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Der Bachelor: "Ich lasse ein Herz schwirren..."

1.080 Sendeminuten, jetzt ist es geschafft. Der "Bachelor" hat sich "verliebt". Telefonieren will er mit der Rosenempfängerin aber besser doch nicht.


Der Bachelor: "Ich lasse ein Herz schwirren..."

Saskia? Svenja? Nö. Es ist Kristina. Und es ist Liebe. Klar.

© RTL

Es ist LIEBE! Und wenn ihr es immer noch nicht glauben wollt, dann brüllen wir es euch auch noch in barrierefreier Sprache entgegen: ES IST L-I-E-B-E!

1.080 Sendeminuten, quälend verteilt auf neun Folgen, dazu ein Halbjahresvorrat "Celebrations", sechseinviertel Packungen Erdnussflips und drei...äh...vierfünfsechs Flaschen ungekühlten Weißweins später steht es endlich fest: Der "Bachelor" hat sich verliebt.

Also: So verliebt, wie man nur sein kann, wenn man bereits nach der ersten in Zweisamkeit und kamerafrei verbrachten Woche erkennt, dass es "zu Reibungen kommen kann" und deshalb in den letzten drei Wochen offensichtlich auch nicht wirklich Bock hatte, mit der zuvor metaphernstark beschworenen Liebsten zu telefonieren.

So Hals über Kopf verknallt ist der "Bachelor", dass es auf der offiziellen Meldestelle für Müsli-, Katzen- und Pärchenfotos gerade mal zu einer bereits vor eineinhalb Monaten vom RTL-Fotografen produzierten, nicht unbedingt ifflandringreifen Darstellung von "LoveLiebeFeelingundRomantik" reicht:

Verstanden verstanden verstanden! Daniel Völzchen und die russische Nuschelgranate Kristina sind ganz dolle verliebt (oder wie immer man eine Zweckgemeinschaft zwecks doppelt honorierter Eröffnungen von Einkaufszentren samt Teilnahme an TV-Zweitverwertungsformaten wie "Promi Dinner" oder "Die 12 doofsten Hamster aller Zeiten" noch nennen mag).

Vielleicht sind es aber in Wahrheit wir, die wir emotional lädiert weil abgeklärt in unseren Ohrensesseln mümmeln und einfach nicht mehr GLAUBEN wollen, obwohl doch der Batchman neun Wochen lang alles gegeben hat, um uns davon zu überzeugen, dass er die einzig wahre Liebe sucht.

In der Finalshow gibt er in fließendem Teflon noch einmal alles: "Ich empfinde sehr unterschiedliche, aber intensive Gefühle für jede." "Ich habe tolle Frauen kennengelernt und für beide Gefühle entwickelt." "Ich bin heute aufgewacht und es war ein bisschen wie aus einem Traum aufwachen. Kaum zu glauben, dass es jetzt von 24 Ladys auf zwei runtergekommen ist. Beide sind Frauen, die mein Herz berührt haben."

Was sonst noch geschah? Nicht besonders viel. Wir fassen die Highlights zusammen:

100 Punkte für Mama Batch: "Kannst du Bratkartoffeln kochen?"

Bester Auftritt: Mama Batch. Die muss die beiden Finalistinnen Svenja und Kristina treffen – und: Sie macht das toll. Kann man nicht anders sagen. Haut einen Spruch nach dem anderen raus ("24 Frauen? Das ist ja wie ein Adventkalender, hinter jedem Türchen eine andere!" ), sagt dem missratenen Sohn, dass er mal "abzischen soll" , damit sie in Ruhe mit Svenja quatschen kann und unterbricht seine schundigen Salbadereien ("Wenn du da bist, dann scheint immer die Sonne..." ) mit einem yelizhammerharten “Boah, du trägst aber dick auf!” . Dann vergisst sie auch noch Svenjas Namen ("Saskia?") und guckt während Kristinas Emo-Gelaber über die "intensivenGefühlediesienochniehatte" , als würde sie am liebsten sofort die Lippen-Herpes-Salbe aus der Handtasche ziehen und der Fieberblasrigen damit ein für allemal den Mund verpicken. Am Ende führt sie noch schonungslos durch das dustere Panoptikum der Ex-Beziehungen ihres Sohnes:"Er ist in Sachen Liebe sehr locker. Das haben ihm die Mädchen auch immer angekreidet, dass er nicht bereit war, eine Beziehung einzugehen." Bestechend alarmglockenheller Realismus, der von Kristina in geistiger Dummnachtung freilich völlig ignoriert wird.

