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Depression - heutzutage ganz normal?

Jeder dritte Mensch in Österreich leidet im Laufe seines Lebens an einer psychischen Krankheit und trotzdem werden Depressionen mit körperlichen Krankheiten nicht gleich gestellt. Der Verein ganznormal.at setzt sich für mehr Aufmerksamkeit für unsere Seele ein!

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Depression – heutzutage ganz normal!?

Betroffene schämen sich für ihre Depressionen und versuchen diese zu verheimlichen...

© Thinkstock Images. Pic by Evgenyatamanenko.

In Österreich leiden in etwa 600.000 Menschen an Depressionen. Statistisch gesehen muss also jeder Dritte davon ausgehen, dass er im Laufe seines Lebens einmal psychisch krank wird. Und trotz dieser großen Zahl an Betroffenen werden psychische Krankheiten von weiten Teilen der Gesellschaft noch immer nicht als richtige Krankheit anerkannt. Die Folge ist, dass depressive Menschen zusätzlich mit Scham, Verunsicherung und Vertuschung zu kämpfen haben. Deswegen wurde der Verein ganznormal.at ins Leben gerufen!

»"Unsere Seele hat einfach mehr Aufmerksamkeit verdient!"«

Depressionen vertuschen

Aus Angst vor Stigmatisierung, Jobverlust und gravierenden finanziellen Einbußen wagen es psychisch Erkrankte häufig nicht, Hilfe bei ihren Angehörigen, Freunden oder ihrem Hausarzt zu suchen. Stattdessen setzen sie vieles daran, um etwa die Diagnose einer Depression zu vermeiden. Mit dem Ergebnis, dass die Krankheit über lange Zeit nicht bzw. nicht richtig behandelt werden kann: „Zu mir kommen Menschen am Ende ihrer Kraft – beispielsweise nach sechs Wochen, in denen sie jede Nacht fünf Mal schweißgebadet aufgeschreckt und einfach nie zur Ruhe gekommen sind,“ erzählt Primarius Dr. Georg Psota, Chefarzt der Psychosozialen Dienste Wien und Leiter des Fachbeirats von ganznormal.at. Und Dr. Psota weiter: „Selbst schwer depressive Menschen versuchen zu rationalisieren, wenn sie das erste Mal mit einer psychischen Krankheit konfrontiert sind. Sie suchen nach anderen Ursachen, auch körperlichen Erklärungen, weil das, was es ist, eine Depression nämlich, das soll es bitte nicht sein. Dabei könnte die Krankheit, richtig diagnostiziert und korrekt behandelt, in vielen Fällen geheilt werden!"

"Depression ist keine echte Krankheit?!"

Depression ist kein Beinbruch – und doch gibt es Parallelen zwischen den beiden: Psychische Erkrankungen treten etwa halb so häufig wie körperliche Erkrankungen auf. Und obwohl sie (noch) nicht wie Diabetes mellitus mittels Bluttest diagnostiziert werden können, haben körperliche und psychische Erkrankungen mehr gemeinsam, als man auf den ersten Blick annehmen kann. Bei beiden gibt es leichte bis schwere, episodische und chronische Formen. Der große Unterschied ist jedoch: Menschen mit psychischen Problemen werden gesellschaftlich stigmatisiert! Um dies zu ändern, wurde von LAbg. Christian Deutsch der Verein ganznormal.at ins Leben gerufen. Der Name der Plattform ist Programm – geht es doch darum, psychische Krankheiten dorthin zu bringen, wo sie aufgrund ihrer wachsenden Bedeutung – etwa als häufigste Ursache für Frühpensionen – längst sein sollten: Ins Zentrum der gesellschaftlichen Diskussion. Christian Deutsch dazu: „Es ist wichtig die Betroffenen und die Bevölkerung aufzuklären, die vorhandenen Hilfsangebote bekannt zu machen und Menschen mit psychischer Erkrankung zu ermutigen, sich zu ihrer Krankheit zu bekennen. Denn nur auf diese Weise kann Veränderung passieren.“

Wie können Depressionen ernst genommen werden?

Eine Chance unter vielen anderen sieht Dr. Psota auch in der Gesundenuntersuchung: „Es wäre wünschenswert, wenn psychischen Krankheiten auch im Anamnesebogen, der im Rahmen der Gesundenuntersuchung in Österreich alljährlich von hunderttausenden Menschen ausgefüllt wird, mehr Raum gegeben würde. Unsere Seele hat sich einfach mehr Aufmerksamkeit verdient.“ Der beste erreichbare Gesundheitszustand ist ein soziales Menschenrecht. Der Vereint ganznormal.at fordert deswegen eine Gleichstellung von seelischen und körperlichen Erkrankungen.

Betroffene und Angehörige finden auf der Seite des Vereins ganznormal.at Termine zu Vorträgen, sowie Kontaktstellen für Soforthilfe.