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Der Enthüllungsjournalist: "Playboy"-Gründer Hugh Hefner feiert 85. Geburtstag

Bei großen Journalisten denken viele an "Spiegel"-Gründer Rudolf Augstein oder die "Washington Post"-Mitarbeiter, die den Watergate-Skandal aufgedeckt haben. Einer wird gern vergessen, obwohl auch er die Gesellschaft kräftig umgekrempelt hat: Hugh Hefner gehört mit seinem "Playboy" zu den erfolgreichsten, umstrittensten und auf jeden Fall skurrilsten Journalisten des 20. Jahrhunderts. Sein Leben könnte dem eigenen Magazin entsprungen sein. Jetzt wird der Lebemann das, was ihm kaum einer zugetraut hat: 85.


Der Enthüllungsjournalist: "Playboy"-Gründer Hugh Hefner feiert 85. Geburtstag
© Reuters/Fred Prouser

Denn Hefner hat kaum etwas ausgelassen, auch wenn er in sehr geordneten Verhältnissen aufwuchs. Beide Eltern waren Lehrer und der Vater ein Nachkomme von William Bradford (1590-1657), dem Führer der Auswanderer vom Schiff "Mayflower". Der Mann, auf den auch das Erntedankfest in den USA zurückgehen soll, war Puritaner und wollte von Vergnügen wie Tanz und Wirtshaus nichts wissen. Sex außerhalb der Ehe war ebenso Teufelswerk wie der Anblick unbedeckter Körperteile. Und solch ein Mann bekam einen Nachfahren wie Hugh Hefner.

Hefner war schon immer ein Mann, der die Frauen lieber "begreift" als versteht. Er sah sich immer als Ästhet: Was sei denn dran an einer nackten Frau, das sei doch etwas unschuldiges, natürliches und schönes? Und viel zu selten zu sehen in den prüden Vierzigern. Dabei war sein Arbeitgeber, das Herrenmagazin "Esquire", schon weiter als andere und veröffentlichte die heute legendären Pinup-Zeichnungen von Alberto Vargas. Aber Hefner war das nicht genug und als der "Esquire" ihm ein paar Dollar Lohnerhöhung nicht geben wollte, stieg er aus.

Er nahm Kredite auf, belieh seinen Hausrat und fragte seine Mutter um Geld. Im Dezember 1953 kam das erste Heft auf den Markt - ohne Datum, denn eine zweite Ausgabe war fraglich. Aber ihm half das Titelmädchen. Das hatte vier Jahre zuvor ein paar Nacktbilder von sich knipsen lassen, als es noch Norma Jeane Baker hieß. Inzwischen war daraus Marilyn Monroe geworden - und Hefner wurden die Hefte, mit 50 Cent nicht billig, aus den Händen gerissen.

Wer zog sich in den Jahren darauf nicht alles aus für das Hochglanzmagazin mit der Ausklappseite: Jayne Mansfield, Ursula Andress, Kim Basinger, LaToya Jackson, Nancy Sinatra, Katarina Witt und Tanja Szewczenko, Farrah Fawcett und zuletzt sogar Zeichentrickmutter Marge Simpson: So illustre Gestalten die Heftmacher auch für ihre Interviews gewinnen konnten, berühmt wurde der "Playboy" wegen seiner Fotos.

Das wurde auch zum Problem. In dutzenden Ländern, zum Beispiel fast allen muslimischen, ist er bis heute illegal. In der DDR war er als "Schmutz- und Schundliteratur" verboten. In Irland liegt er erst seit 1995 wieder am Kiosk. Auch in den USA bekam Hefner hunderte Anzeigen. Im Juni 1963 wurde er sogar festgenommen, aber zu einer Verurteilung wegen "Obszönität" kam es nicht. Jahrzehntelang blieb Hefner ein Lieblingshassobjekt religiöser Fundamentalisten, rechter Tugendbewahrer und linker Feministen, die moralisierend mit Gerichtsbeschlüssen, Boykottaufrufen, Farbsprays und sogar Molotowcocktails gegen die Nackerten zu Felde zogen.

Doch es blieben genug andere, die das Heft kauften, genauso wie die Kalender, die Videos und was es sonst noch alles gab. Immer mit dem "Bunny", dem Häschen mit der Fliege, das sich auf dem Heck von Sportwagen genau so fand wie auf dem junger Mädchen. Hefner feiert seine Partys, lässt sich mit blutjungen Mädchen sehen und scheint es heftiger zu treiben als der halb so alte Charlie Sheen.

Bis zu einem halben Dutzend Frauen sollen es zuweilen sein, jede könnte locker seine Enkelin sein. Und jetzt will der alte Mann auch noch einmal heiraten, nur ein paar Tage nach seinem 85. Geburtstag. Ist Crystal - Miss Dezember 2009, Körbchengröße D - nun die große Liebe? Auf jeden Fall ist sie 24 und damit nur gut ein Viertel so alt wie ihr Bräutigam.

Doch das Imperium bröckelt, seit nackte Haut im Internet leichter und billiger zu beschauen ist. Hefners Tochter Christie konnte als Chefin nicht verhindern, dass das einstige Flaggschiff Schlagseite bekam und die Auflage einbrach. Seit zwei Jahren gibt es nur noch elf Ausgaben im Jahr. Hefner verkaufte gar sein Anwesen, um Geld locker zu machen. Der "Playboy" ist immer noch eine Institution, aber Anfang April 2011 stand die Aktie bei gerade mal 6,22 Dollar (4,40 Euro) - dafür bekommt man am Kiosk nicht einmal das aktuelle Heft.

(apa/red)