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Dermatillomanie: Wenn Pickel ausdrücken zur Sucht wird

"Skin Picking" ist eine psychische Erkrankung, bei der Personen süchtig danach sind an ihrer Haut zu kratzen und zu drücken. Dermatillomanie-Betroffene fühlen sich hinterher schlecht und bereuen, was sie getan haben.

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Pickel ausdrücken Sucht

Betroffene verbringen teilweise Stunden vor dem Spiegel.

© istockphoto.com

Hin und wieder einen Pickel auszudrücken ist völlig normal, doch was, wenn man nicht mehr aufhören kann? Wenn man plötzlich in eine Art Trance verfällt und versucht jede Pore zu bearbeiten? Das krankhafte ausdrücken von Pickel, das sogenannte "Skin Picking", ist eine psychische Erkrankung und etwa mit Nägelkauen vergleichbar. Nach Schätzungen leiden ca. 5% der Bevölkerung daran. Dabei gehen die Betroffenen weit über "nur mal einen Pickel" ausdrücken hinaus. Beim "Skin Picking" verbringen die Süchtigen oft stundenlang vor dem Spiegel und können nicht aufhören ihre Haut zu bearbeiten.

Dermatillomanie - Was ist das?

Skin Picking Disorder ist eine Impulskontrollstörung und beschreibt eine Erkrankung, die durch ein wiederholtes Berühren, Quetschen und Kratzen von bestimmten Hautstellen aufgrund eines unwiderstehlichen Drangs erfolgt. Im deutschen Sprachraum ist der Fachbegriff Dermatillomanie üblich. Während Dermatillomanie-Patienten ihre Haut bearbeiten, spüren sie ein Gefühl von Befriedigung oder Entspannung. Viele verfallen in eine Art Trance-Zustand. Nach dem "Bearbeiten" der Haut ist die Haut häufig von offenen Stellen und Schwellungen gekennzeichnet. Darauf folgen Scham- und Schuldgefühle.

Diese psychische Erkrankung ist aber nicht neu: Bereits im Jahre 1875 sprach zum ersten Mal der englische Arzt Sir Erasmus Wilson von "neurotic excoriation". In Frankreich wurde zudem beobachtet, dass vor allem junge Mädchen im Pubertätsalter an dieser Erkrankung leiden. Bisher ist "Skin Picking" nur recht wenig erforscht. Statistiken, empirische Daten und Zahlen sind noch rar. Außerdem liegen noch keine einheitlichen Kriterien vor, um genau feststellen zu können, wann jemand unter "Skin Picking" leidet und wann nicht.

Nach bisherigem Forschungsstand überwiegen unter den Betroffenen die Frauen. Je nach Untersuchung beträgt der Frauenanteil zwischen 60 und 90 %. Es ist allerdings nicht ausgeschlossen, dass der Männeranteil unterschätzt wird, da Männer im Allgemeinen seltener psychologische Hilfe in Anspruch nehmen als Frauen.


Die Folgen von "Skin Picking"

Da die Betroffenen ihre Haut mit den Fingern aber auch mit Pinzetten oder Nadeln bearbeiten, können Wunden und Narben entstehen. Wie lange und wie häufig die betroffenen Personen ihre Pickel, Härchen oder Krusten bearbeiten ist völlig unterschiedlich. Manche machen es täglich nur wenige Minuten, andere unregelmäßig und dafür dann mehrere Stunden. Häufig können die bearbeiteten Hautstellen im Gesicht, am Dekolleté oder anderen Körperregionen aber nicht verheilen, weil immer weiter daran gekratzt und gedrückt wird. Dadurch entstehen Entzündungen und in weiterer Folge Narben. Dermatillomanie-Patienten bereuen hinterher was sie gemacht haben und schämen sich dafür. Sie decken die Stellen mit Make-up ab oder vermeiden den Kontakt zu anderen. Dieses Verhalten kann zu einem Verlust an Lebensqualität führen.

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Wie kann man "Skin Picking" stoppen?

Dermatillomanie-Betroffene nehmen sich zwar immer wieder vor, endlich damit aufzuhören, schaffen es dann aber doch nicht - wie bei jeder anderen Sucht. Auch wenn die Erkrankung Dermatillomanie erst wenig erforscht ist, so gibt es diverse Therapiemöglichkeiten, um das "Skin Picking" zu stoppen. Am besten sprichst du in erster Linie mit deinem Hausarzt. Dieser kann dich an die zuständige Fachperson verweisen.

Thema: Psychologie