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Der Bachelor: "Ich könnte ihn jetzt mal was fragen..."

Ja, sie hat ihm eine geklatscht: Erstmals bekommt ein "Bachelor" die Rache einer abservierten Frau zu spüren. Auch sonst bleiben keine Fragen offen.


Der Bachelor: "Ich könnte ihn jetzt mal was fragen..."

PATSCH!! Yeliz zieht durch

© RTL

Wegen Urlaubs mit Verspätung: Unsere Redakteurin konnte erst jetzt auf euren Wunsch den "Bachelor" nachschauen.

Da ist man mal eine Woche weg – und schon steht kein Stein mehr auf dem anderen: Die Börsenkurse rasseln von New York bis Tokio zwischenzeitlich talwärts, unser Bundeskanzler rettet - zumindest laut einer Boulevard-Zeitung - quasi im Alleingang den Opernball (wovor genau, diese Information bleibt uns das Blatt leider schuldig, ist aber am Ende auch völlig sacherwurstl), in Deutschland schafft es Ex-SPD-Chef Martin Schulz eine klare Absage zu einem Ministeramt in einem Kabinett Merkel zugunsten des Außenministeramtes umzudeuteln und steht nun, ob eines massiven Glaubwürdigkeitsproblems von den Genossen zum Rücktritt gezwungen, vor den Hundstrümmerln seiner Polit-Karriere.

Aber, frage ich, was ist das alles gegen ein anderes, weit epochaleres Ereignis?

Beim "Bachelor" hat es PATSCH gemacht. Breitseite, flache Hand, kräftig durchgezogen, mitten auf die Backe. PATSCH.

Ganze acht Staffeln hat es gebraucht, bis einer der Rosen-Chauvis die Rache einer Abservierten zu spüren bekommt.

Also: Bitte nicht falsch verstehen. Ein klares "Nein" zu Gewalt gegen Kinder, Frauen, Tiere, Männer ... und, ja, sogar gegen RTL-Sittenfiffis wie den "Bachelor".

Aber von einem schmierigen Typen erst im Fernsehen vor einem Millionenpublikum beschlabbert und dann mit einem selbstgefälligen Grinsen abserviert zu werden...

Yeliz, ein ganz ganz wuzzikleiner Teil von uns empfindet (uff, okay, jetzt muss es einmal raus): Fast so was wie Frauen-Soli. Ehrlich.

Daniel schiebt Yeliz die Zunge in den Rachen: "Das habe ich jetzt nicht erwartet."

Denn eigentlich war Yeliz hart im Nehmen. Erst musste sie mit dem "Bachelor" zum "Dream-Date". Nicht, was ihr denkt, von wegen Schampus, Sonnenuntergang, Schmetterlinge im Bauch, das volle Programm. Stattdessen soll sie ihre Höhenangst in einem über Miami schraubenden Helikopter betäuben, indem sie ihre Nase an die Schweißflecken des "Bacheloren"-Shirts presst. Anschließend muss sie sich auf dem Hubschrauberlandeplatz in einem überdimensionalem Sitzkissen drapieren. Über ihr: Der "Bachelor". Seine Frisur: perfekt. Sein Blick: Zieh dich aus kleine Maus, mach' dich nackig! Er sagt: "Wie bist du so in einer Beziehung?" Er erwartet:"Eine leidenschaftliche Liebhaberin, die ihrem Liebsten morgens die Pancakes in High Heels ans Bett bringt."

Stattdessen erzählt Yeliz von ihrem Ex-Freund, dessen Lügen sie in einen "emotionalen Eisblock verwandelt haben" . Nicht mal mehr Händchen halten wollte sie am Ende mit dem. Diesen Psycho-Strip findet der "Bachelor" im Off-Interview zwar schwer "unsexy und unattraktiv", aber immerhin sexy genug, um sich Yeliz' Händchen zu schnappen und ihr seine Zunge in den Rachen zu propellern. Ungefähr so leidenschaftlich, wie zwei Burschenschafter, die sich auf den Christopher Street Day verirrt haben. "Das habe ich jetzt nicht erwartet." Sagt Yeliz. Findet das alles aber dann bis zum finalen Geh-Punkt samt PATSCH irgendwie "märchenhaft" .

