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Die Kraft der Pflanzenfarben

Im Sommer treiben wir es besonders bunt auf unseren Tellern. Und das macht auch Sinn, denn Farbstoffe in Obst und Gemüse wirken Antioxidativ, entgiftend, verjüngend. Und weil jede Nuance ihre eigene Power hat, brauchen wir sie alle. Mache dir ein Bild!

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Die Kraft der Pflanzenfarben
© istockphoto.com

Wenn Mariah Carey wieder mal auf dem Ich-tu-mirwas-Gutes-Trip ist, gibt's für sie nur mehr eines: die Farbe Lila. Dann darf ausschließlich Obst oder Gemüse dieser Colour auf den Teller. Solcherart reduzierte Kost soll nicht nur helfen, weniger Kalorien zu essen. Die darin enthaltenen Anthocyane, die lila und bläulichen Farbstoffe in Heidelbeeren, Melanzani, roten Zwiebeln, Purple-Haze-Karotten oder Zwetschken, gelten als Wunderwaffe in Sachen Anti-Aging. Sie sollen beim Kollagenaufbau helfen und so auch Falten reduzieren. "A plum a day keeps the facelift away", eine Zwetschke am Tag hält das Facelift fern, sagen die Amis in Abwandlung des Spruchs vom täglichen Apfel. Ganz so einfach ist es dann wohl doch nicht, aber die Farben in Obst und Gemüse haben durchaus ihre Wirkung. Denn hinter Lila, Rot, Grün, Gelb und Weiß stecken unterschiedliche sekundäre Pflanzenstoffe, die unseren Organismus unterstützen und schützen können. Jede Farbe hat dabei ihre ganz besondere Power (siehe unten). Erkunde mit uns die ganze Palette!

Gegen Stress

"Die Pflanzenstoffe heißen "sekundär", weil sie für den Energiestoffwechsel der Pflanzen nicht nötig sind, wie etwa Kohlenhydrate, Eiweiß, Fette oder Vitamine. Und weil sie nur in sehr geringen Mengen vorkommen", erklärt Ernährungswissenschafterin Marlies Gruber vom forum. ernährung heute. "Deshalb hat man ihnen lange keine Beachtung geschenkt. Heute weiß man aber, dass sie lebenswichtig sind. Die Pflanzen wehren sich damit gegen Schädlinge und Umwelteinflüsse. Diese Wirkung überträgt sich auf den Menschen. Anthocyane, Lycopine, Carotinoide, Polyphenole oder Quercetin aus den verschiedenen Obst- und Gemüsesorten wirken stark antioxidativ und fangen freie Radikale ein. Sie schützen die Zellen so vor äußeren Einflüssen wie Umweltgiften, Stress, Rauchen und mehr." Auf lange Sicht beugt das Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor, unterstützt die Leber bei der Entgiftung, stärkt das Immunsystem und kann sogar Krebs vorbeugen.

Je nach Gusto

Wichtig ist, dass man regelmäßig zu der bunten Vielfalt greift. Und gerade im Sommer, wenn Marktstände und Regale beinahe überquellen vor leuchtenden Beeren, Früchten und Gemüsesorten, fällt es uns leicht, auf die von Ernährungsgesellschaften empfohlenen fünf Portionen täglich zu kommen. Gruber rät: "Je bunter Sie essen, desto besser. Hören Sie da vor allem auf Ihren Gusto." Denn eine Studie zeigte, dass bewusst gesund einzukaufen weniger effektiv ist. Probanden, die gezielt gesunde Lebensmittel aussuchen sollten, hatten am Ende einen deutlich weniger qualitativen Einkauf als jene, die möglichst bunt, nach Lust und Laune auswählten.

Psychische Wirkung

Und nicht nur auf die Gesundheit, auch auf Appetit und Psyche haben die Farben Einfluss. Grün etwa vermittelt ein Gefühl von Frische, Geräusche werden dadurch weniger laut empfunden, dafür scheint die Zeit schneller zu vergehen. "Bei einem romantischen Dinner sollte man auf diese Farbe deshalb wohl besser verzichten", lacht Gruber. Rot dagegen ist sehr geeignet dafür, es symbolisiert Kraft, Wärme, Erotik. Gelb & Orange wiederum machen fröhlich, regen den Appetit an. Diese Wirkungen kommen allerdings erst dann so richtig zur Geltung, wenn der Farbeindruck stark ist. Gruber empfiehlt als Experiment, einmal wirklich monochrom, also alle Gerichte in einer Farbe, zu kochen, den Tisch entsprechend zu decken, Gäste zu bitten, sich in dieser Farbe zu kleiden. Die Ernährungswissenschafterin hat als Anregung auch ein Kochbuch nur mit farbigen Rezepten geschrieben (Farben essen, Maudrich Verlag, € 17,-).

