Ressort
Du befindest dich hier:

Der Bachelor: "Der küsst sooooo krass!"

Unter drei Schichten Make-up entkrusten sich hässliche Seelen, dazu gibt's supertiefes Gefühlsgezirpe und einen Kuss, der die Bezeichnung nicht verdient.


Der Bachelor: "Der küsst sooooo krass!"

Carina Celine ist nach einem ungelenken Bussi völlig wuggi

© RTL

Küssen. Ist euch mal aufgefallen, wie unästhetisch das in Wahrheit aussieht, wenn man selbst nicht beteiligt ist? Brrr. Wir vermelden (reichlich angewidert, aber doch): Vollzug in Rekordzeit.

Folge 2 von "Der Bachelor" 2018. Und schon wurden Münder aufeinander gepresst. Ziemlich ungelenk zwar, komplett ohne Zunge, aber immerhin: Exakt 3 Sende-Minuten plus 23 Sekunden früher als beim bisherigen Rekordhalter Christian Tews, dem RTL-Rosenverteiler der legendären Angelina-Heger-Staffel anno 2014.

Das recht jugendfreie Busserl wird von Janina Celine in der "Ladys Villa" unter hysterischer Schnappatmung trotzdem zum "Kuss des Jahrhunderts" stilisiert ("Der küsst soooooooo krass! Da fallt ihr voll rein, ich schwör's euch!" ). Der leicht wahrheitsverdrehte Erlebnisbericht scheucht die restlichen Kandidatinnen sogleich auf wie eine Horde hormonell getunter Hühner.

Janina Celine und Daniel. Man muss nicht Samy Molcho heißen, um zu erkennen: Einer Person hier ist diese Situation unangenehm

Der rasende Mob will der zum sozialen Stresstest mutierten Janine Celine ab nun am liebsten die zugespitzten Glitzerstein-Acrylnägel in den Rücken rammen, die Extensions einzeln aus dem Haar pflücken oder zumindest die Fake-Wimpern verstecken. Nur Yeliz analysiert messerscharf, dass zum Knutschen naturgemäß immer mindestens zwei gehören und verteilt die Schmuse-Schuld deshalb ein wenig gerechter: "Boah, Männer sind ekelhaft. Wer will den jetzt noch küssen? Ich würde da kurz mal mit Sagrotan drüber."

"Übrigens, ich hatte mal Brust-Implantate!"

Kurz mal mit Desinfektions-Spray drüber... Genau dieser Gedanke schießt uns auch immer durch den Kopf. Jede Woche, immer mittwochs, immer zur gleichen Zeit. Etwa jetzt, beim ersten Date.

Eine gewisse Svenja darf mit. Das ist die 22jährige, die noch nie eine Beziehung hatte (gut, wir bezeichnen auch nicht jede Tinder-Schnackselei als Beziehung), aber schon mal im "Playboy" war und, wie wir dank der Gerüchteküche aus der "Ladys Villa" erfahren, "so voll krass drauf ist, dass sie ihr Schamhaar Pink und Türkis färbt."

(Brrrrrr. Sagrotan!!!)

Svenja zu Daniel: "Ich hau mir gleich die Zähne raus, dann hab' ich kein so schönes Lächeln mehr."

Mit der zieht das Völzchen das übliche "Bacheloren"-Programm durch: Im Wasserflugzeug über Miami, dann Zwischen-Stopp auf einer Mini-Insel in romantischer Sichtweite zum Industriehafen. Weil aber fades Gammeln und Fummeln am Strand der brav ins Format einzahlenden Tourismus-Behörde von Florida offenbar zu wenig Argument für einen Aufenthalt im "Sunshine State" ist, müssen das Völzchen und Svenja noch einmal mit dem Kanu eine Runde um den Sandhaufen paddeln. Das sieht nicht nur völlig vertrottelt aus, es ist auch so.

Dann müssen es wohl die Gespräche reißen. Liebe geht schließlich über, äh, die Zunge."Falls es dich interessiert: Ich hatte mal Brust-Implantate," haut Svenja völlig übergangslos raus. Okay. Derlei Information hat auf normale Menschen ungefähr den Sex-Appeal wie der Beisatz, dass man mal Nagelpilz hatte (brrr, Sagrotan!), aber Platitüden-Völzchen ist fortan hellauf begeistert: "Also auf einer Skala von 1 bis 10 – das Feuer brennt lichterloh!"

