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Die erste Antibabypille für jeden Tag: So wirkt die Pille mit körpereigenem Östrogen

Seit Mitte Mai gibt es die erste Pille mit einem körpereigenen Östrogen. Wir haben zwei Ärzte gefragt, was wir uns von dieser Novität erwarten dürfen.


Die erste Antibabypille für jeden Tag: So wirkt die Pille mit körpereigenem Östrogen
© APA/DPA/Schneider

Die Pille ist die Verhütungsmethode Nummer eins in Österreich: Zwei von fünf Frauen wirken so einer ungewollten Schwangerschaft entgegen. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Sie ist einfach zu nehmen, zuverlässig und jederzeit absetzbar. Seit drei Wochen ist nun ein neues Modell auf dem Markt: Qlaira ist die erste Antibabypille mit einem Östrogen, das ident mit jenem ist, das der Körper selbst produziert. Zwei Experten verraten, was sich dadurch für Frauen ändert: Dr. Claudia Linemayr-Wagner, Gynäkologin und Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung, und Prof. Ludwig Wildt, Direktor der Universitätsklinik für gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, Abteilung Frauenheilkunde der Medizinischen Uni Innsbruck.

1. Wirkstoffe
Die neue Pille arbeitet mit bioidenten Hormonen. Das bedeutet, dass die chemische Struktur mit jener der körpereigenen Hormone übereinstimmt. Die Pillengenerationen bisher enthielten ein Östrogen, das sich von der natürlichen Zusammensetzung unterschieden hat. Dr. Linemayr-Wagner: "Die neue Pille wird deshalb besser vertragen." Das verwendete Östrogen Estradiolvalerat wird schon in der Hormonersatz- therapie erfolgreich eingesetzt. Warum es so lange gedauert hat, bis es für ein orales Verhütungsmittel verwendet wurde, erklärt Prof. Wildt: "Es wurde in Studien immer mit einer konstanten Dosis gearbeitet, und das führt zu Zwischenblutungen. Durch eine Abstufung der Hormondosis, angepasst an den Zyklus der Frau, konnte dieses Problem beseitigt werden."

2. Einnahme
Im Unterschied zu vielen anderen Pillen, bei denen auf 21 Tage immer eine Woche Pause folgt, wird die neue Pille durchgehend genommen. Dr. Linemayr-Wagner: "So ist die Sicherheit höher, es entstehen weniger Einnahmefehler."

3. Dosierung
Die neue Pille ist erstmals in vier Phasen unterteilt: Während die Dosis des Östrogens am Anfang hoch ist und step by step sinkt, wird der Anteil des Gelbkörperhormons angehoben. Zum Abschluss machen zwei Placebo-Tabletten den 28-Tage-Rhythmus komplett. Der Vorteil des Systems laut Dr. Linemayr-Wagner: "Es werden immer nur so viele Hormone geschluckt wie gerade notwendig." Für die Anwenderin ist das kompliziert wirkende Einnahmeschema kein Problem, da man einfach immer zur nächsten Tablette im Blister greift. Farbmarkierungen weisen auf den unterschiedlichen Hormongehalt hin.

4. Nebenwirkungen
Auch diese Pille kann klassische Beschwerden wie Kopfschmerzen, Übelkeit oder etwa das Ausbleiben der Periode verursachen. Dennoch birgt die Neue einige positive Effekte, so Dr. Linemayr-Wagner: "Die Blutungen werden schwächer, was für viele eine Erleichterung ist, das Hautbild verbessert sich, und: Sie hat keine Auswirkungen auf das Körpergewicht." Bisherige Studien haben noch ganz andere Hoffnungen geweckt, erklärt Prof Wildt: "Bis dato konnten kaum Aus-wirkungen auf die Blutgerinnung gemessen werden - ob die Pille deswegen einmal Frauen mit erhöhter Thrombosegefahr verschrieben werden kann, wird sich allerdings erst zeigen. Da fehlen noch Studien." Eva Jankl

Redaktion: Eva Jankl