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Der Bachelor: "Ich wär lieber da drüben als mit dem da!"

Kultur, Action und Romantik: #not. Die "Dream Dates" des "Bachelors" geraten so handlungsarm wie die Folgen davor. Zum Lachen gab es trotzdem was.

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Der Bachelor: "Ich wär lieber da drüben als mit dem da!"

Carina: "Ich schau mir keine Häuser an. Und Landschaften."

© RTL

Da steht sie nun in diesem Vietnam, das so rein gar nichts mit dem zuvor ergoogelten Venedig zu tun hat. Statt singender Gondoliere hupende Mopeds, statt Frappucchino mufflige Kotzfrucht und dann auch noch: KULTUR!!!

"Das interessiert mich gar nicht. Ich geh auch nicht in Museen," zieht das Dööfchen ein ordentliches Schnöfchen. Blöder Tempel, alte Steine und dann auch noch alles erst halbfertig. "Das wird erst gemacht, oder?" kommentiert sie eine steinerne Buddha-Statue, weil: "Das ist ja noch nicht mal bunt."

Vielleicht sind es nur die Hormone und man darf Carina aus Recklinghausen für ihre geistigen Lücken deshalb auch keinen allzu großen Vorwurf machen. Die ausgefeilten Denkprodukte, das Schwere – es kommt vornehmlich aus Gegenden, in denen die Sonne seltener zu Gast ist. Vielleicht ist es also nur das im feuchtheißen Vietnam ausgespülte Serotonin, das bei ihr einen gewissen Mangel an geistiger Tiefe auslöst...

"Pfoah, ich musste mich zusammenreißen, dass ich nicht laut loslache," harpuniert sie eine buddhistischen Segnung. “Das ist hier aktiv, nicht nur so zum Ankucken? ” Gut, einer geht noch:"Die Tempelnummer, das ist nicht so mein Ding. "

Okay. Wir revidieren. Carinas intellektuelle Aussetzer – es handelt sich dabei nicht um einen zwischenzeitlichen Sonnenschwips. Es ist wohl doch ein Dauerzustand.

Carina mag keine Kultur. Kein Obst. Und keinen "Bachelor".

Nö, man kann wirklich nicht von einem "Dream Date" sprechen, das der "Bachelor" und Carina da in der vorletzten Folge hinter sich bringen müssen. Eher von einem traumatischen Erlebnis. Zumindest für den Bätschman: "Ich werde nie wieder in einen Tempel gehen können, ohne an Carina zu denken."

"Pfuh."

Vielleicht wird das Date ja bei einem Gläschen Versicherungsfachangestelltenkoks ein wenig besser. Hofft zumindest der "Bachelor" und betankt Carina ordentlich mit Prosecco: "Ich weiß, sie hat Gefühle. Sie ist nicht unemotional."

Und Recht hat er. Sie hat Gefühle. Allerdings nicht für den "Bachelor". Sondern für das Partyboot, das plötzlich lärmend vorüberfährt. Der "Bachelor" faselt und faselt, aber Carina hört gar nicht mehr zu. Auf einmal kommt so was wie Leben in ihre Mimik, der Wimpernteppich flattert erstmals begeistert: "Das ist unnormal geil! Die Playlist brauch' ich!" Sie kriegt sich gar nicht mehr ein, ja, sie gibt sogar zu:"Ich wäre lieber da drüben als hier auf dem Boot mit DEM da."

Wahrscheinlich eine weise Eingebung, aber eher hinderlich, um in der Show voran zu kommen. Wir spoilern nicht, wenn wir bereits an dieser Stelle verraten: Carina ist raus.

Pro-Tipp: "Bisschen breiter mit den Beinen!"

Kristina und der Bätschman: "Wie war die Nacht für dich?" - "Ich habe gut geschlafen."

Besser läuft es mit der russischen Nuschelgranate Kristina. Die wähnt sich nach Genuss eines grausig grünen Schlabber-Cocktails bei ihrem "Dream Date" auf einmal in den Armen eines "Gentleman". Der hat freilich bereits anderes im Sinn: "Kristina passt sehr gut in meinen Arm. Jedes Mal, wenn wir uns umarmen, jedes Mal, wenn wir uns küssen, dann kommen zwei Puzzleteile zusammen."

Weil ein Date für das RTL aber nicht einfach nur ein Date sein darf, müssen die beiden vor dem "Puzzlen" noch ein wenig Sport machen. Stand-up Paddling. Gelingt beiden nicht. Zwar mansplained der Bätschman generös seine Schmuddel-Weisheiten ("Bisschen breiter mit den Beinen!") , platscht aber selber dauernd ins Wasser.

Vier Sendeminuten lang dürfen wir zusehen, wie sich die beiden exakt 2,33 Meter vom Strand entfernen, dann beendet das RTL die dilettantische Action-Einlage aus dem Jochen Schweizer-Angebot für Pensionisten und lässt die Puzzleteile wieder busseln.

"Wir liegen hier. Niemand ist hier. Nur das Meer. Und du." Dazu der Kameramann, der Tonmann, der Regie-Assistent, die Visagistin und 3,2 Millionen Zuschauer. Intimität, jeder definiert sie anders. Kristina eben so.

