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Der Bachelor: "Sex fühlt sich im Traum besser an!"

"Baywatch", einen A-U-S-R-A-S-T-E-R und Vaginalsondierungsgespräche: In Folge 3 nimmt "Der Bachelor" Fahrt auf. Das liegt aber nicht am Rosenknilch.

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Der Bachelor: "Sex fühlt sich im Traum besser an!"

Samira und Christina: "Ich bin Model. Und auch sehr geheimnisvoll."

© RTL

Kennt ihr das, so nach 8 Tagen im All-Inclusive-Club? Wenn man langsam die Schnauze voll hat vom immergleichen Nudel-Pampf plus Crêpe Suzette? Man sich nichts mehr wünscht als ein wenig Abwechslung an der All-You-Can-Eat-Front, auf dass der sonnenvergammelte Tag zumindest ein klitzeklitzekleines Highlight bietet?

Ähnlich ist es beim "Bachelor", diesem nach Ganzweitfortistan verlegten Ferien-Camp für Extensions-Süchtige. Auch hier muss das All-You-Can-Grabsch-Buffet um zwei Kandidatinnen erweitert werden, um neue Belustigungstopoi zu erschließen. Als frische Obers-Häppchen präsentiert:

  • Die dralle Christina, ein "Model" aus Koblenz, das aber nicht verraten möchte, welche Tuning-Messen genau es so im rheinland-pfälzischen bemodelt, sondern alle Fragen zu bisherigen Jobs mit der ebenso wunderbaren wie grundfalschen Selbsteinschätzung "Ich bin halt auch geheimnisvoll..." abwehrt.
  • Und Samira, Barkeeperin aus München. Auffälligstes Merkmal: Apart am Dekolleté montierte Pampelmusen. Bestes Zitat: "Essen ist wichtig. Da hab ich einen an der Klatsche, aber das ist eben so." (Seufz).

Ein dramaturgischer Kniff, so das schwarzgallige Kalkül der Sendungsmacher, der die versammelte Meute zur Raserei bringen und den "Bachelor" in amouröse Verwirrung stürzen soll.

Auch die Hobbysoziologen unter uns frohlocken zumindest kurz auf ihren Sitzkissen, weil: Werden sich die übrigen Sumpfhühner nun zu einer vermeintlich stabilen Gruppe zusammenrotten, um ein gemeinsames Feindbild zu zimmern? Wird sich Balzmännchen Völz endlich in die versprochene menschliche Testosteronbombe auf Landgang verwandeln?

Tja. Die Rechnung wurde ohne das Völzchen gemacht. Der reagiert auf den Neuzugang vor allem: Sichtlich genervt.

Immerhin konnte er fünf der Pomeranzen in den letzten drei Sendungen endlich aussortieren – und jetzt muss er sich schon wieder zwei neue Namen merken. Die glibbrige Masse zwischen seinen Ohren, die manche Hirn nennen, gerät merklich ins Wabbern. "Samira hat ihre Reize," schließt er die übermenschliche Denkleistung schließlich erschöpft ab. Sie darf bleiben, der Pamela-Anderson-Gedächtniskörper muss raus.

Daniel über Christina (l.): "Sie ist ein typisches Model." Wir sehen das ein wenig anders.

Und die anderen "Bacheloreusen"? Rechnen die Ungerechtigkeit mit buchhalterischer Genauigkeit ab: "Ich find' das richtig scheiße. Die Neue darf nach zwei Minuten Gespräch weiter, während wir schon drei Nächte der Rosen hier sind. So wird das nie was mit meinem Einzel-Date." The struggle is real.

Es ist tatsächlich irgendwie ein Drama mit dieser Sendung. Diese Frauen sind angetreten, um den vermeintlichen Traummann zu verführen, ihn zu umgarnen, ihm die Sinne zu vernebeln – und am Ende hängen sie wie Trauerweiden auf dem Sofa und zählen als Controlling-Abteilung der Liebe die Kommunikationsbrocken wie Erbsen.

Erkenntnis: Nicht jeder, der schweigt, denkt einstweilen.

Fast schon putzig, dass trotz des absurden Settings immer noch hartnäckig behauptet wird, es gehe hier um echte Gefühle. "Beim Date am Strand will Daniel die Ladys endlich besser kennenlernen" , trötet der Off-Kommentar. Rischtisch. Wo sonst kann ein Mann alles über Frauen erfahren?

