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Die Tragödie der Elisabeth F.

Nach den immer noch unfassbaren Ereignissen versuchen nun Elisabeth F., 42, und ihre Kinder ein neues Leben zu beginnen. Wie die Zukunft für alle aussehen könnte …


Die Tragödie der Elisabeth F.

Kaum ein Kriminalfall, der Österreich, der die Welt in den letzten Jah­ren derart erschütter­te! Schon als Elfjährige von ihrem Vater Josef F. (heute 73 Jahre) sexuell missbraucht. Als 18-Jährige sperrte er sie in ein enges Kellerverlies. Dort musste die heute 42-jährige Amstettnerin Elisabeth F. 24 Jahre dahinvegetieren. Immer herhalten. Ihm zu Diensten sein. In den mehr als zwei Jahrzehnten sah sie kein einziges Mal den Himmel, die Sterne oder die Sonne, wusste schon gar nicht mehr, wie köstlich es sein kann, frische Luft zu atmen. Und immer war die Brutalität des Tyrannen, der sich ­Vater nannte, allgegenwärtig. War­um ihre Mutter Rosemarie (heute 68), die mit dem Vater im ersten Stock des Hauses lebte, von all dem nichts mitbekam – diese Frage dürfte sie wohl jeden Tag zusätzlich gequält haben. Nur durch ein kleines, altes TV-Gerät bekam sie mit, was in der Welt „da oben“ geschah. Sieben Kinder (eines davon starb angeblich gleich nach der Geburt) brachte sie in ihrem fensterlosen, nur mit schwachen Glühbirnen ausgeleuchteten, 60 Quadratmeter großen Gefängnis zur Welt. Alleine und ohne medizinische Versorgung. Die Todesangst war ihr ständiger Begleiter. Totale Unterwürfigkeit gegenüber dem Mann, zu dem sie „Papa“ sagte, war für sie die einzige Überlebenschance. Erst als ihre älteste Tochter Kerstin, 19, im Verlies lebensgefährlich erkrankte, ließ er sie frei …

Psychogramm. Wie konnten diese Frau und ihre Kinder das alles ertragen? Wie könnte nach ihrer Befreiung am 26. April 2008 ihre Zukunft aussehen? Dazu versucht die Wiener Tiefenpsychologin Rosemarie Rabl-Resch­reiter, 44, in WOMAN eine Antwort zu finden: „Jeder von den beteiligten Familienmitgliedern wird sein persönliches Trauma unabhängig von den anderen verarbeiten müssen. Es wird viele Jahre dauern, bis sie in ein halbwegs normales Leben zurückfinden können. Ihre Erlebnisse kommen einer schweren Kriegsfolter gleich.“ Die Expertin wird auf den nächsten Seiten ausführlich zu jedem einzelnen Schicksal Stellung nehmen. Doch vorerst noch einmal zurück zur Chronologie des Schreckens …

Vermisst. Von ihrem Peiniger Josef F. am 29. August 1984 offiziell als vermisst gemeldet (einen Tag nachdem er sie in der Nacht unter einem Vorwand in den Keller lockte und sie dort an eine Säule fesselte), soll sie ihm im Laufe der Jahre drei ihrer Babys vor die Tür gelegt haben, um gleich darauf wieder spurlos zu verschwinden. Im Herbst 1993 „findet“ Josef F. die neun Monate alte Lisa im Hauseingang. Im Mai 1994 die zehn Monate alte Monika. Im August 1997 ist es der 15 Monate alte Alexander. Der „geplagte“ Großvater legte Briefe von seiner Tochter Elisabeth vor, in denen sie ihn bat, für ihren Nachwuchs zu sorgen. „Weil ich selbst nicht dazu in der Lage bin.“ Ein teuflischer und penibel vorbereiteter Plan, um die Behör­den zu täuschen. Die Erklärung des Elektroingenieurs Josef F. war jedenfalls für Jugendamt und Polizei glaubwürdig genug. So sehr, dass sie ihm die Erziehung jener Kinder übertrugen, die ihm die „verantwortungslose“ Tochter hinterließ. Niemand ahnte, dass er sie zwang, diese Nachrichten zu schreiben, damit er sein Doppelleben weiterführen konnte. Keiner der Beamten wusste, dass der angesehene Besitzer mehrerer Im­­mo­bilien bereits einmal wegen Vergewaltigung verurteilt wurde und deshalb im Gefängnis saß. War doch das Delikt längst verjährt und aus dem Strafregister gestrichen worden.

Die ganze Story finden Sie im aktuellen WOMAN