Man stelle sich vor, die Kandidatinnen verbünden sich...

Zu ihrer Ohrfeige sagt sie übrigens mittlerweile auch was. Der deutschen "Bild" hat Yeliz über ihr Blackout erzählt. Erinnerungen an ihren Vater seien plötzlich hochgekommen. Der habe nämlich während der Schwangerschaft ihrer Mutter auch noch eine andere Frau geschwängert. Der "Bachelor" sei da ähnlich:"Er weiß einfach, was Frauen hören wollen. Weshalb jede Frau dieselben Komplimente bekommen hat, damit er sein Ziel erreicht."

Hach Kindchen. Hast du während der gesamten letzten sieben Staffeln verpasst, weil im örtlichen "Douglas" der essie -Notstand ausgerufen war? DAS ist das einzige ärmliche dramaturgische Gerüst, an dem das "Bachelor"-Drehbuch festgezurrt ist.

Doch genau hier liegt die eigentliche Schwäche des patriarchialen Fummelformats.

Stell dir vor, die verbünden sich

Man stelle sich vor, die Kandidatinnen riefen gemeinsam zum Aufstand gegen den "Bachelor", würden die farceartigen Spielregeln des Romantik-Porns als solche nicht mehr hinnehmen und die Redundanz des Formats durchbrechen, indem sie sich nicht gegeneinander sondern gemeinsam gegen den Rosenverteiler verbünden. Ihn zur Rede stellen und von ihm verlangen, dass er nicht alle verbliebenen Kandidatinnen testweise anknabbert, ihren Rachen ausschabt und auch sonst mit ihren Gefühlen spielt, sondern er sich mit ihnen zuerst mal richtig UNTERHÄLT und damit das wahr macht, was er pro Sendung mindestens achtmal verspricht: "Ich will die Frauen wirklich kennenlernen."

Möglicherweise würde dies einen neuen Spannungsbogen bringen, würde die Story einen neuen Twist bekommen, fiele den Kandidatinnen etwas zu dem Typen ein (und sie müssten nicht wie "Playmate" Svenja zehnmal wiederholen "Ich sollte jetzt ihn jetzt mal was fragen, aber ich weiß eigentlich nicht was!" ). Vielleicht würde die finale Rosenempfängerin dem "Bachelor" auf seine übliche Litanei ("Du bist etwas Besonderes, eine tolle Frau, ich glaube, ich habe mich in dich verliebt!" ) einmal keck antworten:"Tja, Hase, danke für den lässigen All-Inclusive-Urlaub, aber du bist leider weder besonders noch ein toller Mann. Deshalb Tschüss mit Ü und Tschau mit Au."

Natürlich wäre die Sendung dann nach wie vor eine so große Inszenierung, wie man sich denkt. Nur irgendwie auf eine lustige, schlaue, gute Art. Und vielleicht entpuppte sich in den Gesprächen doch tatsächlich die eine oder andere interessantere Kratzbaumprominenz für ein "Dschungelcamp", jemand, der zu mehr psychologischen Scharmützeln als der Lüftung des Bikini-Oberteils fähig ist.

Aber diese Gedanken entspinnen freilich nur einem Hirn, das eine Woche durchlüften konnte, sich zwischen Prado-Hochkultur und Tapas fast schon minimal-feministischen Fantasien hingibt. Nächsten Donnerstag ist dann wieder alles beim Alten in unserer kleinen anonymen Selbsthilfegruppe, genannt "Der Bachelor". Da freut sich die Autorin wieder so richtig auf das willig-folgsame Frauenmaterial, mit dem RTL in diesem Jahr die #metoo-Debatte endgültig dem Erdboden gleichmacht.

