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Der Bachelor: "Vor mir war Schock!"

Nicht schnacken, Zunge in den Nacken. In Folge 7 drechselt der "Bachelor" wieder allen seinen Lappen in den Mund. Bis auf einer. Die spricht von Liebe.


Der Bachelor: "Vor mir war Schock!"

Janine Christin und Carina - der "Bachelor" labert gerade über sein Herz

© RTL

Tiere. Diese feinfühligen Wesen, diese Seismographen nahender Naturkatastrophen. Wie ein lebendes Frühwarnsystem nehmen sie von der Normalität abweichende Vibrationen wahr, noch ehe ein Erdbeben mit seinen Schockwellen ganze Einkaufszentren zu Brösel zerlegt.

Gestern Abend gab es erneut einen Beleg für die Kraft der tierischen Prophezeiung. Kaum rollte der "Bachelor", dieser menschliche Testosteron-Tsunami, auf die Häuser der "Ladys" zu, versuchten die Hunde laut kläffend zu warnen.

Doch die Bacheloreusen, sie verstanden die Botschaft nicht. Und so nahm das Schicksal seinen traurigen Lauf...

Wer gestern mit der Arroganz von sechs überstandenen "Bachelor"-Folgen, die man als stolzer Trash-Krieger für immer als Narben auf seiner Hirnrinde trägt, die siebte Episode einschaltete, bekam erneut eine 12 aufs Schmerzzentrum. Willkommen bei der vorvorletzten Folge von Narziss und Staunemündchen.

Der Bachelor: "Das hier ist kein Drehbuch." Stimmt. Das wäre besser.

Der Bätschman ist traurig. "Mitgenommen" , wie er sagt. Die letzte Nacht der Rosen, sie war ein Schlag ins Gesicht. Härter noch als jener von Yeliz "Steelhammer" Koc. Zwei "Ladys" haben sich freiwillig aus dem Club der anonymen Cocktailkleidchen verabschiedet, ihm gesagt, dass er seine Emotionen, Feelings und Gefühle oder #whatever samt Rosen im "Batida de Coco" ertränken kann.

Das ihm. Dem Mann, dessen strahlende Zähne selbst einer Sonnenfinsternis trotzen. Dessen Blick Frauen mit Vaseline überzieht. Der in seinen Cowboy-Jeans in Texas steht, so breitbeinig, als hätte er sich nicht nur Socken in die Hose gestopft sondern gleich eine Wassergurke.

Jetzt will er zu den Ladys. "Ich muss das Thema anschneiden" . Oder besser: Sich reihum versichern lassen, dass er trotzdem noch das größte Geschenk ist, das Gottoderwerauchimmer jemals aus der Ursuppe geschubst hat - auch wenn er freilich "keine Bestätigung braucht." (Schlimmster Verdacht: Er glaubt das selbst.)

Blöd nur, dass die Bacheloreusen sich lieber weiter mit ihrem Contouring-Set beschäftigen würden und gelangweilt in den Schaukelstühlen wippen, während der "Bachelor" gekränkt mit seiner beleidigten "Och Menno, keine will mit mir schnackseln"-Visage vor sich hinwinselt: "Es geht um meine Gefühle. Mein Herz. Das ist eine ernste Sache." Selbst als er ein Ultimatum stellt ("Wer gehen will, der soll es jetzt sagen!" ), wirft sich keine vor ihm in den Staub und umklammert seine Cowboy-Boots.

Keine? Nun gut. Da wäre noch Janine Christin. Die Frau mit der klitzekleinen Tendenz zum Klammern. Zu viel Selbstachtung ist ihr geringstes Problem. Ihre Rose hat sie nur bekommen, weil Samira sie nicht wollte. Nach diesem Trostpreis, vom "Bachelor" hartnäckig als "Wink des Schicksals" verkauft, wollte sie eigentlich prüfen, ob der Mann noch das ist, was sie eigentlich will. Kaum bittet er Janine Christin zum Einzeldate, knickt sie mit dem Rückgrat eines Egels ein:

Janine Christin:"Ich war schon ein bisschen gekränkt, ne."

Bachelor:"Man fühlt sich wohl bei dir. Körperliche Nähe kommt von deinem Knie."