Zum Glück löscht ein plötzlich auftretender Platzregen dieses auf Sparflamme laufende Date.

"Janina, Janina-Cristin, Roxana, Carina – der Bus wartet schoooooon!"

Der Bachelor erklärt Lina: "Mein Vater ist Amerika." Was sonst?

Die Sache muss Fahrt aufnehmen, das ist auch dem Aufnahmeleiter klar. Also ab zum "Speed-Dating" auf dem Dach eines Doppeldecker-Busses. Schon der Aufruf zur Chose klingt super, denn die Frauen sehen in diesem Jahr nicht nur alle ziemlich gleich aus (ziemlich blond), sie heißen auch so: "Janet, Janina, Lina, Janina-Christin, Roxana, Carina!" – Als würden die Mütter ihre Töchter in Reimform aus der Sandkiste einer deutschen Plattenbausiedlung plärren. Toll klingt das. Könnte ein Ballermann-Hit werden, singt es euch mal leise vor.

Ähnlich supergut geht es weiter, denn in nur vier Minuten will der "Bachelor" jetzt möglichst "viel über die Frauen erfahren." Die sind von der Situation völlig überfordert. Eine zählt ihren Lebenslauf auf, die andere rattert ihren Fragen-Katalog im Schnellverhör-Stil runter: "Wie geht's dir heute? Hast du Geschwister? Bist du komplett deutsch? Und in deiner Freizeit, was machst du so?" – Leider bleiben die für künftige Lebensgemeinschaften wirklich imminenten Fragen trotzdem ungestellt. "Pupst du manchmal? Hast du schon mal in der Nase gebohrt?" Aber man kann nicht alles haben, so ist das im Leben und beim "Bachelor".

Eine andere sprachholpert nun, dass sie es gar nicht mag, wenn in einer Beziehung "eine Person keine Hosen anhat." Was der "Bachelor" mit dreckig-heiserem Sulfurlachen quittiert: "Was, gar keine Hosen, har, har?" (Merkt ihr, wie sich langsam hinter eurer Stirn ein pochender Schmerz ausbreitet? So fängt es immer an.)

Am Ende findet der "Bachelor", dass das Gespräch mit Carina am schönsten war und sie deshalb jetzt mit ihm auf dem Dach des Busses essen darf.

Carina holt Daniel runter. Sagt er. Ein Wort fehlt. Gott. Es wird immer schlimmer mit uns. Verzeiht den Schmuddel-Kalauer!

Es ist jener Moment, in dem sich unter der Make-up-Fassade Schicht für Schicht der hässlichste Charakter der Sendung entkrustet: Lina. Die kann die Entscheidung des Völzmännchens nämlich nicht nachvollziehen, weil: "Sorry, aber Carina ist vom Aussehen her eine Katastrophe! Die passt vom Typ eher zu einem Fitnessstudiobetreiber. Zu einem Shisha-Ladenbesitzer. Oder zu einem Zuhälter."

Liebe Lina, du Vorzeigeexemplar gelebter Frauensolidarität. Wir gratulieren zum Titel des designierten Staffelarschs. Und wünschen dir von ganzem Herzen einen abgebrochenen Fingernagel. Oder zwei.

Bacheloretten-Shooting: We had the time of our Life

Michelle beim Shooting: "Ich hatte ganz schwitzige Hände."

Weiter geht's mit einem totalen Highlight, zumindest sehen RTL und der "Bachelor" das so: "Heute erwartet die Frauen etwas ganz Besonderes." In concreto handelt es sich um ein hochnotpeinliches Foto-Shooting von der Hölzernheit der Stockphotographie aus den frühen 90ern, bei dem Film-Szenen nachgestellt und die "Frauen sich noch mehr öffnen sollen" , wie das Völzchen frohlockt.

