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Die Eltern meines Freundes mischen sich ständig bei uns ein

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Die Eltern meines Freundes mischen sich ständig bei uns ein
© istockphoto.com

Mein Freund (38) und ich (27) sind seit sechs Jahren zusammen. Seine Eltern mischen sich immer wieder ein und sagen uns, was wir tun sollen – ein Haus bauen, zusammenziehen, Kinder kriegen. Ich finde, das sind unsere Angelegenheiten. Mein Freund traut sich allerdings nicht, gegen seine Eltern anzukämpfen, schon gar nicht gegen seinen Vater. Der ist sehr dominant. Ich finde, mir steht es nicht zu, mit seinen Eltern zu streiten. Aber er sollte mich verteidigen, wenn sie meine Wünsche nicht gelten lassen wollen. Mein Freund arbeitet im Betrieb seines Vaters. Auch meine Schwiegermutter und die Schwester meines Freundes arbeiten dort. Er soll den Betrieb übernehmen, aber erst, wenn wir Kinder haben. Reden wollen meine Schwiegereltern mit mir nicht. Das haben sie mir ausdrücklich gesagt. Mein Freund hält eher zu seinen Eltern als zu mir. Er hat ein Haus gekauft, ohne mit mir darüber zu sprechen, und entschieden, dass wir dort einziehen. Seine Eltern beschweren sich, weil das Haus 15 Kilometer von ihrem Wohnort weg ist. Sie finden, das sei zu weit. Seine Mutter geht mir auch total aus dem Weg, so als wäre ich nicht erwünscht. Ich denke immer mehr über eine Trennung nach. Wir hatten schöne Zeiten, ja. Aber auch er geht mir zunehmend aus dem Weg.

Dr. Schmitz: Sie sind in einer komplizierten Familienkonstellation. So wie Sie es beschreiben, übernimmt Ihr Freund eher die Rolle des braven Sohnes als die Aufgaben des (Ehe-)Partners. Er ist in seinem Elternhaus und im Geschäft der Junior. Er orientiert sich sehr an den Vorstellungen der Eltern und ist obendrein noch wirtschaftlich stark an seine Familie gebunden. Dort scheint es patriarchalisch zuzugehen. Der Vater bestimmt. Der Sohn ist sein Erbe und Thronfolger. Wann er den Thron besteigen und das Erbe antreten darf, entscheidet der Vater. Auf jeden Fall braucht der Sohn dazu selbst einen Thronfolger. Für den müssen Sie sorgen. Das ist die Ihnen zugedachte Funktion. Sie als Person scheinen für die Schwiegereltern nicht wichtig zu sein. Was Sie sich wünschen, spielt für sie keine Rolle. Sie sollen dankbar sein, dass Sie "zugeheiratet" werden – und gebären. Wie sehr macht Ihr Freund bei dieser Funktionszuordnung mit? Wie stellt er sich eine (partnerschaftliche?) Ehe mit Ihnen vor? Vor Konflikten weicht er wohl gerne aus. Vor Konflikten mit den Eltern und mit Ihnen. Dadurch wird er die Probleme aber nicht los. Er schafft sie vielmehr auf beiden Seiten. Anscheinend sucht er einen gewissen Abstand zu den Eltern. Jedenfalls könnte so seine Entscheidung zu verstehen sein, ein Haus nicht in unmittelbarer Nachbarschaft zu kaufen, sondern 15 Kilometer entfernt. Aber um Einvernehmen mit Ihnen bemüht er sich nicht. Wenn er sich Gesprächen mit Ihnen entzieht, müssen Sie genauer für sich überlegen, was Sie von ihm erwarten, welche Rolle (oder welche Rollen) Sie übernehmen wollen. Wenn Sie mit ihm ins Reine kommen, Sie beide zusammenhalten, wirklich ein Ehepaar sein würden, würde es Ihnen wohl weniger ausmachen, was die Eltern von Ihnen halten. Deren Vorstellungen von ihrer Familiendynastie bringen Sie allerdings nie zu Fall.

Du hast eine Frage an Dr. Michael Schmitz (schmitz.at)? Dann schicke dein Anliegen per Mail an fragensiedoch <AT> woman.at.