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Der Kaffee-Häferl-Krieg: Warum ist die eigene Tasse im Büro eigentlich so wichtig, fast schon unverzichtbar?

Der ganze Arbeitstag ist verhunzt, wenn man in der Früh das Büro betritt und der Feind alias ArbeitskollegIn aus dem eigenen Kaffee-Häferl trinkt. Warum ist das so?

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Hässliche Tasse
© iStcok/photosmash

Ich hab's ja ehrlich gesagt nie wirklich verstanden, zähle mich mit meinem Unverständnis aber eindeutig zur Minderheit. Und ich habe diesen Fehler auch nur ein einziges Mal gemacht und würde es definitiv NIE WIEDER tun - das Kaffee-Häferl einer Arbeitskollegin ungefragt zu benützen! Das kann böse enden und - samma uns ehrlich - DAS braucht man in der Arbeit ganz bestimmt nicht! Was hat es aber mit dem Phänomen auf sich, seine ganz eigene Bürotasse - mit einer Abbildung von Diddl der Maus oder dem Hochzeitsbild von Harry und Meghan - zu besitzen und so sehr zu lieben, dass man dafür sogar über (Büro-)Leichen gehen würde?

Ein Stück (Porzellan-)Privatheit am Arbeitsplatz

Obwohl es zu der Thematik keine aktuellen Untersuchungen gibt, kann man in diesem Fall auf eine Studie aus den 70er Jahren zurückgreifen, die sehr plausibel klingt. Der Wissenschaftler Matthias Henkel, welch Ironie, untersuchte darin die Trinkkultur am Arbeitsplatz. Er fand heraus, dass immerhin 70 Prozent der StudienteilnehmerInnen eine persönliche Büro-Tasse hatten. Der Tassologe, also Herr Henkel, entdeckte dabei, dass durch das eigene Kaffee-Häferl in der Arbeit so etwas wie "Privatheit" am Arbeitsplatz erschaffen werde. "Die eigene Tasse bietet auf kleinstem Raum die Möglichkeit, Individualität zu demonstrieren", so der Wissenschaftler.

Irgendwie klingt diese Theorie logisch: Menschen verbringen sehr viel Zeit in der Arbeit. Im Prinzip werden sie mit Wildfremden zusammengewürfelt, passen sich an vorherrschende Gegebenheiten an und verrichten ihr Werk anhand von Vorgaben und Zielformulierungen. Da bleibt nur wenig Platz für Individualität. Und auch wenn sich mit der Zeit aus Arbeitsbeziehungen im Optimalfall auch Freundschaften entwickeln, so ist Arbeit eben immer noch Arbeit und kein Ort, an dem sich Menschen so ausleben können, wie es eben abseits der Arbeit möglich ist.

Sich zumindest ein ganz eigenes, persönliches Kaffee-Häferl zuzulegen, das durch den Spruch darauf (der meistens für alle anderen ganz schrecklich und manchmal auch ein bisserl peinlich ist) zeigt, wer man ist, soll dabei behilflich sein, sich in der Arbeit irgendwie auch wie Zuhause zu fühlen. Also Vorsicht beim Öffnen des Geschirrschranks im Büro - der Verlust des heißgeliebten Häferls kann das Böse in deinen ArbeitskollegInnen wecken, denn die Macht ist und bleibt nun mal mit der Tasse!

Thema: Psychologie

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