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Gamer-Szene: Diese Plakate sorgten für einen Shitstorm

BesucherInnen haben auf der Gamer-Konferenz Devcom Plakate einer Online-Spieleseite entdeckt, die ziemlich sexistisch gegenüber Männern sind. Warum das die besonderen Probleme der Gamerszene beleuchtet:

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© 2018 Getty Images

Im Jahr 2018 ist dem Großteil der Bevölkerung klar, dass Gaming, also Computer- und Konsolenspielen, als Profession gesehen werden kann. Dabie werden nach wie vor allerhand Stereotype reproduziert. Diese Klischees werden nicht zuletzt durch Serien wie "The Big Bang Theory", in denen Nerds teils als sexistische Männer rüber kommen, denen man das aber irgendwie nicht krumm nehmen soll. Und auch wenn viele der Protagonisten nicht in diese Schiene fallen, hat die Gamerszene durchaus ein Problem mit Sexismus im Arbeitsumfeld, im Netz und auch auf großen Szene-Events. Und manchmal ist dieser Sexismus gegen die Männer selbst gerichtet.

So entdeckten aufmerksame BesucherInnen auf der Devcom, die vom 19. bis 20. August in Köln stattfand, zweideutige Plakate von einem der Sponsoren des Events. Die Devcom ist eine mehrtägige Konferenz für SpieleerfinderInnen im Bereich Computer- und Konsolenspiele. Neue Games werden vorgestellt, es wird Networking betrieben und potentielle MitarbeiterInnen werden gescoutet. Und auf letzteres wollten wohl auch die Plakate von Nutaku, einem Anbieter für erotische Onlinespiele, abzielen:

Das Ziel der Kampagne ist es, SpieleentwicklerInnen zum Stand von Nutaku zu locken und sie für eine Zusammenarbeit zu interessieren. An sich keine schlechte Sache, doch unterschieden sich die Plakate im Männer- und Frauenklo extrem voneinander. Im Frauenklo zeigt sich die Anzeige von einer ernsten Seite und wirbt damit, mehr Spiele für Frauen von Frauen produzieren lassen zu wollen. Im Männerklo jedoch werden die männlichen Spieleentwickler mit übersexualisierten Manga-Figuren und anrüchigen Witzen gelockt. "Du bist so gut mit nur einer Hand!" , sagt das eine Plakat und "Nicht schlecht.. aber er kann es nicht mit einem 10-Millionen-Euro-Fond aufnehmen!" , das andere, wobei sich das "er" auf das beste Stück der Gamer bezieht.

Nur weil's lustig ist, kann es trotzdem sexistisch sein.

Twitter-UserInnen beklagten sich über die stereotype Darstellung von Gamern. Daraufhin äußerte sich die Devcom zum Eklat und schrieb, dass sie das Gespräch mit Nutaku gesucht hätten und im Endeffekt alles okay sei. Man stehe weiterhin für Inklusion und Diversität, so die Veranstalter. Dieser Miniskandal mag nur einen winzigen Teil der allgemeinen Bevölkerung betreffen und vielen werden die Plakate wohl gar nicht aufgefallen sein. Wahrscheinlich haben sich manche Männer auch (zu Recht) über die ironisch gemeinte Wortwahl amüsiert. Doch das ist das große Problem mit dieser Form des Sexismus: Humor wird genutzt, um wirklich unakzeptable Inhalte zu legitimieren. Indem die Firma, die ihr Geld mit übersexualisierten Inhalten verdient, sich selbst auf solchen Plakaten veräppelt, nimmt sie der Kritik ja automatisch den Wind aus den Segeln.

Doch was die BesucherInnen noch mehr stört, ist die Tatsache, dass sich die Plakate im Ton und in der Message so stark unterscheiden. "Nachdem ich die Plakate im Frauenklo gesehen habe, dachte ich schon, dass diese Firma zu den Good Guys gehört" , schreibt eine Userin auf Twitter. Und eine andere fügt hinzu: "Glauben die wirklich, dass Frauen und Männer nicht miteinander sprechen? Das macht mich echt wütend" . Diese Geschichte zeigt, dass Menschen einfach nicht gern hinters Licht geführt werden, selbst wenn sich die Marketingstrategie offensichtlich an der Zielgruppe orientiert hat.

Themen: Feminismus,