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Die Dos and Don’ts für geglücktes Kennen lernen und aufregende Partnerschaft

Worauf schauen Frauen beim Mann zuerst? Wie wichtig ist es, dass ein Mann Gefühle zeigt? Denken Damen tatsächlich bereits beim ersten Date über gemeinsame Kinder nach?

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Die Dos and Don’ts für geglücktes Kennen lernen und aufregende Partnerschaft
© Roland Unger

Beim ersten Treffen einen guten Eindruck zu machen und eine Beziehung auch halten zu können ist für die Herren der Schöpfung durchaus eine große Herausforderung. „Die Männer kommen entweder vor der ersten Verabredung oder nach einer Trennung zu mir“, resümiert Mentalcoach und Studienleiter Roman Braun, 50, aus Hunderten Beratungen und fügt hinzu, „die zentrale Frage ist: Was mache ich, um eine oder meine Frau für mich zu interessieren?“ Diese Unsicherheit rund um Partnerschaft hat den weltweit gefragten Berater zu einer Umfrage motiviert. Aus dieser hat er 100 Dinge identifiziert (The Best Of finden Sie in WOMAN 11/2011) , die Frauen an Männern sexy finden. Und fest gestellt, dass die Prinzipien beim erfolgreichen Pick-Up ähnlich sind wie in der Partnerschaft.

WOMAN: Herr Braun, wer ist sexy?

Braun: Jemand, der ein aufregendes Leben führt. Jemand, der diesen Abenteuerteil, den wir alle in uns haben, aus der Pubertät herausgerettet hat. Diese Musen-Energie, wie ich sie nenne, nicht im Keller einsperrt, sondern ab und zu wirken lässt. Von diesem Menschen ist zu erwarten, dass man mit ihm gemeinsam spannende Dinge erleben wird.

WOMAN: Sie haben hundert Dinge identifiziert, die Frauen an Männern sexy finden – wie kamen Sie auf die Idee?

Braun: Rund um Partnerschaft, und zwar in jeder Phase der Beziehung, gibt es immens großes Leiden. Wenn man jemanden kennen lernen will, in der Begegnungsphase, mittendrin und kurz vor oder nach einer Trennung – die Leute fragen sich ständig: Wie soll ich sein? Wie soll Partnerschaft funktionieren? Was soll ich machen? Ein guter Teil der Verunsicherung rührt aus kulturellen Erwartungen und Partnerschafts-Klischees.

WOMAN: Erklären Sie uns das bitte.

Braun: Zu einem guten Teil hängt’s an der kulturellen Trance Induktion, die wir laufend bekommen. Diese Einsagungen – also Sätze und Bilder, die wir durch Werbespots, Plakate, Filme, Popsongs suggeriert bekommen: wie man funktionieren soll, wie Beziehung läuft oder wie Erziehung zu sein hat. Wir bilden uns oft ein, wir sind immer wach unterwegs. Dabei sind gute Werbung oder ein guter Film die ganze Zeit über Hypnose. Das muss uns klar sein! Zum anderen spielt Sexualität eine große Rolle. Sie ist der Motor unserer ganzen Bindungsfähigkeit. Am Anfang der Beziehung haben wir guten Sex. Mit der Zeit wird er clean und straight und verändert sich meist so weit, dass man sich vorher erst das gegenseitige Einverständnis holt. Nach dem Motto: ,Was meinst Du, Schatz, ist heute ein guter Tag dafür?’ Und die Antwort ist: ,Ja, lass es uns doch machen.’ Aber das muss nicht sein, wenn man – und nun komme ich zum Wesentlichen – imstande ist zu verführen! Ganz wichtig: Die Verführung beginnt zuerst bei einem selbst!

WOMAN: Was genau verstehen Sie darunter?

Braun: Ich muss zuerst mal auf mich schauen. Darauf, was mir Spaß macht, was ich spannend und anregend finde. Diese Prinzipien gelten sowohl fürs Kennen lernen als auch für die gelungene Beziehung. Zum Beispiel kommen viele Männer zu mir, die ein Problem damit haben, Frauen anzusprechen. Die wollen dann alle wissen: ,Was ist ein guter Eröffnungssatz? Was finden Frauen unterhaltsam?’ Das ist einfach die falsche Frage. Denn der Mann sollte etwas sagen, das ihn interessiert. Damit ist für die Frau klar: Den muss ich nicht unterhalten, der hat selber Spaß. Er kommt möglicherweise aus einer anregenden Familie, hat einen erfüllenden – ist also interessant.