Nadine muss dafür als "Pussy Galore" aus "007 James Bond - Goldfinger" in einen goldenen Bikini schlüpfen, der ihren Gesäßschinken derart großzügig freilegt, dass die RTL-Mitarbeiter im Regieraum vermutlich begeistert High Five-Abklatschen. "Alle haben Kostüme und Kleider an. Nur ich hab' n' Schlüpper" , mault die Berlinerin, fügt sich aber dann doch goldig in ihre Rolle.

Ähnlich schlimm hat es auch Michelle erwischt, die in einer ärmlichen "Dirty Dancing"-Reminiszenz erst erotisch über den Parkettboden auf das Völzchen zurobben und dann von ihm in die Luft gestemmt werden soll. "Romantik war da null," sagt sie später. "Ich kam mir vor, als ob ich meinen Job mache." Und mutiert mit diesem bislang ehrlichsten Satz der Staffel zu unserer Kandidatin der Herzen.

Was sonst noch geschah

1

BATIDA DE GAGA. Liebes RTL. Wir sind nicht völlig doof, selbst wenn wir uns jede Woche euren Trash reinziehen. Da könnt ihr noch so sehr versuchen, den neuen Alk-Sponsor durch möglichst unelegante 1minütige Produkt-Platzierung mittels gebrandeter Sauf-Bottiche und vorgeschriebener Begeisterung der "Bacheloreusen" ("Krass lecker!" - "Richtig lecker!" - "Tasty" – "Isch der Wahnsinn!") einzuführen: Das einzig wahre "Bachelor"-Gesöff bleibt auch weiterhin die in der afrikanischen Steppe gebraute "Amarula"-Schlacke.

2

DER EMO-SCHLENKER DER WOCHE. Gogo-Tänzerin Kristina hat Bammel, dass ihre Halbwertszeit in der Show bereits abgelaufen sein könnte und erklärt dem "Bachelor" in der "Nacht der Rosen" deshalb, dass sie mal ein ernstes Wörtchen mit ihm reden muss. Der reagiert darauf, wie jeder Mann auf diesen Satz reagiert: Mit sachter Panik in den Augen. Zurecht. Denn erst erklärt Kristina, dass sie schon mal in einer gewalttätigen Beziehung war, dann mit bedeutungsvollem Wimpern-Klimpern, dass ihr anderer Ex "was mit Drogen zu tun hatte." Im Ernst jetzt, RTL. Was kommt als nächstes? Dürfen die Kandidatinnen reihum ihre #MeToo-Erlebnisse erzählen? Wird die Magendarm-Grippe des "Bacheloren"-Hündchens Bella thematisiert? Erfahren wir mehr über das Meerschweinchen von Kandidatin Lina, das von einem Kaninchen gefressen wurde? Litten drei der "Bacheloreusen" schon mal unter einer lebensbedrohlichen Kalorienvergiftung? Zum Glück dreht der "Bachelor" dem Stimmungs-Downer im Leder-Mini mit desinteressierter Miene nach drei Sätzen den Sprechkanal ab: "Äh, jetzt aber lieber wieder positiv sein, ne?"

3

DIE VERLUSTLISTE VON FOLGE 2. Wir bedauern auch diesmal nicht den Abgang von einer Frau in rotem Kleid. Einer in Glitzer. Und von noch einer uninteressanten Blondine, deren Namen niemand kennt und die noch nie etwas gesagt oder getan hat (Copyright: Twitter). Die wollte nämlich keine Rose. Wer könnte es ihr verdenken.

Zum Schluss: Eine kleine, unelegante Werbeeinschaltung

Was das RTL kann, das können wir auch. Ich habe neulich einen extrem netten Brief bekommen. Eine Marketing-Managerin eines großen Schoko-Herstellers mag die Bachelor-Berichte. Weil ich mal in einem der Artikel erwähnt habe, dass dazu neben Erdnussflips und dem Amarula-Gesöff klischeehaft eine Packung Mini-Schokoriegel gehört, hat sie mir einen Vorrat für jede noch ausstehende Folge geschickt. Danke sehr! Ich fühle mich jetzt endlich ein klein wenig wie ein Influencer und komme meiner Pflicht mit der mir most possible instagrammable Inszenierung nach. Leute, esst mehr #schokoriegel #foodie #bachelor.

Thema: Der Bachelor