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Das coolste Jausensackerl der Welt

Monster, Enten, Bill Clinton: Seit der Scheidung bemalt der Amerikaner David Laferrie die Jausensackerl seiner Söhne. Die Kunstwerke stellt er im Web aus.

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Das coolste Jausensackerl der Welt

Küchen-Kunstwerke: 1.200 hat David Laferriere gemalt

© David Laferriere

Es war 06:00 Uhr früh, als David Laferriere alleine am Frühstückstisch seiner Küche in Attleboro, Massachusetts, saß und wie jeden Morgen die Jausenbrote für seine beiden Söhne strich. Doch an diesem Morgen war dem Grafiker nach Schabernack zumute. "Ich habe schon lange darüber nachgedacht, meine Jungs mit etwas Besonderem in der Schule zu überraschen. Aber die Brote in Herzchenform zu schneiden oder Apfelspalten in Zahnreihen zu schnitzen war mir viel zu aufwendig. Also habe ich ein kleines Monster auf das Jausensackerl gekritzelt."

Es war der Anfang eines ungewöhnlichen Projekts. Fünf Jahre sind vergangen, 1.200 Jausensackerl hat David seitdem für seine Söhne bemalt: Kleine Monster, Hühner, Raketen und Astronauten, Fische, Enten, Ritter, Totenköpfe. Die Fotos seiner Küchen-Kunstwerke teilt er auf der Plattform Flickr und auf seiner Homepage – fast 700.000 Menschen haben die Seite seitdem aufgerufen. Und David Laferriere nicht mehr nur der Held seiner Söhne. Wir haben mit ihm gesprochen.

WOMAN: Sie haben mittlerweile 1.200 Jausensackerln bemalt – wie kam es zu dem ungewöhnlichen Projekt?
David Laferriere: Seit der Scheidung von meiner Frau sind meine Söhne jede zweite Woche bei mir. Ich wollte, dass sie von ihrem Vater etwas ganz besonderes mit in die Schule nehmen. Die Jungs waren begeistert! Also konnte ich gar nicht mehr aufhören... Außerdem bin ich Grafiker bei einer Zeitung. So konnte ich schon morgens üben.

WOMAN: Ihr Sohn Kenny ist 14, Evan bald 16 Jahre alt. Wenn ich an meinen 15-jährigen Sohn denke: Sind die beiden nicht bald mal in einem Alter, wo Jausensackerl uncool werden?
Laferriere: Quatsch! Kenny und Evan lieben die Jausensackerl. Sie sind stolz und zeigen sie in der Schule vor. Kein anderer Jugendliche hat so spezielle Snack-Pakete. Manche ihrer Mitschüler bitten sie sogar, auch mal eine gezeichnete Tüte von mir zu bekommen. Außerdem würde ich nie etwas zeichnen, was ihnen peinlich wäre...

WOMAN: Mittlerweile sind es über 1.200 Lunch-Pakete, die Sie gemalt haben. Sammeln Sie die irgendwo?
Laferriere: Nein, ich fotografiere sie, ehe die Jungs in die Schule gehen und stelle sie dann auf Flickr aus. Die Sackerl selbst sind fettig und wandern in den Müll. Nur ein paar Papier-Zeichnungen aus der Zeit, in der einer meiner Söhne seine Brote in einer Tupper mitgenommen hat, habe ich noch "analog".

WOMAN: Ich hätte in der Früh gar nicht so viel Zeit, um so hübsche Zeichnungen anzufertigen. Wie geht sich das aus?
Laferriere: Ich brauche für eine Zeichnung nur ein paar Minuten, immerhin bin ich als Grafiker Deadlines gewohnt. Es gibt außerdem so viel Inspiration, dass mir die Ideen nie ausgehen. Das kann eine Raupe sein, die sich aufs Küchenfenster verirrt hat, ein Artikel über Astronauten oder auch eine Biene, die vor dem Fenster herumbrummelt. Evan und Kenny mögen natürlich die Monster am liebsten... Mein Favorit ist aber das Loch, das ich ins Sackerl gemalt habe – meine Technik ist im Laufe der Jahre wirklich immer besser geworden (lacht ).

WOMAN: Was passiert, wenn Kenny und Evan die Schule verlassen? Ist das auch das Ende der Küchen-Kunstwerke?
Laferriere: Vermutlich. Ich fürchte, ins Büro werden sie keine vom Papa geschmierten Sandwiches mehr mitnehmen... Aber eventuell male ich ihnen dann für einen besonderen Anlass noch ein Paket.

David Laferiere und seine Söhne vor den archivierten Jausensackerln

Kommentare

Autor

Tolle Kunstwerke und sehr persönlich. Das auf dem letzten Foto ist sogar kompostierbar. Aber trotzdem gebe ich meine plastikfreie Lunchbox aus Edelstahl nicht mehr her.

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