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Die 7 größten Jobsünden

Du glaubst, du bist ein guter Mitarbeiter, weil du krank im Büro erscheinst und Mails selbst am Wochenende oder im Urlaub checkst? Falsch! Wir decken die größten Karriereirrtümer auf.


Die 7 größten Jobsünden
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Ehrgeizig erledigen emsige Mitarbeiter auch gleich die Arbeit vom Bürokollegen mit. Motiviert mailen und telefonieren sie im Urlaub. Bemüht wollen sie auch mit Fieber oder Magen-Darm-Virus Höchstleistungen erzielen. Was nach vermeintlich ambitionierten Angestellten klingt, schadet jedoch dem eigenen Karriereweg. Businesscoach Mariella Bruckner ( www.dietrainerin.net ) und Christa Kirchmair, Expertin für Gesundheitsprävention ( www.covafit.com ) sowie im Vorstand von BPW Austria (Business Professional Women), klären auf! Und sagen, wie du es in Zukunft besser machst …

1. Krank im Büro.

Präsentismus lautet die neue Office-Krankheit. Und wer mit 40 Grad Fieber am Arbeitsplatz auftaucht, ist am besten Weg dorthin. Dabei kostet die Dauer-Anwesenheit dem Unternehmen mehr, als wenn Mitarbeiter sich zuhause auskurieren würden: Wer krank ist, kann sich schlechter konzentrieren und macht mehr Fehler. Eine amerikanische Studie zeigt außerdem, dass der Produktivitätsverlust durch kränkelnde Angestellte – etwa durch resultierende chronische Beschwerden und spätere Folgeerkrankungen – dreimal so hoch ist wie unternehmerische Einbußen durch Krankenstände. Karrierecoach Mariella Bruckner hält fest: "Engagement in allen Ehren, doch Krankheit ist ein deutliches Signal des Körpers, wieder auf sich zu schauen. Achtsamkeit sich selbst gegenüber gilt als Garant für ein langes gesundes Leben. Davon profitiert schlussendlich auch der Arbeitgeber."

2. Essen am Schreibtisch.

Christa Kirchmair, Gesundheitsexpertin, rät: "Alles zu seiner Zeit. Widmen Sie sich zu 100 Prozent dem Essen ohne Ablenkung, und kauen Sie Ihre Nahrung sorgfältig." Außerdem: Personen, die während des Essens am Computer arbeiten, nehmen im Durchschnitt täglich 125 Kalorien mehr zu sich, weil sie weniger drauf achten, wann sie satt sind. "Genießen Sie Ihr Essen, und verzichten Sie keinesfalls auf die wertvolle Energie für zukünftige Aufgaben", so Mariella Bruckner, "zumindest 15 Minuten müssen Sie sich dafür freischaufeln können."

3. Ständig in Bereitschaft – abends, am Wochenende, im Urlaub.

Du kannst es einfach nicht lassen – für die Firma bist du immer erreichbar, selbst abends, am Wochenende oder im wohlverdienten Urlaub? Eine weltweite Umfrage des Karriereportals Monster ergab, dass rund 25 Prozent aller Arbeitnehmer im Urlaub E-Mails lesen und die Mobilbox abhören. Christa Kirchmair dazu: "Ein paar freie Tage sind definierte Zeit zum Abschalten. Nur das wirkt der Erschöpfung entgegen. Planen Sie Ihre Ferien zeitgerecht, und übergeben Sie die Aufgaben in Ruhe, so können Sie die Freizeit auch genießen." Das unterschreibt auch Business-Coach Bruckner: "Arbeit an Kollegen zu delegieren signalisiert Anerkennung und Wertschätzung. Nur wer einen Wechsel zwischen anstrengender Aktivität und erholsamer Ruhe herstellt, arbeitet effizient." Unser Gehirn braucht den Offline-Modus. Neue Impressionen sorgen für kreative Ideen.

4. Die Arbeit der Kollegen wird unaufgefordert miterledigt.

Vorsicht: Wenn du ständig die Arbeit deiner Kollegen miterledigst, kann das ein negatives Licht auf dich werfen. Kirchmair erklärt: "Es wirkt, als wären Sie mit Ihrer Arbeit nicht ausgelastet, wenn Sie sich ständig in fremde Angelegenheiten einmischen. Sollte das tatsächlich so sein, reden Sie mit Ihrem Chef, machen Sie eine Weiterbildung, oder engagieren Sie sich ehrenamtlich." In den vergangenen Jahren sind Ausfallzeiten aufgrund von psychischen Erkrankungen um 50 Prozent gestiegen. Grund dafür: Viele muten sich zu viel zu. Mariella Bruckner warnt: "Der Arbeits-Adrenalinkick macht süchtig. Engagement zahlt sich zwar aus, jedoch müssen Sie Ihre Kollegen und deren Grenzen respektieren. Vertrauen Sie, und lassen Sie den anderen Zeit und Raum."

5. Gehaltsforderungen werden auf die lange Bank geschoben.

Anstatt sich nach einer Lohnerhöhung zu erkundigen, wartest du lieber, bis dein Boss dich mit einer Prämie belohnt? Falsch! Zeige Eigeninitiative! Christa Kirchmair von BPW Austria weiß: "Der Wert Ihrer Arbeit drückt sich nicht zuletzt im entsprechenden Gehalt aus. Sie sollten im Auge behalten, ob Sie fair und leistungsgerecht entlohnt werden. Auf ein angemessenes Gehalt zu verzichten, könnte als Verhandlungsschwäche ausgelegt werden." Außerdem fügt Mariella Bruckner hinzu: "Recherchieren Sie Ihren eigenen Marktwert, und schildern Sie Ihre Leistungen selbstbewusst im bestmöglichen Licht. Führen Sie ein Gespräch auf Augenhöhe, und zeigen Sie sich flexibel."

6. Vom Knopfannähen bis zum Beziehungsgespräch – Sie sind Ansprechpartnerin Nummer eins.

Wer zwischenmenschliche Beziehungen am Arbeitsplatz pflegt, der beweist Kontaktfreudigkeit und soziale Kompetenz. Anderen zu helfen ist ein guter Charakterzug – solange du dabei nicht zu kurz kommst. Gesundheitsratgeberin Christa Kirchmair bemerkt: "Achten Sie besonders am Arbeitsplatz auf ein ausgeglichenes Verhältnis von Geben und Nehmen, und vernachlässigen Sie dabei nicht Ihre Kernaufgaben." Kommunikationscoach Mariella Bruckner fordert zu mehr Selbstachtung auf: "Setzen Sie aktiv Grenzen, und schaffen Sie Freiräume. Und vertrauen Sie darauf, dass Sie bei einem klaren Nein die Wertschätzung Ihrer Mitmenschen behalten."

7. Konflikte werden vermieden, es wird sich schon alles in Wohlgefallen auflösen.

Nur ja nicht ungut auffallen, einmal tief durchatmen, weiter geht’s! Das mag in manchen Situationen die bessere Wahl sein, aber eben nicht immer! Kirchmair: "Wenn Sie Ärger loswerden möchten, tun Sie das so bald wie möglich. Wählen Sie einen ruhigen Moment, um mit der betreffenden Person persönlich zu sprechen – sagen Sie, was Sie gestört hat, und erklären Sie, warum. E-Mails sind in diesem Fall keine gute Idee." Mariella Bruckner plädiert für Psychohygiene: "Behandeln Sie Ihre Kollegen nicht wie Porzellanfiguren, sondern wie muündige Gesprächspartner. So bleiben Sie langfristig authentisch und glaubwürdig."

Redaktion: Melanie Zingl