Kreativität

Bleibt noch die Schattierung violett/lila. Die wirkt auf uns kreativ und extravagant. Vielleicht hat Mariah Carey sie auch deshalb gewählt. Und einen kleinen Spleen wird man ja noch haben dürfen! "Als Diät macht das allerdings wenig Sinn", so die Expertin. "Natürlich gibt es eine Wirkung. Wenn ich das Spektrum der Ernährung so stark einschränke, nehme ich ziemlich sicher ab. Das hält man nur nicht lange durch." Sich mit den Farben und den jeweiligen Pflanzenstoffen zu befassen, macht hingegen durchaus Sinn. "So kann ein neuer Zugang zum Essen entstehen." Der noch dazu Spaß macht.

Bunte Superpower für längeres Leben

Sekundäre Pflanzenstoffe helfen den Gewächsen, ihre Früchte vor Schädlingen und Umwelteinflüssen zu schützen. Das wirkt auch beim Menschen. So unterstützen uns die einzelnen Farben.

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Gelb
Schützt vor freien Radikalen. Orange-gelbe Sorten sind mit gleich zwei Farbstoffen ein wahres Multitalent: Helleres Obst wie Äpfel, Marillen oder Zitrusfrüchte wirkt durch viel Quercetin entzündungshemmend, hilft bei Allergien. Kräftigere Töne wie bei Karotten, Paprika oder Mangos kommen von den Carotinoiden. Studien zeigen, dass viel Carotinoid das Krebs- und Herzinfarktrisiko senkt. Es ist außerdem die Vorstufe für Vitamin A, das Oxidationsprozesse reduziert und das Zellwachstum reguliert.

2

Rot
Lycopin senkt das Herz-Kreislauf-Risiko. Das rote Pigment, das Tomaten, Ribiseln oder Wassermelonen färbt, senkt das Risiko für Herz-Kreislauf Beschwerden und erhöht den körpereigenen Sonnenschutz. Außerdem soll es die Haut-und Zellalterung verlangsamen und Gefäßverstopfung vorbeugen. Wichtig: Beim Kochen brechen die Zellwände der Pflanzen auf und setzen mehr Lycopin frei, der Körper kann es besser aufnehmen. Außerdem ist es fettlöslich. Also Tomatensugo immer mit Olivenöl mischen.

3

Weiß
Helle Farben reinigen von innen. Hier wirken in erster Linie die Sulfide, Duft- und Aromastoffe, die z. B. allen Rettich- und Lauchgewächsen ihre Schärfe verleihen. Das unterstützt die körperlichen Reinigungsprozesse und stärkt das Immunsystem, indem es die Durchblutung verbessert. Vor allem die Lunge profitiert von dieser reinigenden Qualität. Außerdem entwässern sie und sorgen so für strafferes Gewebe. Niederländische Forscher haben darüber hinaus entdeckt, dass häufiger Verzehr weißer Sorten das Schlaganfallrisiko um bis zu 50 Prozent reduziert.

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Grün
Chlorophyll wirkt blutbildend. Ähnlich wie das Blut beim Menschen gilt das Chlorophyll als Lebenssaft der Pflanzen. Seine chemische Zusammensetzung ist außerdem beinahe ident mit dem menschlichen roten Blutfarbstoff Hämoglobin. Es wirkt deshalb auch bei uns blutbildend und verbessert zusätzliche die Sauerstoffversorgung im Körper. Chlorophyll hilft außerdem dabei, Schadstoffe wie Pestizide auszuleiten und wirkt im Darmtrakt wie ein natürliches Antiseptikum. Durch den hohen Magnesiumgehalt kräftigt es Haut und Haare.

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Lila
Anthocyane als Anti-Aging-Wunderwaffen. Die tiefroten und bläulichen Farbstoffe in Melanzani, Heidelbeeren oder Roten Rüben stärken die innere und äußere Schönheit. Anthocyane helfen, die Kollagenstruktur der Haut zu bewahren, das schützt vor Faltenbildung. Außerdem verringern sie Arterienverkalkung, was wiederum Thrombosen und Schlaganfall vorbeugt. Laut Studien senken drei Portionen violettes Gemüse oder Obst pro Woche das Herzinfarktrisiko von Frauen um bis zu 30 Prozent. Als Faustregel gilt dabei: Je dunkler die Frucht, desto besser.