WAS SONST NOCH GESCHAH

Daniel schiebt ihr die Zunge in den Rachen. Jessica: "Ich war schon überrascht."
1

JESSICA HAT TRÄNEN IN DEN AUGEN. Jessica ist angehender YouTube-Star und sagt in ihrem Vorstellungs-Vlog wahre Worte:

Okay, wir verstehen das. Ihr wollt euch die 2:23 Minuten Geschnatter nicht geben, wir kürzen deshalb ab: "Ich bin mir für nichts zu schade," sagt sie. Wie viel Wahres in diesem Satz steckt, zeigt sich, als auch die Jessi vom "Bachelor" bei ihrem Einzel-Date aus dem Hinterhalt eine 1A-Mandelmassage verpasst bekommt. "Ich war schon überrascht. Aber es war okay," meint sie dann. Das sind Emotionen, da kommen einem die Tränen. Die fließen dann wirklich. Jedoch nicht, weil der "Bachelor" sein Shirt auszieht. Sondern weil das RTL Jessicas Eltern zu einem kurzen Gruß-Einspieler für ihre Tochter genötigt hat. Papa Jessica flennt (der Augenstern ist beim "Bachelor"), Jessica flennt (sie ist beim "Bachelor"), nur der "Bachelor", der sitzt daneben und ist ob echt empfundener Zuneigung ganz offensichtlich irritiert. Aber nicht zu sehr, um die Situation nicht für sich zu missdeuten: "Ich habe Jessica zum Strahlen gebracht."

2

JANINE CHRISTINE SCHREIBT EINEN BRIEF. Puh. Janine Christine, Frisöse mit Ambition zur Sängerin. Wir erinnern an ihr Zitat aus Folge 1:"Ich stehe nicht auf Blümchensex, wenn ich nach Hause kommen würde und da liegen Rosenblätter würd' ich sagen, mach den Scheiß da weg." Jetzt schlackern der vermeintlich Toughen die Knie, weil: Sie hatte zwar noch kein Einzeldate mit dem "Bachelor", hat aber ihm trotzdem schon einen Liebesbrief gepfriemelt. Und weil sie das Prinzip eines Briefs nicht ganz verstanden hat, trägt sie ihn auch gleich laut vor. Ehrlich. Es ist zum Fremdschämen, die Gänsehaut hat sich bis jetzt nicht gelegt. Leider hat das RTL uns den Vortrag in gesamter Länge unterschlagen. Aber auf uns ist Verlass. Es ist uns gelungen, zumindest einen Screenshot des 2 Seiten-Dokuments zu machen.

Wir zitieren (ohne Korrektur):"Das wichtigste ist nicht wo man ist oder was man tut sondern mit wem. Ich war froh an Tagen an denen ich kein Date hatte, wenn es Zeit war schlafen zu gehen und ein neuer Tag beginnt, mit einer neuen Chance darauf dich wiederzusehen." ... "Als du in den Pool gesprungen bist, bin ich sofort hinterher, um dir auch körperlich nah zu sein." Dabei ist sie ihm zwar auf den Kopf gejumpt, aber körperliche Nähe muss ja nicht zwangsläufig in Einklang mit erotisierendem Körpergefühl stehen. "Äh, Danke." Sagt der "Bachelor".

Auf Instagram verteidigt Janine Christine ihr Geschreibsel übrigens in Küchenspruch-Form. Wir befürchten: Die Gute vertont den Brief demnächst als Ballermann-Song.

3

WER IST RAUS? Eh klar: Yeliz "Steelhammer" Koc. Nadine, die älteste Kandidatin. Die wollte mit dem "Bachelor" tatsächlich ein ernsthaftes Gespräch unter Erwachsenen führen. Blöd nur, weil der lieber mit den angeschickerten Anfang 20Jährigen Pool-Party machen wollte. Und eine Blondine, die wenig gesagt hat. Dabei aber aussah wie eine andere Blondine. Die auch noch nicht viel gesagt hat, aber noch drin ist. Alles klar? Alles klar.

Thema: Der Bachelor