Ihr wisst es bereits. Es gab bei diesem Date keinen Kuss, nicht mal ein wenig Gelenks-Erotik. Nix. Nada. Niente. Andere Frauen könnten diese Signale lesen wie die "Bild"-Zeitung. Nicht so Janine Christin:"Er hat mir meine Ängste genommen, indem er mir Emotionen gegeben hat. Und Selbstreflektion, wie er mich empfindet."

Seufz. Man möchte zur Entspannung sofort ein paar Äpfel mit Birnen vergleichen. Oder mit dem Kopf gegen die Tischplatte hämmern.

Der Bachelor: "Mir hat noch nie jemand einen Liebesbrief geschrieben." Janine Christin: "Du gibst mir Emotion."

Als weitere zentrale dramaturgische Punkte serviert: Die "Ladys" müssen mit dem "Bachelor" zum Ziplining, also an einem Stahlseil runterrutschen, es gibt viel kreischfrohes "Oh oh oh" und "u uh uh", der Wind kommt auf, am Ende alle runter. Wenig später schickt der Batch die Jessica heim. Sie hat ihn geküsst. Aber sich nicht verliebt. Das kann nicht sein, das muss weg. Der Rauswurf scheint die Jess nicht sonderlich zu interessieren. Sie sagt nur: "Ich wünsche dir viel Glück." In einem Tonfall, der eigentlich meint: "Ja, denn nu prima. Und wo kann ich jetzt die Gage abholen?" (4.000 Euro sind's übrigens). Life is a Cabernet, #havefun .

Papa Svenja schraubt an Autos, der Batchman an der Svenja

Schon stehen die Home-Dates an. Der Besuch bei den Eltern. Jener Moment also, in dem der über Wochen aufgebaute Luxus-Life-Traum in der schneeweißen Raffaello-Villa samt Canapé-Häppchen in Miami auf rustikalen Eichenfurnier-TV-Möbeln und Coppenrath&Wiese-Kost in der deutschen Provinz zerschmettert.

Mörfelden in Hessen. Hier wohnt Svenja mit Papa Stephan und Mama Ulrike. Herrenbesuch gabs noch nie, dementsprechend grimmig schaut Papa Stephan. Als wollte er den kläffenden Hund auf den Batchman jagen. Ihn mit einer Rose peitschen. Mit dem Gewicht seiner Lieblingshantel im nahen Badesee Walldorf versenken. Bis der "Bachelor" über Autos spricht. Ab nun Tauwetter in Mörfelden. Papa Svenja schraubt nämlich gerne an Motoren, 2er BMWs. Der Bachelor fingert zwar vorzugsweise an der Karosserie von Svenja, das verschweigt er aber. "Meinen Segen haste," sagt Papa Svenja und zieht mit dem Haushund Leine.

Der Auftakt für ein wenig FummelFummel auf der Couch, nur leider will die Svenja jetzt lieber reden als schmusen: "Ich hab das Gefühl, dass das was Echtes ist zwischen uns, dass ich gegenseitig was gespürt habe."

"Hm, hm," macht der "Bachelor" und schaut genervt. Vielleicht wird ihm auch nur unter der obligatorischen Fummelschutz-Decke heiß, unter die man in dieser Sendung selbst in geheizten Räumen offenbar schlüpfen muss. Svenja gurrt. “Du musst den Arm um mich legen.” Kurze Baggerschaufel am Rücken, dann sagt der "Bachelor": "Tja, tut mir leid, meine Reise muss weitergehen."

Mama Carina zum Bachelor: "Die Fußstapfen, in die du trittst, sind nicht sehr groß."

Ab nach Recklinghausen, wo Carina bereits in einem Pulli auf ihn wartet, der aussieht, als hätte man dafür eine Eisbärenherde aus Plüsch bei Toys'R'Us geschlachtet. Machen wir es kurz: Der "Bachelor" lässt den Schwiegermutterliebling heraushängen. Ein Arm voll Schnittblumen, die Wiese ist gemäht. "So einen großen Blumenstrauß hab' ich schon lang nicht mehr bekommen," giftet Mama Carina in Richtung Gatte, der den Rest des Tages jetzt besser den Mund hält. Dafür kommt Carinas Mutter in Fahrt, sie plaudert fröhlich aus dem romantischen Bähkästchen der Tochter. Die hatte erst zwei feste Freunde, "die Fußstapfen sind also nicht sehr groß. Das kannste toppen." Der "Bachelor" lächelt selbstgefällig. Klar kann er das toppen. Er trägt immerhin Größe 43.