WOMAN: Sind Authentizität und Ehrlichkeit demnach ein Schlüssel für Sexiness?

Braun: Ja, völlig richtig. Vor allem Frauen haben ein Radar dafür, ob’s passt und stimmig ist, oder nicht. Dieser Kongruenzcheck findet in den ersten zehn Minuten statt. Und viel wichtiger was er spricht, ist wie er spricht, also seine Mimik und Körpersprache.

WOMAN: Wie essenziell ist gutes Küssen?

Braun (lacht) : Oh, sehr. Der Kuss ist einer der wichtigsten Tests: Er muss angriffig sein, aber nicht zu brutal. Er muss Selbstausdruck beinhalten, soll aber auch gefühlvoll genug sein, um auf die Frau einzugehen. Im guten Kuss sind alle Ansprüche der Frauen vereinbart: Der Mann soll aggressiv sein, aber Kultur genug haben, um diese zu zähmen. Er soll Sexappetit haben, aber genügen Loyalität und Treue, um bei der Auserwählten zu blieben. Und er soll vermitteln können, warum die Auserwählte aus der Menge hervorsticht.

WOMAN: Was wäre ein absolutes No-Go?

Braun: Es gibt drei so genannte Ausschlusskriterien: Bauch, Asymmetrie in Mimik und Körperhaltung und schlechter Geruch.

WOMAN: Böse formuliert: Findet ein dicker, übel riechender und ungleichförmiger Mann keine Frau?

Braun (lacht) : Schon, aber er wird keine große Auswahl haben. Allerdings kann man einiges ja durch andere Qualitäten wettmachen. Und dem Mann kommt zugute, dass Frauen aufgrund des Östrogens, das eher selbstwert dämmend wirkt, ihre Chancen schlechter einschätzen, als sie tatsächlich sind und daher auch diesen Mann nehmen.

WOMAN: Sie haben gesagt, für Beziehung gelten dieselben Kriterien wie fürs Kennenlernen – finden in einer glücklichen Partnerschaft Mann und Frau einander also sexy?

Braun: Wesentlicher ist, dass das, was zwischen den beiden passiert, sexy ist. Also diese Verführung, diese Ideen, die eingestreut werden, das immer wieder Neue. Verführung ist heute toll. Macht man sie morgen genauso, ist es noch ok. Übermorgen ist sie dann Routine und uninteressant. Beziehung wird also entweder besser oder beendet. Das heißt: ich selbst muss permanent neue Ufer betreten, bei mir muss meine Kreativität aktiv sein. Von dort aus schau ich jemanden an, krieg nochmal neue Impulse, setze die dann um und lebe sie aus. Das gibt insgesamt einen tollen Hormonspiegel!

WOMAN: Kann man sexy sein lernen?

Braun: Es gilt, diesen Abenteuerteil, den jeder in sich hat, wiederzuentdecken und zu aktivieren. Wer nicht in der Lage ist, sein eigenes Leben aufregend und interessant zu gestalten, wird es auch in der Beziehung schaffen. Der Impuls dafür kann ein Buch oder ein Zeitungsartikel sein, den man liest. Auch Schicksalsschläge oder Krisen. Man muss einfach etwas wirklich Neues beginnen, eine Grenze überschreiten.

WOMAN: Zum Beispiel?

Braun: Einfache Dinge, zum Beispiel einmal in einer Karaoke-Bar singen. Oder mit einem fremdem Menschen ein Gespräch führen. Oder eine Woche lang jeden Tag einen anderen Weg zu Fuß in die Arbeit gehen. Danach ist man nicht mehr derselbe, man hat garantiert irgendetwas gelernt.

WOMAN: Ihre Tipps für eine glückliche aufregende Partnerschaft?

Braun: Der Satz: Sei mit der gleichen Einstellung in deiner zehnjährigen Beziehung, wie Du’s am Anfang beim Kennen lernen warst. Vermeide Routine, sorge dafür dass du aufregend bleibst, entwickle dich weiter. So kann man sich auch von dieser Idee verabschieden, dass der Partner für die Zufriedenheit und das Glück zuständig ist. Dieses Modell ist sehr hinderlich. Eine wichtige Erkenntnis wäre: Wir sind diese Liebe und das Begehren, die wir für den anderen empfinden. Nicht der andere, sondern wir selbst sind die Ursache.

LESEN Sie das Best of der 100 Dinge, die wir an Männern sexy finden, in WOMAN 11/2011!