Es wird Abend. Der "Bachelor" steht da in seinem hansaplastfarbenen Gilet und den blitzblauen Hosen, er sieht aus wie aus dem letzten Leitartikel des TCM-Katalogs. "Schön dich wiederzusehen, es kommt mir wie eine Ewigkeit vor, " sagt er (und wir fragen uns, wie lange Kristina eigentlich gebraucht hat, um sich in ihren pinken Schlauchfummel zu schälen).

Und jetzt: Fummelaction.

Ab dann wird im Prinzip durchgängig gefummelt. Man ist so nah dabei, als habe man dem Bätsch und der Kristina eine GoPro-Kamera unters Kinn geschnallt. Hier knutschen nicht nur die Beiden, wir knutschen alle mit. Es ist wie bei einem Autounfall: Man will es nicht sehen. Und kann trotzdem nicht wegschauen. "Willst du bei mir übernachten?," fragt er. "Er muss warten," sagt sie. "Und zwar nicht gerade wenig." Kurz darauf liegt sie mit ihm im Bett.

Brächte in dieser Sendung doch zumindest Irgendeine ein paar Instagramm Würde auf die Waage...

"Voll gut. Voll krass. Voll scheiße." Voll Svenja.

Gut. Ein neuer Morgen. Ein neuer (Hash-)Tag: #Svenja. #Plappermäulchen #famebitch. Die Frau, die beim Sprechen die Mundwinkel so weit nach unten zieht wie Angela Merkel während der GroKo-Sondierung. Und Svenja spricht viel. Sehr viel.

"WiefindestdueineHochzeitamStrand ...meineElternhabennämlichamStrandgeheiratet ... unddasWetterstörtnicht ...wennmanmitjemandemzusammenist ...sokrasswennmanüberlegtwomangeradestehteinfachmalso..."

Schon beginnt die kleine Schwester von Hurrikan Irma über den im Strandschlick der Halong-Bucht aufgestellten Tisch zu toben, als wolle auch die Natur diese Sendung oder zumindest Svenjas Sprechdurchfall verhindern. Es gelingt ihr nicht. Leider. Denn Svenja muss, oh Wunder, doch noch was sagen. Sie pfeffert Karten auf den Tisch: "Eine Sache wollte ich dir mal erzählen..." Wir kürzen ab: Sie war im "Playboy."

Nein! - Doch! - Ohh!

Würde der selige Louis de Funes formulieren. Der "Bachelor" meint: "Respekt." Und frohlockt: "Svenja ist an dem Punkt angekommen, wo man die Hülle fallen lässt!"

Der kleine Schlawiner. Jetzt, wo alle Nerven und Geheimnisse vollständig freipräpariert sind, kann man endlich zum wirklich wichtigen Programmpunkt übergehen: “Ich habe hier eine Situation im Spa geschaffen, mit der wir den Tag ausklingen lassen können” , verbalschwanzelt er, fast will man ihm den Trenz vom Kinn wischen.

Schon flutscht subtil eine Werbeeinschaltung für die längste Praline der Welt ins Bild...

Und guckt mal, da steht See-hekt!

Schnitt. Der nächste Morgen. "Sind sich der Bachelor und Svenja näher gekommen?" spachtelt die enervierend naive Erzählerstimme aus dem Off unverdrossen Schmalz über das Offensichtliche, während die Musik-Redaktion mit einem Einspieler von "Can't keep my hands to myself" hinsichtlich der Knickknack-Spekulation nur wenig im Bereich der Andeutung belassen will.

Genau wie der "Bachelor". "Zwei Leute, die begeistert sind, sich wiederzusehen, haben auch viel Spaß miteinander. War eine super Nacht," ritzt er verbal eine neue Kerbe in den Bettpfosten. Gönnerhafter Nachsetzer: "Das Vergnügen war ganz meinerseits, hö hö."

Spätestens jetzt könnte der 21-Jährigen dämmern, dass ein Lebensarrangement mit dem 32-jährigen Bätschman allerhand sein könnte - aber sicher keine Beziehung auf Augenhöhe. Doch möglicherweise entspricht das sogar Svenjas Vorstellung. "Schmeckt dir der Avocado-Toast? Ich würde dir den auch so machen."

Nach diesem Versprechen darf sie, oh Wunder, eine Runde weiter.

PS.: Carina legt noch einen starken Abgang hin. "Das war ein bisschen verschwendete Zeit hier. Und ich hab' sogar gekündigt für hier. Geil." Ja. Geil. Stell' dir vor, du haust deinen Job hin. Und dann steht da der "Bachelor". Ungeiler geht nicht.

ALERT ALERT: Wer dachte, seine Hirnzellen seien nach acht Folgen "Bachelor" endgültig lädiert – haha! Demnächst startet "Bachelor in Paradise". Teasert das RTL. Der Plot: Ehemalige "Bachelor"-Epigonen werden zur Paarungszeremonie auf eine nicht näher definierte, aber einsame Insel geschickt. Hoffentlich mit einem One-Way-Ticket.

Thema: Der Bachelor

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