Nach kurzer Schmuserei auf dem Sofa hängt die Platte des "Bachelors" leider wieder in der unermüdlichen Redundanz-Rille, will er noch mal ausschweifend sein Lieblingsthema "Bist du wegen mir hier oder wegen des Sieges" diskutieren. Danach ist logischerweise so viel sexuelle Spannung in der Luft wie bei "Schwiegertochter gesucht". "Mein Kopf sagt: Ich brauche mehr Zeit. Mein Herz sagt: Da ist Leidenschaft. Mein Bauch sagt: Da stimmt was nicht," analysiert der Bätchman das Date. Versteht ihr nicht? Macht nichts, wir auch nicht.

"Gab es Momente, wo du überlegt hast, sie nach Hause zu schicken?"

Wenden wir uns lieber Janine Christin in ihrem lila verpinselten Heim bei Noderstedt zu. Nach diesem Date braucht es keine Hausmeister-Psychologie, um zu erkennen: Es hat schon seine Gründe, warum diese Frau ihre Würde so schnell ablegt wie andere "Bachelor"-Kandidatinnen das Bikini-Oberteil. Angesichts dieser Familie fällt der Aufbau von Selbstwertgefühl ungefähr so schwer wie die Gebrauchsanleitung eines Ikea-Regals. "Du kennst ihre zickige Seite noch nicht." "Es gibt so Tage, da platzt die wie ein Vulkan." "Die knallt mit der Tür, die macht Drama." Selbst als der "Bachelor" Janine Christins Bruder erzählt, dass seine Schwester nur dank Samiras Abgang über die Resterampe rutschen durfte, reagiert der so: "Das wäre eine gute Partie, die sie mit ihm machen würde. "

Schön, wenn einem die Familie in den Rücken fällt. Zum Glück leidet Janine Christin weiter unter fast schon glückseliger Verblendung: "Den Rückhalt meiner Familie zu bekommen, hat mir gut getan." Geknutscht wird natürlich auch diesmal nicht. Janine Christine hat "zwar daran gedacht." Nur der "Bachelor", der achtet bei ihr penibelst auf Einhaltung der 60 Zentimeter Distanzzone. Sie spricht natürlich weiter von Liebe.

Schockwellen im Sauerland

Was wenig später im Sauerland bei Kristina geschieht? Es wird geküsst. Glauben wir. Leider ist die Erinnerung an dieses Home-Date ein wenig vernebelt, es findet nämlich zu großen Teilen vor dieser Tapete statt:

Liebes RTL. Kann man die Psycho-Tapete bitte einmal komplett sehen? Als hätte Harald Glööckler im Duftkerzenrausch den Wohn-Stylisten gemacht. Oder jemand im LSD-Wahn mit Swarovski-Steinen einen Adventkranz gesteckt, ihn fotografiert, überdimensional ausgedruckt und an die Wand gebracht. Lila. Glitter. Abartig. Weitere Konzentration auf das Gelaber? Unmöglich.

Hangar Games im Leo-Mantel

Patsch. Patsch. Patsch. Wir erwachen aus dem Taumel. War was? Ach ja. Jetzt stehen die verbliebenen Rest-Bacheloreusen mit gepackten Koffern in einer Flughafenhalle. Die finalen "Hangar Games" zur Beschallung von "I have so much love in my heart". Wer jetzt eine Rose bekommt, darf zu den "Dream Dates" nach Vietnam. Kristina und Svenja dürfen. Janine Christin will unbedingt. Carina im Leoparden-Mantel gibt sich indifferent: "Klar wäre es cool, wegzufahren, ins gute Wetter. Aber wenn ich keine Rose bekomme, dann fahre ich eben nach Hause."

Und auf einmal dämmert uns, wer hier in die Fußstapfen von Yeliz, Maxime und Samira treten könnte. Carina. Bist du es? Angetreten, um das Ego des "Bachelors" endgültig auszulöschen? Dann ist uns auch völlig schnuppe, dass du Vietnam mit Venedig verwechselst.Nächste Woche. Same Station, same Wahnsinn.

Apropos: Der schönste Satz des Sendung stammt von Kristinas Mutter, so viel ist sogar durch den Tapeten-Taumel in unser Großhirn gedrungen. Wie sie reagiert habe, als sie von der Teilnahme ihrer Tochter an dieser Show erfuhr? "Vor mir war Schock." Mama Kristina: Wir wissen, was Sie meinen.

Thema: Der Bachelor