aber Verständnis: "Sollte er meine Routine einmal kommentieren, dann eher sarkastisch -, Und? Hat sich seit dem letzten Mail-Check vor vier Minuten viel getan?‘“

Wie das Web unser Liebesleben verändert

Über 6,1 Millionen Internetnutzer gibt es mittlerweile hierzulande. Mehr als ein Drittel davon tummelt sich auf Facebook, 50.000 posten auf Twitter. Noch weiter verbreitet ist das Mobiltelefon - 91 Prozent der Österreicher besitzen ein oder mehrere Handys.

Die vielen Techno-Gadgets verändern aber nicht nur unseren Alltag, sondern auch unser Liebesleben . Lebensberaterin Beate Janota ( www.liebesambulanz.at ) analysiert: "Fernbeziehungen können durch die neuen Tools lebendiger gestaltet werden, Paare können sich untertags kleine Aufmerksamkeiten schicken. Gleichzeitig steigt aber die Erwartung der Omnipräsenz - im Berufs- und Privatleben. Wichtig ist, dass klare Prioritäten gesetzt werden.“

Facebook fühlt sich an wie Liebe

Denn Handy und Laptop sind permanent in Blick- und Griffweite. Wir sind immer online. Weil Hunderte Facebook-Freunde und Twitter-Follower uns das Gefühl geben, gewollt zu sein? Weil das ständige Mailchecken den Eindruck erweckt, wichtig zu sein? Oder weil wir vor unserem Alltag fliehen möchten?

Expertin Janota dazu: "Neben Gründen wie Beruf, Information und Networking wird im Internet nach Ablenkung gesucht. Das ist bei Einsamkeit gut, nicht jedoch, wenn man vor der Realität flüchten will. Bei Social-Media-Netzwerken kommt der Geltungsdrang hinzu, man fühlt sich beliebt.“

Der Klinische Psychologe Mario Lehenbauer ( www.psycho-logic.at ) weiß außerdem: "Es gibt Hinweise darauf, dass Twittern oder Facebooken eine vermehrte Oxytocin-Ausschüttung sowie eine Abnahme von Stresshormonen bewirkt.“

Das Hormon Oxytocin ist für jegliche soziale Interaktion verantwortlich: Es macht beispielsweise Liebende unzertrennlich. Und dem Pulitzerpreisträger Matt Richtel zufolge kommt es, wenn das Handy klingelt, zu einer Ausschüttung des Glückshormons Dopamin. Die Folge: Suchtartig greifen wir regelmäßig nach unseren Mobilfunkgeräten.

Verschaffen Sie sich ein Zeitfenster!

Wenn uns nun also ein Facebook-Posting ein Kribbeln im Bauch verschafft und wir Glücksgefühle spüren, wenn eine Text-Message kommt, werden reale Beziehungen dann völlig überflüssig?

"Durch das andauernde 'Reden‘ kann die Lust am Gespräch vergehen. Schließlich war bereits der ganze Tag angefüllt mit Plaudereien via Mail, SMS und Chat. Abends möchte man seine Ruhe, die Partner schweigen sich an“, warnt Beate Janota. Die Lebens- und Sozialberaterin plädiert für qualitative Paarzeit: "Fix eingeplante Dates zwischen den Partnern scheinen zwar wenig romantisch, sind aber im täglichen Beziehungsleben wichtig. Es fällt uns partnerschaftlich nichts in den Schoß, wir müssen miteinander reden.“

Droht die sexuelle Depression?

Bleibt nur noch eines offen: Schlittern wir in Zeiten der Online-Ablenkung und unbegrenzten Freiheit langsam auch in die sexuelle Depression? Im Web wird schließlich gnadenlos enttabuisiert, es ist wie ein einziger One-Night-Stand . Alles ist zu jeder Zeit zugänglich.

Expertin Janota: "Auf der einen Seite können diese Filme und Bilder als Anregung verstanden werden, doch im Internet finden wir auch Fotos, die nicht der Wahrheit entsprechen. So steigt der sexuelle Leistungsdruck enorm. Und anstatt mit dem Partner über die eigenen Bedürfnisse zu sprechen, sucht man die schnelle Befriedigung über das Netz.“

Doch persönliche Wärme und körperliche Zärtlichkeiten kann das Web nicht ersetzen!

Es liegt an uns, wie weit wir uns von Lifetime-Nachrichten, Mails am Handy und Twitter-Gefährten ablenken lassen. Also, wagen wir doch von Zeit zu Zeit den Sprung: Raus aus der unendlichen Freiheit des Internets und dafür rein in die Zweisamkeit!

Thema: Liebe

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