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Die Wäschekönigin: Ex-Palmers-Managerin gründete Dessouslabel für Übergrößen

Die Ex-Palmers-Managerin Astrid Gilhofer startet mit ihrem eigenen Dessouslabel für Übergrößen durch. Warum sie an ein „Spitzenbusiness“ in schweren Wirtschaftszeiten glaubt.


Die Wäschekönigin: Ex-Palmers-Managerin gründete Dessouslabel für Übergrößen
© Rudi Froese

Schwarz, Weiß, Rubinrot, mit Spitze, Steinchen, Bändern, Maschen, glänzend oder pur: In allen Farben, Formen, Größen – und auch Übergrößen – reiht sich auf zwei Stangen eine Kollektion an reizenden Dessous aneinander. Konzentriert und sichtlich mit Herzblut geht Astrid Gilhofer, 48, die zarten Teile durch. Hier, in ihrem neuen Büro im 6. Bezirk in Wien, kreiert die Ex-„Mrs. Palmers“ jetzt ihre eigene Wäsche. „Als Unternehmerin habe ich andere Ziele als bei einer Karriere im Management. Ich erlebe den Erfolg jetzt anders“, sagt sie genauso kraftvoll wie entspannt.

Sariana heißt das steirische Unternehmen für Damenwäsche, das Astrid Gilhofer in seiner Insolvenz gekauft hatte, um jetzt mit neuer Geschäftsstrategie den Umsatz zu steigern (Produkte zu mittleren Preisen, erhältlich im Fachhandel und in Versandhäusern). Dass die Branche in der Krise steckt, kümmert Gilhofer wenig: „Die Marke ist ein Nischenprodukt für Übergrößen. Wir bekommen E-Mails von Tirol bis Australien – die Nachfrage ist definitiv da.“

Neustart in Europa.
Für Gilhofer war es mehr ein Zufall gewesen, dass sie nach ihrem Ausstieg aus dem Palmers-Imperium jetzt ausgerechnet bei einem Dessouslabel selbst die Fäden zieht. „Mir war lediglich klar, dass ich mich selbständig machen werde.“ Mehrere Unternehmen hatte sie prüfend unter die Lupe genommen – darunter die Strumpfmarke Ergee oder den Schuhriesen Stiefelkönig. „Bei Sariana stimmte alles – vom Kaufpreis bis zum Produkt.“ Mit einem Partner-Vertriebssystem will Gilhofer, die nach wie vor den Aufsichtsrat von Palmers leitet, jetzt mit einer zehnköpfigen Startcrew den europäischen Markt von Deutschland bis Spanien neu erobern.

Erfolg dank Krise.
Ihren Weg nach oben hatte sich die gebürtige Oberösterreicherin, Tochter eines Lehrerehepaares, schon früh gebahnt: 1985 stieg die promovierte Juristin bei Palmers ein, um dort die Rechts- und Immobilienabteilung aufzubauen. Über 100 Häuser waren damals im Besitz des Palmers-Clans. Ab 1990 war sie sieben Jahre lang Chefin des Modehauses Adelmüller, das neben vielen weiteren Unternehmen wie Wolford oder Gerngross zum Palmers-Konzern gehörte. Von ihrem Schreibtisch stammte etwa auch die Palmers-Plakatkampagne mit den Po-Models. Die war aber „nur ein kleiner Teil der umfassenden Aufgaben“, betont sie. „Ich stand ja am Ende an der Spitze des Konzerns.“ 2002 wurde Gilhofer schließlich als erste Frau in den Aufsichtsrat der ÖIAG (Österreichische Industrieholding AG) geholt. Eine Quotenfrau, wie sie selbst sagt.

Zum Abgang aus der Chefetage bei Palmers entschied sich Gilhofer 2003, als in den Verstrickungen des Familienclans ein Machtkampf entbrannte. Sie machte sich mit ihrer CI Immobilien Consult und Immobilientreuhand GmbH selbständig. „Doch die Zeit für Immobiliengroßprojekte ist seit einigen Jahren vorbei“, sagt sie pragmatisch. Die Wirtschaftskrise sieht Gilhofer hingegen als Chance. „In schwierigen Zeiten werden die Karten neu gemischt!“

Redaktion: Susanne Prosser