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Die unsichtbare Gefahr: Hautkrebs! Die Details & Gefahren um den häufigsten Tumor

WOMAN traf den Wiener Dermatologen Dr. Rainer Kunstfeld, der pikante Details rund um den häufigsten Tumor beim Menschen verrät.


Die unsichtbare Gefahr: Hautkrebs! Die Details & Gefahren um den häufigsten Tumor
© Corbis

Zählt man alle Formen von Hautkrebs zusammen, dann ist er der häufigste Tumor beim Menschen überhaupt! Der Wiener Dermatologe und Oberarzt an der Uni-Hautklinik, Dr. Rainer Kunstfeld ( www.kunstfeld.at ), im Interview über Früherkennung, Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten.

WOMAN: Wie oft muss ich zum Hautarzt?

Dr. Kunstfeld: Grundsätzlich gilt, dass sich ein gesunder Mensch ohne besondere Risikofaktoren einmal im Jahr die gesamte Haut anschauen lassen sollte. Menschen, die einen sehr hellen Hauttyp (Typ 1), häufig Sonnenbrände oder viele unregelmäßige Muttermale haben, sollten mehrmals im Jahr zum Hautarzt gehen, insbesondere, wenn sich Muttermale verändern. Nur der Hautarzt kann mit Sicherheit harmlose Muttermale von bösartigen Hautveränderungen unterscheiden.

WOMAN: Welche Untersuchungsmethoden gibt es?

Dr. Kunstfeld: Eine wesentlich technische Neuerung ist die so genannte Dermatoskopie. Hier kann man mit einem bestimmten Lupensystem in die Haut hineinschauen und bekommt wesentlich mehr Informationen aus den kleinsten Details des Muttermals. So kann man bösartige Veränderungen bereits im ganz frühem Stadium erkennen.

WOMAN: Relativ neu ist auch die digitale Dermatoskopie...

Dr. Kunstfeld: Ja, hier wird das Lupensystem mit dem Computer verbunden. Die Muttermale können am Bildschirm betrachtet, vermessen und gespeichert werden. So kann man Veränderungen oder Entwicklungen eines Muttermals in Richtung eines bösartigen Hauttumors besonders gut erkennen.

WOMAN: Welche Arten von Hautkrebs gibt es?

Dr. Kunstfeld: Das Melanom, auch als „schwarzer“ Hautkrebs bezeichnet, ist weltweit sehr bekannt. Der Tumor macht sich durch braune bis schwarze Flecken oder Knoten bemerkbar und ist sehr aggressiv. Da dieser Hautkrebs metastasiert, muss er sofort und radikal operiert werden. Je nach Tumordicke wird ein „Sicherheitsabstand“ chirurgisch entfernt, d.h. je dicker das Melanom ist, desto mehr gesunde Haut in der Umgebung muss weggeschnitten werden.

WOMAN: Und der weiße Hautkrebs?

Dr. Kunstfeld: Dieser Hautkrebs wird häufig unterschätzt, obwohl er mittlerweile der häufigste Tumor beim Menschen ist. In Österreich betragen die jährlichen Zuwachsraten bei dieser Krebsart bereits 5 Prozent. Der weiße Hautkrebs entsteht vor allem durch jahrelange chronische Sonnenexposition, typischerweise auf Stirn, Nase, Schultern, Händen, Unterarmen und an den Ohren.

WOMAN: Wie erkennt man den „weißen“ Hautkrebs?

Dr. Kunstfeld: In frühen Stadien sind es meist rötliche Flecken und minimal erhabene Stellen auf der Haut. Die Oberfläche ist typischerweise rau und greift sich beim Darüberstreichen an wie „Sandpapier“. Weiter fortgeschrittene Formen sind in der Regel erhaben und/oder knotig. Weißer Hautkrebs macht nur sehr selten Metastasen in anderen Organen, kann aber – wenn er nicht rechtzeitig behandelt wird – tief in den Körper einwachsen und Knochen, Augen, Ohren, sowie Nase zerstören. Wichtig ist, dass der Hautkrebs nicht einzeln auftritt, sondern flächenhaft in Gruppen, da ja nicht nur ein einziger Punkt auf der Haut, sondern ein ganzes Areal durch das Sonnenlicht geschädigt wird. Im Zweifelsfall sollte hier der auf jeden Fall der Hautarzt aufgesucht werden.

WOMAN: Wie kann man den Hautkrebs behandeln?

Dr. Kunstfeld: Der schwarze Hautkrebs wird chirurgisch entfernt. Bei frühen Formen des weißen Hautkrebses kann die Kryotherapie angewandt werden. Dabei wird der Tumor mit flüssigem Stickstoff (-100 Grad) eingefroren und so zerstört. Das Verfahren ist allerdings schmerzhaft, und es kann zu störenden Narben kommen. Eine weitere Möglichkeit ist lokale Chemotherapie. Der Trend geht allerdings in Richtung medizinische Cremen. Inhaltsstoffe wie Imiquimod aktivieren gezielt das Immunsystem der Haut, welches anschließend die Tumorzellen zerstört. Ein großer Vorteil dieses Verfahrens ist, dass keine Narben zurück bleiben.

Redaktion: Christine Ziechert