Zu diesem Behufe werden die Kandidatinnen in – hö hö! – etwas zu enge und zu kleine Baywatch -Badeanzüge gezwängt und tun nun beim Strand-Parcours das, was Frauen eben so tun müssen, beim "Bachelor". Sie kreischen und hüpfen und robben und rennen. Was einer gewissen Logik folgt, schließlich wackeln Brüste nur beim Hüpfen und Robben und Rennen und nicht beim Reden. Einzig die Zeitlupe, diese kleine inszenatorische Feinheit bleibt uns das RTL leider schuldig.

Daniels Fazit zum Busen-Boogie: "Ein toller Tag. Wir haben Sport gemacht und uns besser kennengelernt."

Ein paar Stumpfkonversationen muss es dann trotzdem geben, der Sender will sich da schließlich nichts vorwerfen lassen. Deshalb parkt sich das Völzchen mit Yeliz im Schatten, denn die scheint ein interessanter Gesprächspartner:

Bachelor: "Machts dir Spaß am Strand?"

Yeliz: "Ja. Ich bin froh, hier zu sein."

Bachelor: "Bist du ein nachdenklicher Mensch?"

Yeliz: "Mhm."

Am Ende ist immerhin der "Bachelor" überzeugt, dass Yeliz "eine Tiefe besitzt, die ich noch nicht erreicht habe." Seufz. Seufz. Doppel-Seufz. Sie ist ein rätselhaft apathisches Wesen, diese Yeliz. So jedenfalls würden wir das sehen.

Yeliz ist ein "nachdenklicher Mensch", meint Daniel. Weil sie wenig redet, hat sie zumindest auch noch nicht viel Dummes gesagt.

"Zumindest habe ich einen Arsch!"

Derweil nimmt die Sendung zumindest an anderer Stelle ein wenig Fahrt auf. Der Rest der Frauenmeute ist nämlich zum Zwangs-Gammeln in der "Ladys Villa" verdonnert (aus einem Erlebnisbericht: "Ich habe heute gegessen, geschlafen, gegessen, meine Nägel gemacht!" ), weshalb sie alle Geistesskrupel endgültig zur Seite schieben und fröhlich aus dem Bähkästchen plaudern.

Hier ein paar der von der Sonnenliege aus aufgestellten Thesen für die Ewigkeit:

  • "High Waist-Badeanzug zu Low Waist-Shorts – das geht GAR nicht." (Lina)
  • "Hohe Schuhe am Strand sind voll daneben." (Lina)
  • "Die, die am süßesten tun, sind die größten Bitches!" (Janina Celine)
  • "Sex fühlt sich im Traum viel besser an als in echt!" (Svenja)
  • Und, final noch nicht restlos geklärt: "Ich frage mich, ob der Mann den Sex genauso empfindet wie die Frau. Also der Penis in der Muschi." (Janina Christin). "Ich glaube schon, dass das genauso ist. Bei einer Geschlechtsumwandlung wird ja auch die Eichel aus dem Kitzler geformt oder umgekehrt. Aber ich war ja noch nie ein Mann." (Svenja).

Ja, es ist schon ein mental ziemlich maroder Haufen, den das RTL da diesmal nach Florida verfrachtet hat. Wie die a-u-s-r-a-s-t-e-n können, herrlich!

Michelle und Kristina (r.): "Hab ihr euch lustig gemacht, weil ich hohe Schuhe anhatte, hä?"

Akuter Anlassfall: Ein paar lästern am Pool, ein paar andere können deshalb nicht schlafen. Schon geht es in der abgedunkelten Villa los wie bei einem Familienkrach der Waltons. Hier ein kurzer, wahlloser Auszug: "Du bist ein Miststück!" "Trinkt weniger, ihr Fotzen!" "Ich kann trinken, so viel ich will!" "Du bist wie Heidi Klum!" "Lass dir Brüste wachsen!" "Zumindest habe ich einen Arsch!" "Ich will schlafen! Wenn ihr scheiße aussehen wollt, dann verpisst euch!"

Ein Date mit Lina: Der Adrenalinschub bleibt aus. Wie so oft.

