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So klappt Aufreißen ohne Tinder!

Smartphone: Aus! Flirtmodus: An! Nur: Wie funktioniert das eigentlich? Redakteurin Angelika Strobl nimmt eine Nachhilfestunde beim Dating-Coach und wendet ihre neu erlernten Skills gleich mal in der Praxis an. So war die Dschungelprüfung!

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Aufreißen ohne Tinder

Männer sind beim Flirten ganz schön "potschert"!

© istockphoto.com

"Schon bescheuert, dass man im echten Leben die Nieten nicht einfach wegwischen kann!", kichert meine Tischnachbarin und zieht am Strohhalm ihrer Limo. Aber genau darum soll es heute gehen: Flirten ohne Dating-App. Tschüss Tinder, hallo Real Life! Die Location? Eine Bar in Wien. Der Dresscode? "Schicke Abendkleidung", so der ausdrückliche Vorab-Wunsch von Flirtprofi Karin Pallinger (www.cityspeeddating.at). Flirtprofi? Den brauche ich - schließlich bin ich hundertprozentiger Flirtmuffel, Smalltalk-Vermeiderin und so was von überhaupt nicht auf der Suche nach der großen Liebe. Echt nicht (Bussi an den Freund!). Aber zum Zweck der Recherche wage ich das Experiment und stelle mich Freitagabend frisch aus dem Büro (und leider brutal underdressed) der Flirt-Challenge.

Speeddating im Test
Redakteurin Angelika Strobl beim Ausfüllen der Flirtkarten. Jeder Kandidat bekommt ein Ja oder Nein, ergibt sich eine Übereinstimmung, dürfen Mailadressen ausgetauscht werden.

Mein Lichtblick für heute: das After-Work-Bierchen noch vor Feierabend. Ich ordere ein kühles Blondes. "Bist du sicher?", fragt mich Pallinger entgeistert. "Bier ist unsexy und stinkt", erklärt sie. Find ich nicht und bestelle für Fotografin Moni auch gleich eins mit. "Wir schmusen heute ja eh nicht!", grinsen wir und prosten der Tischnachbarin mit der Limo zu. Na, das fängt ja schon mal gut an.

IT'S A MATCH!
Also, wie geht das jetzt mit dem Aufreißen? Was muss ich tun? "Ein Lächeln ist schon ein guter Start", erklärt Karin Pallinger die first steps. Und was kommt dann? "Geduld! Männer sind manchmal ganz schön 'potschert' bei ihren Baggerversuchen. Sie versuchen, mit coolen Aufreißsprüchen ihre Nervosität zu verbergen. Da sollten wir etwas nachsichtiger sein!", gibt sich die 42-jährige Wienerin milde. Sie muss es wissen, schließlich veranstaltet sie österreichweit Flirt-Events. Über 40.000 einsame Herzen soll sie dabei schon zusammengebracht haben. Zumindest für einen fünfminütigen Smalltalk: So lange dauern die Kennenlern-Einheiten beim Speeddating. Eigentlich ist es komplett egal, was man in den ersten Sekunden daherstammelt. Die Entscheidung, ob man jemanden sexy findet oder nicht, die trifft nämlich sowieso unsere Nase! Diese tastet beim ersten Get-Together das Immunsystem des Gegenübers ab und prüft es auf Fortpflanzungstauglichkeit. Gibt's grünes Licht, schüttet der Körper eine volle Ladung Hormone aus und sorgt dafür, dass wir aufs Ganze gehen. Womit ich hier und jetzt eigentlich nicht rechne.

»"ICH BIN REDAKTEURIN, HOLT MICH HIER RAUS!"«

Während mir die Expertin noch letzte "Einweisungen" gibt ("Aufrecht sitzen! Brust raus, Bauch rein! Hände nicht verschränken!"), nähert sich der Abend seinem ersten Höhepunkt. Wir, das sind acht Frauen zwischen 30 und 40, bekommen Einzeltische und Flirtpartner zugewiesen. Lasset die Spiele beginnen! Die ersten Smalltalk-Minuten sind zäh, weil alle nervös sind. Von den ersten drei Runden mit einem Architekten und zwei Informatikern - Augen zu und durch - sind mir eigentlich nur eher die langen Gesprächspausen in Erinnerung. Runde drei: Der Chirurg aus Hitzing erzählt, dass er auf Haruki Murakami steht (Pluspunkt!) und schon mal eine Nase aus einem Ohr geformt hat. Das finde ich eigentlich superspannend, aber genau in dem Moment, wo der smarte Frankenstein dazu ansetzt, mir diese Methode näher zu erklären, sind die fünf Minuten auch schon wieder um. Schade! Ab Runde vier haben wir uns alle warmgequatscht, der Lärmpegel steigt, und ich amüsiere mich immer mehr im "Und was machst du so?"-Geplänkel. Ich erfahre von einem niederösterreichischen Gastronomen, was der Unterschied zwischen Chopper und Enduro ist, diskutiere die Vor- und Nachteile von Rennrädern und schwärme mit einem Wiener IT-Berater über Südostasien. Vor lauter Begeisterung ("Yeah, flirten is eh leiwand!") vergesse ich, dass ich WOMAN-Redakteurin bin. Und, ähm, eigentlich nur testen soll. Weiter geht's mit Runde acht: Der slicke Krawattentyp mit Gelfrisur ist dran, gar nicht mein Fall, aber auch er bekommt seine fünf Minuten. Sein schlaffer Händedruck überrascht mich wenig, und ja, für die frappierende Ähnlichkeit zu "Dschungelcamp"-Schleimbeutel Honey (der Ex von "GNTM"-Kim) kann er nichts. Nur: Als er beginnt, sich über anwesende Frauen lustig zu machen ("Die da hinten hat einen Fetisch") und anschließend seine Statussymbole runterbetet ("Mein großes Haus. Mein geiles Auto!"), kann ich nur mehr den Kopf schütteln und seufze: "Ich bin Redakteurin, holt mich hier raus!" Meine Limo schlürfende Tischnachbarin bemerkt den Unmut und zwinkert mir zu. Die Nieten kann man hier halt nicht so schnell wegwischen wie auf Tinder, da hatte sie schon recht.

IT-Berater Josef und Redakteurin Angelika Strobl waren zu Beginn des Speeddatings noch nicht warmgelaufen. Fotografieren ließ er sich aber als Einziger!

"KEINE FREAKS!"
Aber auch diese Dschungelprüfung geht vorbei. Wir geben die Flirtkarten mit unseren Bewertungen (siehe Bildtext links) ab und erhalten als Gegenleistung einen Prosecco. Große Erleichterung bei den Mädels: "Es war mein erstes Mal. Ich dachte anfangs, dass hier nur Freaks sind. Stimmt aber nicht!", schmunzelt eine perfekt gestylte Mitdreißigerin im kleinen Schwarzen. Der Arzt mischt sich ein: "Ich bin immer wieder erstaunt, wie locker man neue Leute kennenlernen kann." Und da hat er recht: Wer von Tinder und endlosen Chat-Dialogen die Nase voll hat, sollte sein Smartphone einfach mal auf lautlos stellen, die nächstbeste Bar aufsuchen und dort über seinen Schatten springen. Echtes Leben. Echte Menschen! Wenn's nicht funkt, kann man ja zumindest ein Schnitzel essen gehen. "Wer geht mit?", fragt der Doc in die Runde. Peinliches Schweigen. "Ach, die Mädls stehen heute nicht auf Schnitzel!", tröstet Karin Pallinger den geknickten Single-Mann. "Vielleicht passt's ja nächstes Mal?" Fix!

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