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Die dunkle Seite von Facebook

Cybermobbing, das User in den Selbstmord treibt. Postings im Netz als Kündigungsgrund und virtuelle Hetzjagden gegen Unschuldige: Facebook wird immer häufiger zum Schauplatz tragischer Schicksale.


Die dunkle Seite von Facebook
© Corbis

"Wenn du es tatsächlich durchziehst und Rebecca umbringst, spendiere ich dir ein Frühstück " – Diese belastende Nachricht fanden Kriminalisten im Facebook-Posteingang des Briten Joshua Davies, 16, ein paar Tage nachdem die 15-jährige Rebecca Aylward ermordet aufgefunden worden war.

Getötet vom Exfreund, der eine makabre Online-Wette gewinnen wollte. Während Davies seinem Freund nach der Tat in einer privaten Nachricht antwortete, dieser schulde ihm eine Mahlzeit, postete er auf seinem Internet-Profil öffentlich besorgte Statusmeldungen zu Rebecca, die zum damaligen Zeitpunkt noch als vermisst galt.

Facebook als Schauplatz tragischer Schicksale

Schreckensmeldungen wie diese tun der Beliebtheit von Facebook, das 2004 von Internet-Geek Mark Zuckerberg ins Leben gerufen wurde, allerdings keinen Abbruch! Täglich werden mehrere Milliarden persönlicher Infos, Daten und Fotos auf der sozialen Plattform großzügig im Netz verstreut, kommentiert, geliked. Auf der Plattform sind mittlerweile über 800 Millionen Mitglieder registriert – für viele von ihnen fungiert Facebook dabei als eine Art Ego-Booster.

Aufmerksamkeit fürs menschliche Ego

Digital-Expertin Anitra Eggler ( anitra-eggler.com ) erklärt den ungebrochenen Hype: „ Soziale Netzwerke fixen das menschliche Ego mit seiner Lieblingsdroge an: Aufmerksamkeit. Das hat Suchtpotenzial. Die Menschen geraten in einen Dauererregungszustand durch sich selbst. "

Nährboden für Kriminelle

Fakt ist aber auch, dass allein neun Prozent der Profile zweifelhaft sind. Dahinter verbergen sich bestenfalls nur Haustiere, Personen mit falscher Identität oder schlimmstenfalls Kriminelle. So wie jener Betrüger, der Fotos von Julie Chambers und ihrer herzkranken Tochter Zoe dazu missbrauchte, via Social Network Spenden für die lebensrettende Operation des zwei- jährigen britischen Mädchens zu erbetteln. Allein: Zoe war zu diesem Zeitpunkt längst tot. Sie war drei Jahre zuvor an einem Infekt gestorben.

Wenn Cybermobbing mit Selbstmord endet

Nicht nur Abzocker bringen Facebook immer wieder in Verruf: Cyber- mobbing wird innerhalb der Community zum immer größer werdenden Problem. Jeder dritte Jugendliche war schon von Attacken im Web betroffen. Wie auch Joël Horn, Österreichs erstes Facebook-Todesopfer . WOMAN berichtete 2010 über sein tragisches Schicksal. Der 13-jährige Kärntner wurde via Facebook gemobbt. Mitschüler hatten eine Seite erstellt, die Joël als schwul darstellte. Der Schüler beging daraufhin Selbstmord.

Sicher im Netz

Wie aber kann man sich gegen boshafte Übergriffe schützen? Anitra Eggler rät: „ Vor allem Jugendliche sollten niemanden adden, den sie nicht aus dem realen Leben kennen, und Facebook mit einem gesunden Misstrauen begegnen. " Wer dennoch Opfer von Cybermobbing wird, sollte damit an die Öffentlichkeit gehen ( saferinternet.at ). Sich Freunden, Familie oder Polizei anvertrauen. Und: offline gehen. Wer sich aus den Netzwerken verabschiedet und nicht präsent ist, wird als Opfer uninteressant.

In der neuen WOMAN 04/2013 berichten wir ausführlich über tragische Schicksale im Netz

Katharina Domiter, Petra Mühr