Doch weil die Sendung "Der Bachelor" heißt, braucht es jetzt leider wieder einen Schwenk zum kukidenten Verschwender wertvoller Grinsezeit. Hin zum Date mit Lina, einer arktiskühlen Blondine, die wir ung'schaut für die Rolle einer sadistischen Bikini-Knastwärterin casten würden. Ausgerechnet mit der soll es jetzt menschlich wärmeln, auf einer Picknickdecke samt dekorativen Kerzen bei hellem Sonnenschein.

Daniel und Lina: "ich bin eine starke Frau."

"Ich bin eine starke Frau," faselt Lina. Und Völzchen: "So seh' ich dich auch." Kurz darauf wird er zu Protokoll geben, "dass sie mich richtig süß angeguckt hat." Pfuh. Da will man doch glatt übereinander herfallen und sich besinnungslos fummeln. Passiert natürlich nicht, weil: Verdammt, hier taut nichts. Trotzdem will der "Bachelor" das Date "nie vergessen". Nie hätte er "erwartet, mit Lina so einen Tag zu erleben." Nun: Wir schon.

Heißer solls beim nächsten Gruppen-Date werden, weshalb die Frauen nun von Badeanzügen in Shorts gesteckt werden, die aussehen, als hätte man sie kurz vor dem Siedepunkt gewaschen. Rollschuhdisco, ein Mann und fünf Frauen. Klingt das nicht romantisch? Nein. Ist es auch nicht.

Nein, dieses Szenen-Bild stammt nicht aus der RTL II-Report "Nachts auf der Reeperbahn"

Mit peinlichem Sextalk versucht der "Bachelor" die Frauen aus der Reserve zu locken. Kleine Kostprobe gefällig? Völzchen: “Wann hattet ihr euer erstes Mal?” Mit "18", "15", "14" . Meike will zwar nicht ins Detail gehen, erzählt dann aber doch besser schnell, dass sie im Auto saß und sich mit den Händen abstützen musste, weil es so weh tat. Es sind Bilder, die man nicht will.

Genug davon? Mitnichten. Auch der "Bachelor" bedient das Kopfkino:"Mein erstes Mal war mit 14. Das waren meine, höhö, drei Sekunden. Ich war damals so nervös, so nervös war ich nur, als ich euch in der ersten Nacht der Rosen gesehen habe." Brrrr. Wären wir nicht schon längst innerlich tot tot tot, wir bräuchten jetzt ganz schnell das Mittel gegen Scheidentrockenheit aus dem Werbeblock davor.

Zum Glück gibt es Svenja, das blonde Playmate, das mit 22 Jahren zwar noch nie eine Beziehung hatte, aber ihr erstes Mal mit 13, dazu implantierte und schon wieder entfernte Fake-Titties, rosa-türkis gefärbtes Schamhaar, ein Intimpiercing, 20 Gangbangs mit 11 Männern (oder so) und den einen oder anderen Dreier. Deren Hände fühlten sich auf den Hüften des "Bachelors" bei der Rollschuh-Polonaise "ziemlich gut an" , weshalb sie sich jetzt mit dem Batchman auf eine in der nach Schweiß miachtelnden Disco-Halle stimmungsvoll aufgestellten Liegelandschaft drapieren darf.

Der "Bachelor" dreht lässig den Kopf, derweil arbeitet Svenja sich an ihm ab

Nachdem Grundsätzliches mittelmäßig zufriedenstellend geklärt wurde ("Würdest du sagen, dass du ein leidenschaftlicher Mensch bist?" "Definiere leidenschaftlich!" ) , werden die Lippen aufeinander gepresst und die Zungen zirkuliert. Obwohl Svenja an Daniel pickt wie ein "Twix" am anderen, hat die Sache etwas Mechanisches an sich, ist aber egal: Svenjas Einsatz auf dem "Bachelor" wird trotzdem mit einer Rose belohnt.

Und wer ist raus? Janet und Roxana. Letztere sagt noch:"Ich gehe mit erhobenem Kopf und meinem Stolz hier raus." Falsch, Schätzchen. Niemand verlässt diese Show mit erhobenem Kopf und Stolz.

Thema: Der Bachelor

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Liebes Woman-Team, danke für den grandiosen Bericht! Herrlich geschrieben, kommen aus dem Lachen nicht mehr raus. Hat meinen Kolleginnen und mir den Tag im Büro versüßt :D:D