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Die Sprache des Körpers

jeder Schmerz ist ein Zeichen. Lerne, die Sprache des Körpers zu verstehen.


Die Sprache des Körpers
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Der menschliche Körper ist ein ziemlich komplexes System, in dem alles mit allem zusammenhängt. Die Nervenbahnen, die unseren Organismus durchziehen, sorgen dafür, dass Informationen von einem Ort zum anderen kommen. Da sich diese Nervenbahnen überallhin verzweigen, kann es sein, dass sich ein Problem ganz woanders bemerkbar macht als dort, wo es eigentlich liegt. So kann eine alte Blinddarmnarbe zu Rückenschmerzen führen. Wir haben mit drei Körpertherapeuten gesprochen, wie man die Sprache unseres Systems verstehen lernt.

Uhrwerk.

„Der Körper ist eine Einheit. Gibt es ein Problem, dann darf es nicht isoliert betrachtet werden. Man muss nachforschen, wo es herkommen könnte und was damit in Verbindung steht“, erklärt Georg Platzer, Shiatsu-Therapeut und Osteopath. Kopfschmerzen etwa können mit einem unregelmäßigen Zyklus oder hormoneller Verhütung in Zusammenhang stehen, Rückenschmerzen wiederum durch Darmprobleme hervorgerufen werden. Erhöhte Aufmerksamkeit gilt deshalb bei jedem gesundheitlichen Problem unserem Bauchraum. Denn dort befinden sich alle lebenswichtigen Organe, die unseren Stoffwechsel in Gang halten. „Man kann sich das Innenleben in unserem Bauch ähnlich wie bei einem Uhrwerk vorstellen, in dem jedes Zahnrädchen seinen Teil erfüllt. Läuft eines dieser Räder nicht mehr rund, hat das Auswirkungen auf das gesamte System“, weiß Platzer.

Lösungsansätze.

Schmerzen haben will niemand. Aber der Körper kann uns nur so darauf aufmerksam machen, dass etwas nicht stimmt. „Ignorieren wir sie, oder versuchen wir, sie mit Medikamenten zu betäuben“, macht Shiatsu-Therapeutin Susanne Siokola-Tomandl aufmerksam, „dann ist das, wie wenn bei einem Auto ein Warnlämpchen aufleuchtet und wir, statt dem Problem nachzugehen, die Sicherung rausdrehen.“ Es gilt also: Schmerzen medizinisch abklären, beobachten, wo sie herkommen, und behandeln. Kopfschmerzen z. B. lassen sich fast immer darauf zurückführen, dass die Energie im Körper nicht frei fließt. Schuld daran kann ein blockierter Halswirbel sein, eine Stressverspannung, eine alte Narbe oder ein jahrelang zurückliegender Unfall. Ein Körpertherapeut findet die Ursache schnell.

Starker Rücken.

Auch Rückenbeschwerden können viele Ursachen haben. Bei einem mechanischen Grund wie einer zu schwach ausgeprägten Muskulatur hilft Training und Bewegung im Alltag. Doch für viele Kreuzbeschwerden liegt die Ursache im Bauchraum, eine Tatsache, die noch relativ wenig bekannt ist. Denn unsere Organe sind über Nervenbahnen, die durch die Wirbelsäule verlaufen, mit dem Gehirn verbunden. Funktioniert der Darm nicht ordentlich, kommt das Signal, dass etwas nicht passt, Schmerz entsteht. Um diesen zu umgehen, verändern wir unsere Haltung und belasten die Muskeln falsch. Das kann langfristig zu massiven Beschwerden und sogar Bandscheibenvorfällen führen. Siokola-Tomandl schwört deshalb auf regelmäßige Bauch- und Organmassage, damit alles im Fluss bleibt.

Guter Schlaf.

Eine gute Nachtruhe gehört zu den Grundfesten eines ausgeglichenen Lebens. Einschlafbeschwerden hängen oft damit zusammen, dass der Wechsel von Aktivität zu Passivität nicht funktioniert. Der Geist ist erschöpft, aber der Körper fit. Häufiges Aufwachen steht wiederum mit dem Bauchraum in Verbindung. In der Nacht entgiftet die Leber auf Hochtouren. Ist sie stark gefordert, kann das zu (Alp-)Träumen, starkem Schwitzen, Aufwachen und Harndrang führen. Hier hilft ein gesunder Lebenswandel mit leichter Nahrung (weniger tierische Produkte), mehr Bewegung und viel Flüssigkeit.

Lebenswandel.

Prinzipiell ist unser Körper dafür gemacht, sich viel zu bewegen und großen Entbehrungen standzuhalten. Heute hat sich das ins Gegenteil verkehrt. Wir bewegen uns immer weniger, essen dafür aber immer reichhaltiger. Diese regelmäßige Versorgung führt einerseits dazu, dass wir viel länger und gesünder leben, ein Zuviel des Guten führt jedoch zu Übergewicht, Zivilisationskrankheiten und Nahrungsmittelunverträglichkeiten. „Zur richtigen Ernährung gibt es mehr Theorien als Menschen. Da muss jeder selbst ausprobieren, was das Beste für ihn ist. Bei Beschwerden ist es jedoch wichtig, Unverträglichkeiten austesten zu lassen“, erklärt Radiologe und Osteopath Dr. Christoph Költringer. Ein paar Regeln gibt es aber doch: Heimische Produkte essen. Denn wenn man mit dem Saisonkalender geht, ist man mit allen Nährstoffen versorgt. Selbst kochen, damit man weiß, was drin ist. Zeit fürs Essen einplanen und ordentlich kauen. Zucker so weit wie möglich reduzieren. Weniger Fleisch essen. Denn tierische Lebensmittel liefern viel konzentriertere Energie als Vegetarisches. Wer viel Fleisch isst, muss sich also umso mehr bewegen. Außerdem viel Wasser trinken.

Hormonstau.

Zweiter wichtiger Punkt: Regelmäßige Bewegung. Und zwar so, dass du ins Schwitzen kommst. Denn in Stresssituationen schüttet unser Körper Cortisol und Adrenalin aus, diese Hormone werden in erster Linie durch Bewegung wieder abgebaut. Passiert das nicht, führen sie zu erhöhtem Muskeltonus, in weiterer Folge zu Verspannungen und Schmerzen. Ein Teufelskreis …

Pia Kruckenhauser