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Design aus Österreich: Evelyn Z.

Wir baten die erfahrene Designerin Evelyn Mitschka (62) zum Interview und sprachen mit ihr über die Aussprache von Modeaccessoires in sehr jungen Kinderjahren, den typischen Arbeitstag einer österreichischen Kreativen sowie Modesünden bei 50 plus.

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Evelyn Z.
© Evelyn Z.

Bevor Evelyn Mitschka tatsächlich den Weg des Modedesigns einschlug, hatte das Leben noch einiges anderes mit ihr vor: In jungen Jahren machte sie Karriere als internationales Model, später wurde sie Chefvisagistin bei Max Faktor und Helena Rubinstein und schließlich gründete sie ihr eigenes Label: "Evelyn Z.“ - wobei das Z für ihren Mädchennamen Zelinsky steht - mit einer eigenen Boutique im ersten Wiener Bezirk. Die Erfahrung lehrte sie auf Qualität zu setzen und dies spiegelt sich nun in ihren Kreationen wider. Ebenso wie die Vielfältigkeit, lassen sich die neuen Modelle ihrer Kollektion doch auf unzählige verschiedene Arten tragen.
Wir wollten mehr wissen und baten die Designerin uns ein paar Fragen zu beantworten:

WOMAN: In welchem Alter hast du begonnen, dich für Mode zu interessieren? Und gab es vielleicht einen bestimmten Anlass dazu?
Evelyn: Von Anfang an. Jedes kleine Mädchen interessiert sich früher oder später für seine visuelle Wirkung. In meinem Fall lässt sich der Beginn meiner Faszination relativ genau fixieren – es waren die roten „Öckl Uh-Uh“ meiner Mutter, mit denen ich durch die Wohnung stolperte. Wahrscheinlich ist man so um die zwei, wenn man zu Stöckelschuhen „Öckl Uh-Uh“ sagt.
Ein bestimmenderer Anlass war das Opernballkleid, welches ich für Frau Minister L. entwarf. Mein Vater war in ihrem Büro Sektionschef. Sie hatte den Mut, in einer Robe - entworfen und genäht von einer 16-jährigen Modeschülerin - über die Feststiege zu schreiten.

WOMAN: Was ist Mode für dich?
Evelyn: Alles ist Mode. Karlsplatz-Look oder Opernball. Obwohl die Dresscodes auf der Straße wahrscheinlich strenger sind als im Establishment. Du bist, was du trägst. Nichts kann die spontane Bewertung einer Person stärker beeinflussen, als das Outfit.
Mode beginnt für mich bei der Tragbarkeit. Die Verkleidungsorgien und Proportionsverstöße auf den internationalen Runways, die höchstens bei den Abschlussfeiern von Modeschulen Resonanz finden, sind für mich nicht Mode, sondern Entertainment für den Boulevard.

Evelyn Z.

WOMAN: Wie würdest du bisher deine Reise durch die Modewelt beschreiben?
Evelyn: Geradelinig und überschaubar: Modeschule in Wien – Hausmannequin bei Adlmüller – internationales Model über vier Jahre lang – Chefkosmetikerin bei Max Faktor – in gleicher Position bei Helena Rubinstein – Eröffnung meiner ersten Boutique in Wien mit Nina Ricci-Mode – langsame Ablösung von Paris und Ersatz durch eigenes Design unter dem Namen „EVELYN Z.“- Ausbau meines persönlichen Modenetzwerks vor allem in Italien.

WOMAN: Was hat dich zu deiner aktuellen Kollektion inspiriert?
Evelyn: Bei mir gibt es keine „aktuelle Kollektion“, sondern ein fließendes Ablösen, Ergänzen, Aktualisieren. Im Moment liegt der Schwerpunkt bei Variationen mit speziell für mich eingefärbten toskanischen Transparentstoffen.

WOMAN: Welche Persönlichkeit würdest du gerne in deiner Kollektion sehen
Evelyn: Ich sehe sie täglich. ;-)

WOMAN: Was sind deine aktuellen Pläne und Ziele?
Evelyn: Der systematische Ausbau meiner „VARIATION Z.“ im deutschsprachigen Raum. Die Reduzierung meiner Position als Verkäuferin zugunsten der als Designerin.

WOMAN: Wo warst du vor 5 Jahren? Wo siehst du dich in 5 Jahren?
Evelyn: Vor 5 Jahren: In meiner Boutique. In 5 Jahren: Die Beibehaltung der Einstellung unserer Regierung den Kleinunternehmen gegenüber vorausgesetzt, in einem Sanatorium.

WOMAN: Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?
Evelyn: Beim Frühstück am Handy mit den Krankmeldungen der Belegschaft jonglieren, in der Boutique nach Durchsicht der Mails und Nachrichten, mit den Wünschen der Lieferanten und Kundinnen jonglieren, im Verkauf aushelfen, zwischendurch Ideen skizzieren, beim Abendessen Mann und Katze mit meinen Geschichten langweilen, im Bett Ideen skizzieren.

WOMAN: Gibt es etwas in der Modewelt, dass dir nicht gefällt?
Evelyn: Mein Gott... schulterfreie Abendkleider bei 50 plus, der Promi-Schal bei Männern 50 plus, zu eng, zu bunt, zu hoch oder tief, freiwilliger Verzicht auf Qualität.

Evelyn Z.

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