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Die Job-Etikette

Fachlich sattelfest, aber gesellschaftlich am Glatteis? Wer im Job weiterkommen will, muss auch die Business-Etikette gut kennen! Hier sind die wichtigsten Regeln.


Die Job-Etikette

Oft als spießige, verstaubte Gesellschaftszwänge von gestern abgetan, wird die Wichtigkeit der Etikette im Business heute gerne unterschätzt. Das richtige Benehmen orientiert sich an unausgesprochenen Regeln und entscheidet oft darüber, ob Sie einen Job bekommen oder nicht; ob ein Vertrag unterschrieben oder dem nächsten Auftragnehmer zugeschanzt wird.

Prüfung Business-Lunch
Besagte Regeln werden gerne in der zweiten Runde eines Personalauswahlverfahrens im Rahmen eines - an der Oberfläche ganz unverbindlich wirkenden - Geschäftsessens abgecheckt. Gutes Benehmen erkennt man schon daran, wie jemand sein Besteck in Händen hält. Entscheidend ist nicht, wie jemand seinen Hummer zerlegt, sondern wie jemand sein Steak schneidet.

Das chice Lokal in der City als Deckmantel für eine knallharte Prüfung der "Manieren": Wer die Gabel in der Mitte des Gedecks für die Vorspeise verwendet und die Gabel ganz außen für die Hauptspeise, hat schon einen Minuspunkt auf der Checklist des verdeckten Prüfers. Denn bei Tisch gelten viele unausgesprochene Regeln. Etwa: Das Besteck wird von außen nach innen weggenommen. Oder: Selbst handliches Jourgebäck wird immer zuerst gebrochen, bevor man es isst. Sind Sie zu spät gekommen? Wundern Sie sich nicht, wenn aus dem Geschäft nichts geworden ist - selbst wenn der Anschein noch so glänzend war.

Pünktlichkeit ist auch beim Dinner in größerer Runde unverzichtbar.
Es gibt eine Ausnahme: Im halb beruflichen Rahmen ist es in Ordnung, wenn die ältere die jüngere Person ein wenig warten lässt. Achten Sie auf die richtige Begrüßung. Da sind die Österreicher ganz besonders heikel. Begrüßt wird in der Reihenfolge: Rang, Geschlecht und Alter. Die Damen und älteren Personen sind grundsätzlich als Erste dran. Vergessen Sie dabei übertriebene Emanzipationsgedanken. Sie müssen sich nicht als "schwach" fühlen, wenn Sie selbst als Geschäftsfrau von den Herren bevorzugt behandelt werden, sagt Dobesch: "Nehmen Sie es freundlich an, wenn ein Mann Ihnen die Türe aufhält, den Laptop tragen möchte oder Ihnen in den Mantel hilft."

Kippen Sie das Weinglas aus Versehen um, brechen Sie bloß nicht in Entschuldigungstiraden aus
Bei Missgeschicken gilt: unauffällig übergehen und kein Aufhebens machen. Bleiben Sie diskret, damit niemand in der Gesellschaft sein Gesicht verliert. Nimmt der Gastgeber am Ende des Dinners die Serviette vom Schoß, teilt er mit dieser Geste seinen Gästen mit: "Die Veranstaltung ist zu Ende." Dann heißt es: nichts mehr bestellen und Abmarsch! Bezahlt wird vom Gastgeber diskret im Hintergrund, niemals bei Tisch.

Gekonnt smalltalken
Wenn Sie die Teilnehmer eines Geschäftsessens oder eines Cocktailempfangs kennen, ist viel Unsicherheit genommen. Wenn nicht, sollten Sie die Kunst des Smalltalks beherrschen. Dieses kleine, nette und lockere Gespräch dient nicht bloß dazu, mit neuen Leuten leichter in Kontakt zu kommen. Wie und worüber geredet wird, verrät auch, wie fit das Gegenüber in der Business-Etikette ist. Absolute No-nos sind zum Beispiel Themen wie Politik, Religion, Krankheiten, persönliche Probleme, Geld oder Betriebsgeheimnisse. Wichtige Regel: Zeigen Sie echtes Interesse an Ihrem Gegenüber. Aber machen Sie kein Verhör aus Ihrem Gespräch! Fragen wie "Woher kennen Sie den Gastgeber?" oder "Wie finden Sie diese Location hier?" sind ebenso gute Anknüpfungspunkte wie andere Gemeinsamkeiten, die Sie mit dem Gegenüber verbinden. Fragen Sie nicht nur, sondern machen Sie auch kurze Bemerkungen über sich, ohne in einen Profilierungswahn zu verfallen. Formulieren Sie alles stets positiv, und nörgeln Sie nicht. Wenn Sie philosophieren möchten, treffen Sie sich mit Freunden. Beim Smalltalk geht es nämlich genau nicht um tiefsinnige Gespräche. Das fällt gerade intellektuellen Menschen anfangs oft schwer. Unterhalten Sie sich über Sportarten, über ein Theaterstück oder einen Kinofilm. Bereiten Sie sich ruhig vor, indem Sie sich Gesprächsthemen zurechtlegen. Halten Sie sich jedenfalls mit scharfen persönlichen Meinungen zurück. Sie möchten sich auf der Visitenkarte Eckdaten der Person notieren? Bitte niemals in deren Gegenwart!

Handy aus!
Ob im Büro, beim Meeting oder beim Cocktailempfang am Abend oder beim Marsch zum Termin mit dem Kollegen auf der Straße: Wenn Ihr Handy läutet, müssen Sie nicht überall abheben - und schon gar nicht überall telefonieren! Platz für das Handy ist nie der Tisch, sondern die Tasche. Wer einen dringenden Anruf erwartet, verlässt während des Gesprächs den Raum. Auch wer Handys ständig in der Hand herumträgt, gibt ein negatives Business-Image ab.

Outfit
Was die Kleidung betrifft: In konservativen Branchen wie Banken sind klassische, dunkel-dezente Farben gefragt. Ansonsten darf man seine Umwelt auch mit helleren Colours erfreuen.