Gruseligste Deko. Wäre Saskia, äh, Svenja nicht Saskia, äh, Svenja, dann wäre ihr spätestens bei ihrem letzten Strand-Date mit dem Batchman gedämmert, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht sie die finale Rosenempfängerin wird. Merke: Wenn das RTL als Romantik-Deko die Grabkerzen eines mittelgroßen Friedhofs plündert, dann stehen deine Karten nicht zum besten. Doch Scharfsinn ist Svenjas Sache nicht, stattdessen muss das kernseifenerotischste "Playboy"-Bunny aller Zeiten wieder plappern wie ein Äffchen mit So-Tourette: "Ich hab mich gefreut, deine Mutter kennenzulernen so, das war ein schöner Tag auf jeden Fall so, ist ein komisches Gefühl so, dass jetzt alles vorbei sein wird so..." Alleine beim Zuschauen entwickelt man eine Art aggressives Mitleid. Schönster, weil völlig unsubtiler Regie-Einfall: Der Musik-Einspieler von "Say Nothing" .

Schlimmste Frisuren. Der Preis geht ex aequo an Svenjas verzuppzotteltes Lockenstab-Hinterkopfgekräuse in der Finalshow und die Playmobilfrisenfrau Frauke Ludowig, die kurze Zeit später die "Bachelor"-Reunionssendung moderieren darf. Als hätte man bei den Friseurimitaten "Haar-Reich" und "Scheren-Schnitt" meiner traurig-jugendlichen Haar-Historie in Wien-Erdberg einmal "pfiffig-peppige Ballfrisur" und einmal "afghanischer Windhund" geordert.

Stärkster Auftritt. Müssen wir mehr sagen? Natürlich Yeliz "Eisenfaust" Koc. Steht als einzige nicht auf, als der "Batchman" zur Begrüßung Wangenküsschen verteilt. Erklärt ihre Backpfeife, wegen der die Dreharbeiten kolportierte zwei Tage unterbrochen werden mussten, mit bestechender Logik: “Hätte ich ein Glas Wasser gehabt, hätte ich das genommen. Aber ich hatte nur diese Sekunde und meine Hand.” Und antwortet auf das insistierende Drängen der "Batch"-Anwältin Frauke Ludowig ("Bereust du deine Ohrfeige?" ) knallhart: "Ich bereue nichts." Wir auch nicht. Deshalb noch einmal zum Immerwiedergernsehen:

Frauenunsolidarischster Auftritt. Den liefert konsequenterweise RTL-Moderatorin Frauke Ludowig, die mit der dünn aufgepinselten Verve einer Aushilfs-Anwältin, die sonst nur Bagatelldelikte vertritt und jetzt Harvey Weinstein vs. Hollywood verhandeln soll, alle Kandidatinnen kurzerhand abwürgt, die sachte Kritik am "Bachelor" üben wollen. "Daniel, für dich war es auch nicht leicht, 24 Frauen, da kann man sich nicht immer was Neues einfallen lassen," springt sie ihm sogar bei, als er stammelnd an der Erklärung scheitert, weshalb er nicht weniger als sechs Kandidatinnen (Bachelor-Rekord!) vor dem Abservieren einer großangelegten Kusstestreihe unterziehen musste.

Janine-Christin: "Schlimm, so schlimm...:"

Dschungelkandidatin 2019. Janine-Christin, sonst fressen wir einen Besen. Zur Erinnerung: Das war die, die dem "Bachelor" nach drei miteinander gewechselten Sätzen einen Liebesbrief schrieb ("Peinlich des Todes" , um Kandidatin Carina zu zitieren). Die wirft ihr mühsam gepfriemeltes "Vision Board" von der Hochzeit samt darauffolgendem Leben mit dem "Bachelor", drei Kindern und vier Golden Retrievern jetzt endgültig auf den Sperrmüll und plärrt bereits vor dem ersten Werbeblock Sturzbäche, weil: "Es ist so schlimm, abserviert zu werden, wenn man echte Gefühle hat." Wesentlich besser ist es freilich, man bleibt auch mit falschen Gefühlen zusammen. Finden zumindest Kristina und der "Bachelor".

Das wars. Und wir? Wir hacken jetzt unseren Fernseher klein, ackern die sich wie ein dauermahnendes schlechtes Gewissen auf dem Klo stapelnden Ausgaben der "Zeit" endlich durch und klopfen nur mehr ab und zu auf eine gepflege Arte-Doku beim freundlichen Hofrats-Paar auf Etage 2 an, dazu ein gepflegtes Gläschen vom besten Roten.

Hahaha! Angeschmiert und mit Butter lackiert! Natürlich nicht. Demnächst startet auf RTL "Bachelor in Paradise". We keep you posted. Same time, same URL.

Thema: Der Bachelor